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Nach Treffen zwischen Putin und Lukaschenko: Steigt Belarus in den Krieg ein?

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Von: Sandra Kathe

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In der Ukraine hält man einen Einstieg von Belarus im Ukraine-Krieg für übermäßig riskant. Auch russische Aufmärsche an der Grenze scheinen eher wie „Ablenkungsmanöver“.

Minsk/Kiew – Seit der Ukraine-Konflikt zu einem Krieg eskaliert ist, wird über einen Einstieg belarussischer Truppen in den russischen Angriff auf das gemeinsame Nachbarland spekuliert. Und das nicht ganz ohne Anlass. Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko gilt nicht nur als einer der wichtigsten Verbündeten des russischen Machthabers Wladimir Putin, sondern bot Putins Truppen bereits vor dem Einmarsch in die Ukraine Möglichkeiten, Truppen und Ausrüstung auf fremdem Staatsgebiet zu positionieren. Von Belarus aus erfolgte dann auch zu Beginn des Krieges der Versuch Russlands, Kiew einzunehmen.

Auch nachdem das Vorhaben direkt in den ersten Kriegswochen gescheitert ist, sind russische Truppen in Belarus verblieben. Aktuell sollen nach Informationen der US-Zeitung Newsweek weiterhin 10.200 russische Soldaten auf dem Gebiet des Landes stationiert sein, die regelmäßig gemeinsame Übungen mit belarussischen Truppen abhalten. Daher wird auch nach wie vor häufig darüber gemutmaßt, ob ein belarussischer Einstieg in den Konflikt wahrscheinlich ist.

Bei ihrem Treffen haben die Staatschefs von Russland und Belarus über die weitere Zusammenarbeit gesprochen, ein möglicher Kriegseintritt von Belarus wird jedoch dementiert.
Bei ihrem Treffen haben die Staatschefs von Russland und Belarus über die weitere Zusammenarbeit gesprochen, ein möglicher Kriegseintritt von Belarus wird jedoch dementiert. © Pavel Bednyakov/AFP

„Ergebnisreiches“ Treffen zwischen Putin und Lukaschenko: Russland schließt Eingreifen von Belarus aus

Befeuert haben das kürzlich auch mehrere Treffen zwischen den beiden Staatschefs, die seit vielen Jahren als enge Verbündete gelten. Zuerst war wenige Tage vor Weihnachten Wladimir Putin nach Minsk gereist und sprach anschließend von „sehr ergebnisreichen Gesprächen“ mit Lukaschenko. Danach kam dieser zu einem Gipfeltreffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten, eines Staatenbunds der aus den Nachfolgern ehemaliger Sowjetstaaten besteht, nach Sankt Petersburg.

Nach dem ersten Treffen hatte laut eines dpa-Berichts die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtet, Putin und Lukaschenko hätten sich über eine Fortführung ihrer militärischen Zusammenarbeit ausgetauscht. So seien gemeinsame Manöver der Streitkräfte beider Länder geplant, zudem wolle Russland belarussische Flugzeugbesatzungen für mögliche Einsätze mit Nuklearwaffen ausbilden. Dass es bei den Treffen um ein Eingreifen von Belarus gegangen sei, wurde von russischer Seite entschieden dementiert.

Beteiligung von Belarus im Ukraine-Krieg: Militärgeheimdienst-Chef spricht von „Ablenkungsmanöver“

Auch Militärfachleute haben über die vergangenen Tage betont, dass sie einen Einstieg von Belarus in den Krieg eher für unwahrscheinlich halten. So zitierte Newsweek etwa den Chef des ukrainischen Grenzschutzes, Serhii Deineko, der betonte, dass die russischen Einheiten mit einer Truppenstärke von rund 10.000 Soldaten entlang der Grenze zu Belarus keinesfalls in der Lage wären, einen Angriff durchzuführen. Ein Sprecher des Grenzschutzes hatte bereits am Dienstag (27. Dezember) laut einem Bericht der Nachrichtenseite Ukrainska Pravda betont, dass man einen Angriff aus ukrainischem Territorium für den Moment für unwahrscheinlich halte und eher davon ausgehe, dass die russische Militärführung die Ukraine mit der Verlegung von Truppen verunsichern und an anderen Fronten schwächen wolle.

Diese Vermutung wiederholte auch der ukrainische Militärgeheimdienstchef Kirill Budanov in einem Interview mit dem britischen Fernsehsender BBC vom Donnerstag, in dem er berichtete, dass kürzlich ein Zug mit russischen Soldaten nahe der Grenze zwischen Belarus und der Ukraine angehalten habe und einige Stunden später weitergefahren sei, ohne dass nur ein einziger Soldat ausgestiegen wäre. Die Vorgänge an der Grenze hält die Ukraine auch aufgrund solcher Vorfälle bislang für reine „Ablenkungsmanöver“.

Auch einen Einstieg von Belarus in den Krieg hält Budanov bislang für eher unwahrscheinlich, auch weil nach ukrainischer Einschätzung die Bevölkerung von Belarus einen Kriegseinsatz ihrer 48.000 Mann starken Armee wohl kaum unterstützen würde. „Deshalb unternimmt Präsident Lukaschenko alles, um eine Katastrophe für sein Land zu verhindern“, zitiert die BBC den Militärgeheimdienst-Chef. (ska mit dpa)

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