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Trotz legalem Russland-Geschäft: Bonduelle bestreitet Lieferung an Putins Soldaten

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Von: Jens Kiffmeier

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Hat Bonduelle russischen Soldaten 10.000 Konserven geschickt? Nein, sagt der Konzern. Alles Fake News. Doch das Russland-Geschäft blüht – trotz Sanktionen.

Paris/Moskau – Bonduelle in der Bredouille: Offenbar mit Fake News hat Wladimir Putins Troll-Fabrik den französischen Lebensmittelkonzern zu Unrecht an den Pranger gestellt. Nachdem Gerüchte über eine Belieferung von 10.000 Konserven an russische Soldaten im Ukraine-Krieg aufgetaucht waren, sah sich das Unternehmen zu einem Dementi herausgefordert. „Wir verteilen keine Päckchen an Soldaten“, hieß es in einer Erklärung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Dennoch wirft der Vorfall ein Schlaglicht auf die Russland-Geschäfte und die EU-Sanktionen, berichtet kreiszeitung.de.

Ukraine-Krieg: Russische Soldaten beliefert? Bonduelle beklagt Fake News aus Russland

Was war passiert? Im russischen Online-Netzwerk VKontakte waren Fotos aufgetaucht, wonach Bonduelle Putins Soldaten zehntausende Lebensmittelkonserven geschickt haben sollte. Angeblich versehen mit einer Grußkarte, inklusive Neujahrswünschen für einen „raschen Sieg“. Im Internet hagelte es umgehend Boykottaufrufe gegen das französische Unternehmen, das jedoch den Bericht bei Twitter als Falschmeldung (Fake News) zurückwies. Mittlerweile ist der Beitrag, den die russische Stadt Jarzewo geteilt hatte, wieder gelöscht worden.

Hat Fake News über die Lieferung von Bonduelle an seine Soldaten verbreitet: Russlands Präsident Wladimir Putin.
Hat Fake News über die Lieferung von Bonduelle an seine Soldaten verbreitet: Russlands Präsident Wladimir Putin. © picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP/Valery Sharifulin/Itar-Tass/Imago

Dennoch ist Bonduelle im Russland-Geschäft weiter aktiv. So hat sich der Konzern im Gegensatz zu vielen anderen Branchen nach Beginn des Ukraine-Krieges nicht vollständig aus dem Land zurückgezogen. So bestätigte die Gruppe unter anderem ihre Teilnahme an der Aktion „Körbe des Wohlwollens“, bei der die russische Lebensmittelbank Produkte für Bedürftige im Volk sammelt. Dies stehe aber „nicht in Verbindung mit der Armee“, sagte eine Konzernsprecherin zur AFP.

EU-Sanktionen gegen Russland: Lebensmittelkonzern darf Konserven nach Russland schicken

Tatsächlich sind die Geschäfte mit Russland im Lebensmittelbereich legal. Zwar hat die Europäische Union (EU) nach dem von Präsident Wladimir Putin befohlenen Angriffskriegs auf die Ukraine umfangreiche Sanktionen erlassen. Doch diese zielen in erster Linie auf die russische Wirtschaft, den Finanzsektor und die Rüstungsindustrie sowie auf einzelne Oligarchen. Gegen den Import und Export von Lebensmitteln wurden explizit keine Strafmaßnahmen eingeleitet. Nahrungsmittel sind von den EU-Sanktionen ausdrücklich ausgeklammert, um keinen Hungerkrieg gegen die Bevölkerung zu vermeiden.

Auch in einigen anderen Bereichen gibt es Ausnahmen in der EU-Sanktionsliste. Wie die Bild-Zeitung berichtete, hat die US-amerikanische Yale-Universität weltweit die Russland-Geschäfte untersucht und in einer Namensliste veröffentlicht. Dem Bericht zufolge befinden sich auch 21 deutsche Unternehmen unter den Handelspartnern, auf die Putin weiterhin zum Teil zählen kann. Trotz Boykottgefahr verkaufen sie weiterhin die als notwendig deklarierten Produkte. Werbung und neue Investitionen sollen aber weitgehend gestoppt worden sein. Unter diesen Bedingungen tätig sind noch unter anderem folgende deutsche Firmen.

EU-Sanktionsliste im Ukraine-Krieg: Diese Unternehmen können Geschäfte mit Putin machen – eine Übersicht

Liste der EU-Sanktionen: Diese Auswirkungen haben die Maßnahmen auf Russland

Dennoch gelten die EU-Sanktionen durchaus als scharf. Immer wieder wurde über die Wirksamkeit der EU-Sanktionen diskutiert. Doch in den vergangenen Wochen zeigte sich, dass die russische Wirtschaft zunehmend Probleme bekommt. Während Putins Banken verzweifelt Goldreserven handeln müssen, kämpft die russische Armee mit Nachschubproblemen. Denn offenbar fehlt es immer schwerer, kaputte Panzer wegen Ersatzteilmangel zu reparieren oder neue Raketen herzustellen. Teilweise soll die Armee bereits mit 40 Jahre alter Munition schießen. (jkf)

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