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Wladimir Putin: Sein bester Freund könnte den Ukraine-Krieg entscheidend beeinflussen

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Von: Nail Akkoyun

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Sergej Schoigu gilt als enger Vertrauter und Freund von Wladimir Putin. (Archivfoto)
Sergej Schoigu gilt als enger Vertrauter und Freund von Wladimir Putin. (Archivfoto) © Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Sergej Schoigu gilt als enger Freund und Wegbegleiter von Wladimir Putin. Am schwierigen Krieg gegen die Ukraine trägt aber auch er Schuld.

Moskau – Im Ukraine-Krieg stehen neben Russlands Präsident Wladimir Putin auch weitere Protagonisten aus seinem Umfeld im Fokus. „Der Kreml hat die letzten 20 Jahre damit verbracht, sein Militär zu modernisieren. Ein großer Teil dieses Budgets wurde gestohlen und für Mega-Yachten auf Zypern ausgegeben“, schrieb der ehemalige russische Außenminister Andrei Kosyrew auf Twitter. Eine Tweet, der beantworten könnte, warum die russischen Streitkräfte so überraschend schwach ausgebildet und zum Teil schlecht ausgerüstet sind.

Bei einem der Beschuldigten handelt es sich um Verteidigungsminister Sergej Schoigu, der sich besonders gut mit den Oligarchen des Landes verstehen soll. Doch er gilt auch als enger Freund von Wladimir Putin. Kein Wunder, legte er doch eine ähnlich steile Karriere wie der russische Präsident hin: Zuerst russischer Minister für Notstandssituation, ganze 13 Jahre lang, gefolgt von einer kurzen Amtszeit als Gouverneur der Region Moskau, ähnlich wie Putin Anfang der 1990er-Jahre in Sankt Petersburg.

Schoigu gilt als zweitbeliebteste Persönlichkeit in Russland, gemeinsam mit Amtskollege und Außenminister Sergej Lawrow soll er neben dem Präsidenten die Partei Vereintes Russland an die Spitze der kommenden Duma-Wahlen führen. Sich der Öffentlichkeit ohnehin gern als engagierter Held präsentierend, wie es einst Putin nach Beginn des Tschetschenienkriegs tat, könnte Schoigu den Ukraine-Konflikt eigentlich zu seinem Vorteil nutzen – wenn der Krieg in der Ukraine denn nur wie geplant laufen würde.

Russland im Ukraine-Krieg: Von Modernisierung keine Spur

Als Verteidigungsminister versprach Schoigu, die ehrgeizigen Pläne des Kremls für eine umfassende Militärreform fortzusetzen. Das Ziel: 70 Prozent der russischen Streitkräfte bis 2020 zu modernisieren. Trotz der stagnierenden Wirtschaft hat das Land seitdem Dutzende von Milliarden Euro für die Verteidigung ausgegeben – rund ein Drittel des russischen Staatshaushalts. Man sollte meinen, dass ein Militär mit einem solchen Etat ein vergleichsweise schwächer ausgebildete Streitkräfte wie die der Ukraine innerhalb kürzester Zeit in die Knie zwingen dürfte. Putins bisherigem Feldzug nach zu urteilen, ist von den milliardenschweren Investitionen allerdings nichts zu sehen.

So kann etwa das vermeintlich verschlüsselte Telefonsystem, welches den russischen Truppen eine sichere Kommunikation im Kampf garantieren soll, von der ukrainischen Armee abgehört werden. Hohe Verluste, die von Moskau offiziell kaum anerkannt werden, logistische Probleme und Berichte über zahlreiche Desertionen sind nur ein Teil des müßig verlaufenden Angriffskriegs im Nachbarland. Denn auch Treibstoffmangel sowie schlecht gewartete, oder Gerüchten zufolge sogar absichtlich manipulierte, Panzerfahrzeuge verlangsamen den Vormarsch der russischen Armee nur umso weiter.

„Die Russen haben sich, angefangen bei ihren nachrichtendienstlichen Einschätzungen und ihrem Verständnis des Schlachtfelds und des Gegners, und dann bei jedem Aspekt der Kampagne, bis hin zu den Operationen kleiner Einheiten, als völlig unzureichend erwiesen“, sagte der ehemalige US-General David Petraeus im Interview mit Business Insider.

Ähnlich wie Wladimir Putin: Schoigu soll trotz Ukraine-Krieg auf großem Fuß leben

Die ukrainische Zeitung NV behauptete kürzlich in einem Bericht, dass Schoigu den Haushalt des russischen Verteidigungsministeriums „wie sein persönliches Sparschwein“ verwalte. Demnach besitze der Verteidigungsminister unter anderem eine „verschwenderische Villa“ außerhalb Moskaus, die auch schon Alexej Nawalnys Untersuchungsteam mit Drohnen fotografiert worden sei. Der Wert des Objekts, dessen Besitzer nicht feststeht, wird auf etwa 16,3 Millionen Euro geschätzt.

Weiter wird Schoigu beschuldigt, seine Position auszunutzen, um die Unternehmungen seiner eigenen Familie zu fördern. Tochter Ksenia soll innerhalb von drei Jahren 2,1 Milliarden Rubel dank staatlicher Bauprojekte verdient haben, und das in Kooperation mit dem Oligarchen Gennadi Timtschenko – angeblich ein weiterer Freund Putins. Laut Nawalny habe das Verteidigungsministerium auch Angelausflüge und Kurztrips von Schoigu und einer Gruppe von Generälen finanziert.

Um solch negativer Publicity entgegenzuwirken, soll Schoigu eine PR-Abteilung finanzieren, die kritische Journalistinnen und Journalisten „zurechtweisen.“ Einem Bericht von The Daily Beast zufolge schickte Schoigu erst Mitte Februar einen Brief an das russische Kultusministerium, in dem er verlangte, Film- und Fernseharbeiten des ukrainischen Präsidenten und früheren Schauspielers Wolodymyr Selenskyj gänzlich aus dem Fernsehen zu verbannen.

Keine schnelle Besetzung der Ukraine: Kostet der Krieg Schoigus Kopf?

Da Russland eine rasche Besetzung der Ukraine nicht gelungen ist, mussten bereits etliche russische Generäle ihren Hut nehmen. Einige Führungsträger, wie etwa Sergej Beseda, Chef des Auslandsgeheimdienstes FSB, wurden sogar hinter Gittern gebracht. Dabei befand auch er sich lange Zeit im engeren Kreis rund um den russischen Präsidenten.

Schoigu könnte der nächste auf Putins Liste sein, denn zweifelsohne spielen die Einschätzungen, Ratschläge und Befehle des Verteidigungsministers eine große Rolle im Ukraine-Krieg. Möglicherweise hat Schoigu sich für diesen Fall aber bereits abgesichert. „Das Problem, mit dem Putin hier konfrontiert ist, ist, dass im Militär niemand beliebt genug ist, um Schoigu zu ersetzen. Er hat sicher aller beliebten Generäle entledigt“, sagte der Journalist Andrei Soldatov gegenüber The Daily Beast.

Doch Schoigu, dessen Karriere zweifelsohne unter dem Angriffskrieg leidet, könnte auch gemeinsam mit Putin abtreten – wenn auch nicht freiwillig. Denn laut dem Politikwissenschaftler Frances Fukuyama wird der russische Machthaber „die Niederlage seiner Armee nicht überleben.“ Sollte Putin aus dem Amt gedrängt werden, auf welche Weise auch immer, muss auch Schoigu gehen. Dann wären die zwei „Muzhiks“, also die zwei „echten russischen Männer“, nach wie vor Seite an Seite – doch nicht mehr an der Macht. (nak)

Informationen des ukrainischen Geheimdienstes zufolge soll die russische Elite einen Putsch gegen Wladimir Putin planen. Ein ehemaliger Geheimagent geht sogar davon aus, dass sämtliche Geheimdienste aktuell über einen Mordanschlag auf Wladimir Putin nachdenken.

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