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Ukraine-Krieg: Fremdenlegion im Kampf gegen Putins Russland - auch „bester Scharfschütze der Welt“ dabei

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Ein ukrainischer Soldat verlässt nach einem Beschuss in Kiew ein beschädigtes Gebäude.
Im Kampf gegen die russische Invasion hat die Ukraine eine Internationale Legion gegründet. (Symbolbild) © ARIS MESSINIS/afp

Im Ukraine-Krieg kämpfen jetzt nicht nur Ukrainer und Russen. Kiew ruft ehemalige fremde Kämpfer zum Dienst - mit dabei ein berühmter Scharfschütze.

München - Im Ukraine-Konflikt* liefern sich bislang nur ukrainische und russische Truppen heftige Kämpfe. Diese Karte veranschaulicht, wo der Ukraine-Krieg wütet. Doch wie es aussieht wird sich dies schon bald maßgeblich ändern, denn jetzt kommen auch immer mehr Kämpfer aus dem Ausland in das Kriegsgebiet.

Sowohl auf der ukrainischen als auch auf der russischen Seite kämpfen immer mehr Fremde. Nach dem Aufruf der Ukraine* und der Gründung einer „Internationalen Legion“ startete Russland selber ein ähnliches Vorhaben. Die Ukraine entwickelt sich allmählich in ein internationales Schlachtfeld. Auf der Seite der Ukrainer befindet sich dabei offenbar eine ganz bestimmte Persönlichkeit: Ein weltberühmter Scharfschütze aus Kanada.

Ukraine-Krieg: Kiew gründet Internationale Legion - Personen mit militärischer Erfahrung gesucht

20 Tage nachdem der russische Machthaber Wladimir Putin* den Befehl für eine „Spezialoperation“ in der Ukraine gab, versuchen russische Truppen weiterhin an verschiedenen Fronten vorzustoßen und ukrainisches Gebiet zu besetzen. Auf die Ukraine-Invasion kommen auch Reaktionen aus Deutschland. Die Ukraine leistet entschlossen Widerstand, ist jedoch sowohl bei Truppenstärke als auch bei Ausrüstung zahlenmäßig deutlich unterlegen. Nato-Partner wie die USA, Türkei, aber auch Deutschland schicken zwar Waffen, können jedoch keine Truppen im Land stationieren - vor allem, da die Ukraine selbst kein Nato-Mitglied ist.

Abhilfe an dieser Stelle soll die „Internationale Legion“ schaffen, die am 27. Februar vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj* ausgerufen wurde. Ehemalige Soldaten oder einfache Personen mit militärischer Erfahrung sollen demnach vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise* die Möglichkeit haben, in die Ukraine zu reisen und als Teil dieser Legion gegen russische Truppen zu kämpfen. Damit stellt die Regierung in Kiew* direkten Kontakt mit Bürgern von verbündeten Ländern unter Umgehung der Regierungen her. So soll das Defizit an Truppenstärke zumindest etwas aufgehoben werden.

Ukraine-Krieg: Fremde Kämpfer gegen Putins Russland - Moskau holt auch Ausländer für Invasion

Im Ukraine-Krieg* verkündeten in erster Linie Bürger westlicher Länder ihre Solidarität mit der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg. Für Tausende ist die Bitte der Regierung in Kiew nun eine goldene Möglichkeit, diese Solidarität in die Tat umzusetzen. Laut dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba haben sich bislang 20.000 Kämpfer aus 52 Ländern gemeldet, um als Teil der Internationalen Legion für die Ukraine zu kämpfen. Bisher konnten diese Zahlen allerdings nicht unabhängig verifiziert werden.

Die Internationale Legion hat bereits sogar eine eigene Internetseite. Dort wird erklärt, wie man sich in nur sieben Schritten der Truppe anschließen kann. „Rette die Welt. Stehe mit der Ukraine“, heißt es auf der Webseite. Vorausgesetzt wird militärische Erfahrung, Erfahrung im Umgang mit Waffen und ein kühler Kopf in Stresssituationen. Und zusätzlich: Der Wille zur „Verteidigung des Weltfriedens“. Ob, wo und welche Konsequenzen es für die fremden Staatsbürger nach der Rückkehr in ihre eigenen Länder gibt, ist noch offen. Während Länder wie Großbritannien* und Kanada ihre Bürger vor einer Teilnahme am Krieg warnten, erklärte der tschechische Premierminister Petr Fiala, für tschechische Bürger werde dies keine Folgen haben.

Nach dem Aufruf der Ukraine appellierte auch der russische Präsident Putin an Personen mit militärischer Erfahrung, an der Seite von pro-russischen Milizen zu kämpfen. Verteidigungsminister Sergej Shoigu zufolge sind etwa 16.000 Menschen aus dem Nahen Osten bereit, um an der Seite Russlands in den Kampf zu treten. Diese Zahl konnte bisher nicht unabhängig bestätigt werden. US-Beamte gehen davon aus, dass es sich dabei hauptsächlich um syrische Milizen mit Erfahrung im Städtekampf handelt.

Ukraine-Krieg: Mehr als 500 kanadische Ex-Soldaten in Kiew - weltberühmter Scharfschütze offenbar dabei

Laut den Daten der Internationalen Legion stammen 4,7 Prozent der Personen, die sich der Truppe angeschlossen haben, aus Kanada. Insgesamt befinden sich derzeit 550 kanadische Kämpfer in Kiew, bestätigte eine Quelle der ukrainischen Internationalen Legion gegenüber der kanadischen Zeitung National Post. Unter ihnen befindet sich offenbar auch ein Scharfschütze mit dem Codenamen „Wali“, der aktuell als der „beste Scharfschütze der Welt“ gilt. Er nahm an Einsätzen der kanadischen Armee in Afghanistan und im Irak teil, wo er aus einer extrem weiten Entfernung - mehr als 3.400 Meter - einen Kämpfer der IS-Terrormiliz erschossen haben soll. Diesem Erfolg schuldet er wohl seinen Titel.

Ob dies tatsächlich so passiert ist, darüber lässt sich streiten. Allerdings steht fest: „Wali“ scheint nun in der Ukraine und gegen Russland* kämpfen zu wollen. Dies berichtete der kanadische Sender CBC. Zusammen mit drei weiteren ehemaligen kanadischen Soldaten habe er bei Nacht die Grenze zwischen Polen* und der Ukraine überquert, erzählte der Scharfschütze gegenüber dem Sender. „Ich möchte helfen, denn Menschen hier werden bombardiert nur weil sie nicht russisch, sondern europäisch sein wollen“, so der ehemalige Soldat.

Beruflich arbeitet „Wali“ offenbar als Computer-Programmierer und hat wohl einen Sohn. Nun findet er sich allerdings plötzlich wieder auf dem Schlachtfeld: „Noch vor einer Woche habe ich Sachen programmiert, jetzt greife ich zu Panzerabwehrraketen in einem Lagerhaus um echte Menschen zu töten. Das ist jetzt meine Realität.“ Ob die fremden Kämpfer tatsächlich einen Unterschied auf dem Feld machen werden, wird sich noch zeigen. (bb) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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