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Putins größtes Problem: „20.000 Bewaffnete“

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Von: Tobias Utz

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Im Kreml positionieren sich bereits Putins mögliche Nachfolger, sie sind seine vermeintlichen Verbündeten. Dem Präsidenten hilft wohl nur ein Sieg im brutalen Krieg mit der Ukraine.

Moskau – Wladimir Putin gilt als Meister der Intrigen. In seinem Umfeld platziert er stets ihm wohlgesonnene Emporkömmlinge des russischen Staatsapparats. Beispiele dafür sind Jewgeni Prigoschin und Ramsan Kadyrow. Sie könnten Putin allerdings nun gefährlich werden. Immer wieder ist die Rede von Geheimplänen im Kreml. Der ehemalige ukrainische Außenminister Wolodymyr Ohrysko verwies beispielsweise kürzlich darauf, dass es in Putins Umfeld „Intrigen“ gebe.

Prigoschin machte sich im Kreml als „Putins Koch“ einen Namen: Er war jahrelang für das Catering im Regierungsbezirk von Moskau zuständig. Dies war seine Eintrittskarte in den Machtzirkel um Putin. Seitdem erfüllt die schmutzigen Aufgaben, die ihm der Präsident zuweist: Vor den Midterms gab er zum Beispiel bekannt, dass er in Einmischungen in vergangene US-Wahlen verstrickt war. Zudem erklärte er, dass er im Jahr 2014 die Söldner-Gruppe Wagner gegründet habe. Diese dient als Putins militärische Sondertruppe bei Einsätzen in Mali. Auch in der Ukraine kämpfen sie für Russland.

Kadyrow und Prigoschin sitzen Putin im Nacken

Seit geraumer Zeit scheint Prigoschin allerdings eigene Interessen im Kreml zu verfolgen. Sergei Markow, ein ehemaliger Berater des russischen Präsidenten, lobte „Putins Koch“ bei Telegram. Prigoschin sei zur „Stimme des Volkes“ geworden, „weil er die Wahrheit sagt“. Markows Lob ging eine Äußerung Prigoschins voraus: Er forderte die Oligarchen in Russland dazu auf, die Kriegsziele in der Ukraine tatkräftiger zu unterstützen. Damit stellte sich der „Koch“ hinter Putin, stärkte ihm den Rücken. Doch exakt dies macht ihn so gefährlich für den russischen Präsidenten. Der prominente Kremlkritiker Michail Chodorowski warnte vor mehreren Wochen vor dem 61-Jährigen. „Er bereitet sich auf ein Leben nach Putin vor. Und er baut eine Beziehung zu Kadyrow auf“, sagte er dem Nachrichtenportal Politico. Prigoschin stehe aktuell noch unter Putins Kontrolle, spiele aber – ähnlich wie Kadyrow – ein „doppeltes Spiel“. Auch das Thinktank „Institute for the Study of War“ sprach in einem Lagebericht von Prigoschin als „eine Bedrohung für Putins Herrschaft“.

Wladimir Putin
Matrjoschkas, die Wladimir Putin (l.) und Dmitri Medwedew (m.) zeigen. © imago stock & people / Imago Images

Apropos Kadyrow: Ramsan Kadyrow gilt als Putins Verbündeter in Tschetschenien. Er fiel in der Vergangenheit insbesondere durch brutale Forderungen im Ukraine-Krieg auf. Auf diese Weise machte er sich als „Putins Bluthund“ einen Namen. Kürzlich stolperte er zum Beispiel durch ein bizarres Propagandavideo.

Bröckelt Putins Macht?

Das Nachrichtenportal Meduza berichtete vor Kurzem, dass Prigoschin als auch Kadyrow immer mehr Unterstützerinnen und Unterstützer im Kreml erhalten. Möglicherweise handelt es sich dabei auch im Nutznießer, die ebenfalls eigene Ziele verfolgen. Demnach sollen die aufstrebenden Persönlichkeiten Alexey Dyumin, Gouverneur der Region Tula, und Dmitry Mironov, ehemaliger Leiter der Region Jaroslawl und Assistent Putins, Kadyrow und Prigoschin im Stillen unterstützen.

Der bereits erwähnte prominente Kremlkritiker Michail Chodorowski sieht Putin bereits jetzt unter Druck. Dem Tagesspiegel sagte er kürzlich, dass insbesondere eine Kriegsniederlage für den russischen Präsidenten zum Problem werden könnte. „Wenn Putin den Krieg verliert, werden die Nationalpatrioten sehr böse sein. Wenn sich die heimkehrenden Soldaten und die Militärführung nicht an einem internen Konflikt beteiligen wollen und nicht für Putin einstehen – dann werden 20.000 Bewaffnete von Prigoschin oder Kadyrow plötzlich eine Rolle spielen“, so Chodorowski.

Hinweis der Redaktion

Die Informationen stammen teilweise von Kriegsparteien und lassen sich vielfach nicht unmittelbar auf unabhängige Weise verifizieren.

Putin erscheint derzeit verwundbar zu sein: Auf innenpolitischen Druck reagierte er mit mehreren Absagen von Veranstaltungen, unter anderem seiner Neujahrsansprache. Die Angst vor einer öffentlichen Thematisierung des Ukraine-Konflikts ist offenbar zu groß. Dass dies das Ende für den russischen Präsidenten bedeute, verneinte Chodorowski jedoch. „Putin wird nur dann die Macht abgeben und sich vor ein Gericht stellen lassen, wenn die Alternative der Tod ist.“

Putin ist also zum Siegen im Ukraine-Konflikt verdammt, seine möglichen Nachfolger sitzen bereits im Kreml. (tu)

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