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Russlands Staats-TV: Politologe zweifelt an Narrativ zur Nato – dann fällt das Mikrofon aus

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Von: Tim Vincent Dicke

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Victor Olevich in Russlands Staats-TV
Politologe Victor Olevich war in einer Talkshow des russischen Staatsfernsehens zu Gast. © Julia Davis/Russian Media Monitor (Screenshot)

Ein Gast in Russlands Staats-TV bezweifelt, dass die Nato einen Konflikt mit Russland sucht – dann funktioniert sein Mikrofon nicht mehr.

Moskau – Seit Monaten berichten die russischen Staatsmedien fast nur noch über ein Thema: über die „militärischen Spezial-Operation“, wie der Ukraine-Krieg in Russland genannt wird. Der Westen wolle die Russische Föderation zu Fall bringen und die russische Kultur zerstören, so das Narrativ, das im Staats-TV breitgetreten wird. Gegenteilige Meinungen sind nicht gern gesehen.

Nun zeigt ein Ausschnitt einer Talkshow des kremltreuen Senders NTW, wie just in dem Moment das Mikrofon ausfällt, als ein Gast erklärt, dass die Nato kein Interesse an einem Konflikt mit Russland habe. Den Clip hat die Journalistin und Russland-Expertin Julia Davis auf dem Onlinedienst Twitter hochgeladen. Davis ist Gründerin des Blogs Russian Media Monitor, auf dem sie in regelmäßigen Abständen Inhalte des russischen Staatsfernsehens analysiert und kommentiert.

Ukraine-Krieg: Mikrofon in Russlands Staats-TV fällt aus

Die Äußerungen zur Nato macht in dem Video Victor Olevich. Der Politologe war bereits zuvor mit kritischen Aussagen gegenüber der russischen Führung aufgefallen. „Russland hat eine militärische Spezialoperation eingeleitet, seine Kräfte falsch eingeschätzt und kann seit acht Monaten nicht gewinnen“, sagte er im Oktober im Fernsehen. Er fällte ein vernichtendes Urteil zum Ukraine-KonfliktWladimir Putin könne den Krieg jetzt „nicht mehr gewinnen“.

Zu dem aktuellen Clip schreibt Julia Davis: „Viele haben sich gefragt, ob Viktor Olevich nach seinen ehrlichen Äußerungen im russischen Fernsehen wieder in die Sendung eingeladen werden würde. Er ist immer noch da, hat aber jetzt Probleme mit seinem Mikrofon. Ich bin mir sicher, dass es nur ein Zufall ist, aber einer der Moderatoren strahlt geradezu.“

Und tatsächlich: Olevich spricht in der NTW-Show darüber, dass die USA und die westlichen Partner „einen direkten militärischen Konflikt zwischen der Nato und Russland“ nicht planen würden – während er redet, macht sein Mikrofon offenbar Probleme. Der Politik-Experte ist nur leise und blechern zu vernehmen. Einer der Moderatoren fordert Olevich daraufhin auf, nicht weiterzusprechen. „Bitte hören Sie auf. Ihr Mikrofon hat aufgehört zu funktionieren. Unserer Kollegen werden das für Sie austauschen“, sagt der TV-Mann.

Russland fabuliert von Krieg mit der Nato

Der Gast bekommt von einem Mitarbeiter der Sendung ein Ausweichmikrofon gereicht. Olevich lässt es sich nicht nehmen, seine These zu wiederholen. Die Amerikaner:innen sowie die Partner des westlichen Verteidigungsbündnisses wollten nicht in einen Krieg mit Russland gezogen werden. Das neue Mikrofon wird von der Regie zum Laufen gebracht, doch der Moderator grätscht ihm erneut dazwischen. „Es funktioniert nicht, es funktioniert nicht, Entschuldigung“, sagt er.

Bereits vor dem tödlichen Raketeneinschlag in Polen hat das russische Staatsfernsehen davon gesprochen, dass aufgrund der Kampfhandlungen in der Ukraine ein Konflikt mit der Nato bevorstehe. „Das ist de facto der Dritte Weltkrieg. De facto sind wir im Krieg mit der Nato“, sagte der als „Putins Stimme“ bekannte TV-Mann Wladimir Solowjow beim Fernsehsender Rossija 1. (tvd)

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