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Ukraine-Krieg: Welche militärische Niederlage für Russland „verheerend“ wäre 

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Laut Expert:innen besitzt Cherson eine hohe Bedeutung im Ukraine-Krieg (Symbolfoto).
Laut Expert:innen besitzt Cherson eine hohe Bedeutung im Ukraine-Krieg (Symbolfoto). © dpa

Die Ukraine befindet sich seit Wochen auf dem Vormarsch. Die Armee könnte vor einem Erfolg stehen, der „enorme“ Auswirkungen haben könnte.

Moskau - Sollte die ukrainische Armee die südliche Stadt Cherson im Ukraine-Konflikt zurückerobern, könnte dies laut Expert:innen erhebliche Auswirkungen für den russischen Präsidenten Wladimir Putin haben. Das berichtet newsweek.com. Cherson, das Verwaltungszentrum der südlichen Region Cherson, wurde als eine der ersten großen Städte von Russland erobert. Mehr als sieben Monate später rücken nun ukrainische Streitkräfte immer näher an die Stadt heran.

Laut Dan Soller, ehemaliger Oberst des US-Geheimdienstes, ist Cherson aus mehreren Gründen für Russland strategisch wichtig – unter anderem, weil Soldaten dort den Fluss Dnjepr überqueren könnten. „Man kann sich die Stadt nicht völlig isoliert vom Rest der Oblast vorstellen“, sagte Soller. „Die Oblast ist durch den Fluss getrennt, das heißt, sie liegt auf beiden Seiten des Flusses. Sie ist im Wesentlichen die größte Landmasse auf der Nordwestseite der Krim. Sie ist also eigentlich das Tor zur Krim und auch zur Oblast Saporischschja.“

Ukraine könnte Cherson als Startrampe nutzen

Die Krim ist seit 2014 von Russland annektiert. Für die Ukrainer sei es „superwichtig“, die Russen daran zu hindern, den Dnjepr nach Norden oder an sein Westufer zu überqueren, fügte Soller hinzu. Die Ukraine wolle Cherson zurückerobern, weil die Truppen die Stadt „als Startrampe für einen Angriff nach Süden nutzen wollen, um im Wesentlichen die Übergänge zur Krim zu sichern“.

Die Einnahme von Cherson sei zwar wichtig, könnte aber auch eine Unterstützung für etwas sein, das nach Ansicht von Soller noch wichtiger ist: der Nowa-Kachowka-Damm am Dnjepr.

„Der Damm ist für sie sehr wichtig. Natürlich wollen sie ihn haben, weil es sich um einen Wasserkraftdamm handelt. Er liefert Energie und Ressourcen für diesen Teil der Ukraine. Sie wollen den Damm sichern und ihn dann als Grenzübergang nutzen“, sagte er gegenüber newsweek.com.

Ukraine-Krieg: Verlust von Cherson könnte Putin in Bedrängnis bringen

„Ich glaube, das wäre verheerend für die russischen Bemühungen im Süden, aber ich glaube nicht, dass es sie aufhält, weil sie sich immer noch in der Perekop-Bucht verteidigen könnten, um die Ukrainer daran zu hindern, die Krim anzugreifen“, so Soller weiter. „Aber ich glaube, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Ukrainer in der Lage sein werden, praktisch den gesamten Süden der Oblast Cherson zu sichern, und die Russen gezwungen sein werden, zu evakuieren und sich entweder auf der Krim oder in Melitopol zu verteidigen.“

Laut Jonathan Katz, Direktor von Democracy Initiatives und Senior Fellow beim German Marshall Fund, hätte der Verlust von Cherson „enorme“ politische Auswirkungen auf Putin selbst.

Russland: Alarmglocken für weitere Mobilisierung?

„Wir haben bereits Russen gesehen, die sich öffentlich noch viel mehr Sorgen über den Krieg selbst und dessen Ausgang machen“, sagte Katz. „Natürlich hat Herr Putin gesagt, dass er die Ukraine innerhalb von drei Tagen im Rahmen dieser Operation einnehmen würde. Und Cherson ist eine der größten von Russland eingenommenen Städte, sodass ein Verlust dort seine Fähigkeit, zu behaupten, dass dieser Krieg erfolgreich geführt wird, dramatisch beeinträchtigen würde.“

Ein Verlust von Cherson im Ukraine-Krieg könnte auch die Alarmglocken für eine weitere Mobilisierung in Russland läuten lassen und mehr Einwohner zur Flucht veranlassen, während der russische Staatschef „in Moskau geschwächt werden könnte“.

„Und was noch wichtiger ist: Es wird wahrscheinlich einen enormen Verlust an russischen Menschenleben und Ausrüstung geben, wenn man bedenkt, was wir in anderen, bereits befreiten Gebieten der Ukraine gesehen haben. Es sieht also schlecht aus für Herrn Putin, denn er verliert diesen Krieg“, fügte Katz hinzu. (Jan Wendt)

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