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„Er könnte ganz klar da raus“: Biden sendet Signale an Putin - Möglicher Ausweg aus Ukraine-Krieg?

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Von: Stephanie Munk

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Putin kassiert im Ukraine-Krieg Niederlagen, aber ein Rückzug Russlands scheint undenkbar. US-Präsident Joe Biden versuchte nun im Interview einen Ausweg aus dem Dilemma aufzuzeigen.

Washington - Im Ukraine-Krieg werden die Töne schriller und beängstigender: Russland droht immer wieder mit Atomwaffen-Einsätzen. Die USA und der Westen reagieren mit Warnungen vor einem Gegenschlag. US-Präsident Joe Biden ging sogar so weit, von einem „Armageddon“ - also wortwörtlich dem Weltuntergang - zu sprechen, sollte der Konflikt mit Russland nuklear eskalieren.

Doch in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN am vergangenen Dienstag schlug Biden auch andere Töne an. Solche, die als deeskalierende Signale an Russlands Präsident Wladimir Putin verstanden werden können, wie merkur.de berichtet.

Signale an Putin? Biden mit Botschaften an russischen Präsidenten in Interview

Aufhorchen ließen in dem Interview mehrere Formulierungen: Der US-Präsident bestand beispielsweise darauf, dass Putin ein „rationaler Akteur“ sei - auch wenn Moderator Jake Tapper in dieser Sache mehrmals nachhakte.

Nach Putins kruder Annexions-Rede, in der er mit haltlosen Verschwörungstheorien um sich warf und dem Westen sogar „Satanismus“ vorwarf, mögen Gründe dafür sprechen, Putin genau für das Gegenteil zu halten: Nämlich als einen völlig irrationalen Akteur, dessen Handeln nicht vorhergesagt werden kann. Biden widersprach einer solchen Einschätzung im CNN-Interview aber klar: Putin sei ein rationaler Mensch und Politiker, handle also nach den Prinzipien von Logik und Vernunft. Irrational seien zwar Putins Begründungen für den Ukraine-Krieg, nicht aber er selbst, so Biden.

Ukraine-Krieg: Biden legt Putin gesichtswahrenden Ausweg dar

Noch bemerkenswerter war, dass Biden Putin quasi verbal eine Rampe baute, wie er möglicherweise gesichtswahrend aus dem Krieg gegen die Ukraine herauskomme - einem Krieg, der nach Bidens Meinung auf der „riesigen Fehleinschätzung“ Putins beruhe, er werde von den Ukrainern mit offenen Armen empfangen, um zu „Mutter Russland“ zurückzukehren.

Auf die Frage des CNN-Moderators, ob es irgendeinen akzeptablen Ausweg für Putin aus dem Ukraine-Krieg gebe, betonte Biden: „Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht, aber er könnte ganz klar raus aus der Sache. Er könnte da raus und immer noch seine Position in Russland behalten.“ Es sei vorstellbar, „dass Putin das russische Volk überzeugen kann, dass er dachte, dieser Krieg mache Sinn, aber nun habe er erreicht, was er wollte und es ist Zeit, die Russen nach Hause zu bringen.“

Ukraine-News: Joe Biden spricht nicht zum ersten Mal über mögliches Ende des Ukraine-Kriegs

Nicht erst in dem CNN-Interview, auch schon davor hatte Joe Biden von einem Ausweg für Putin aus dem Ukraine-Krieg gesprochen. Bei einem Spendendinner in New York sagte er laut einem Bericht von Asia Times: „Wir versuchen herauszufinden: Was ist Putins off-ramp?“ - was sei also eine mögliche Ausfahrt für den russischen Präsidenten aus dem Krieg. Diese müsse sicherstellen, dass Putin „das Gesicht“ wahrt und innerhalb Russlands zu viel Macht einbüße, so Biden.

Biden machte bei dem Dinner außerdem deutlich, dass er Putins Dilemma verstehe, heißt es in dem Bericht. Wie ein Ausweg aus dem Krieg aber für Russland konkret aussehen soll, beantwortete er nicht. Der russische Präsident müsste wohl irgendeinen Erfolg mit nach Hause bringen, wenn er den Krieg beenden will - die Ukraine aber ist nicht bereit, auch nur auf ein Fitzelchen ihres Territoriums zu verzichten, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj mehrfach klarstellte.

Russland und USA: Gesprächskanäle sind offenbar immer noch offen

Laut Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel diskutiere man in Bidens nationalem Sicherheitsteam seit Wochen intern, wie man Putin einen gangbaren Ausweg bieten könne. Trotz aller Hassbotschaften und Differenzen gebe es zwischen Moskau und Washington immer noch einen offenen Gesprächskanal. Das habe US-Sicherheitsberater Jake Sullivan neulich bestätigt: Man „kommuniziere direkt mit Russland“, ohne dies „an die große Glocke zu hängen“. (smu)

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