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Ukraine entdeckt russische Folterkammer: „Nachbarn hörten ständig Schreie“

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Von: Jan-Frederik Wendt

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In Charkiw ist bei einem mutmaßlichen russischen Folterkeller eine Kiste mit Zahnersatz gefunden worden. Über die Herkunft gibt es Spekulationen.

Kiew - Ermittler haben offenbar neue Hinweise auf russische Kriegsverbrechen im Ukraine-Konflikt entdeckt. Die Polizei habe im Dorf Pisky-Radiwski, im Nordosten der Ukraine, eine Folterkammer von russischen Soldaten gefunden. Das melden ukrainische Behörden. Der ukrainische Chefermittler, Serhij Bolwinow, veröffentlichte Fotos von Plastiktüten mit Zahnersatz, eine Gasmaske und einen Dildo. Die Fundstücke ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Die gefundenen Zähne sollen allerdings nicht Folteropfern gezogen worden sein, berichtet ein Bild-Reporter. Die Kunstzähne stammten aus einer Zahnarztpraxis. Die russischen Besatzer hätten sie möglicherweise verwendet, um den Menschen Angst zu machen. „Diese Zähne sehen aus wie die aus meiner Sammlung, die hier geplündert wurde“, sagte der Zahnarzt zu Bild. „Ich bin der einzige Zahnarzt hier. Also wenn sie hier gefunden wurden, müssen sie von mir sein.“ Er ist sich sicher, dass die Zähne nicht von Toten stammen. Die Zähne würden zu Menschen gehören, die er behandelt habe. „Manchmal ziehe ich am Tag fünf bis acht Zähne, und das in 33 Jahren meiner Praxis.“

Ukraine-Krieg: Russische Soldaten sollen Sprengfallen platziert haben

Auf den veröffentlichten Fotos ist auch eine Gasmaske zu sehen, die sich der Zahnarzt nicht erklären kann. Auch deswegen glaubt Chefermittler Bolwinow an eine andere Herkunft der Zähne. „Die Nachbarn hörten ständig Schreie von dort. In dem Dorf Pisky-Radkiwski fanden die Ermittler eine grausame Folterkammer“, schrieb er auf Twitter. „Die Polizei weiß mit Sicherheit von Folter durch lebendiges Begraben und der Verwendung einer Gasmaske mit einem Lappen“, so Bolwinow weiter. Dorfbewohner hätten die Polizei auf die Folterkammer hingewiesen. Die Ermittler hätten auch den Brief eines ukrainischen Gefangenen gefunden.

Laut Bolwinow seien alle Namen der misshandelten Soldaten bekannt. Nun würde die Staatsanwaltschaft alle Fakten zusammentragen. Russische Soldaten hätten die Dorfbewohner im Ukraine-Krieg vertrieben und sich in den Häusern einquartiert. Die Menschen seien eingeschüchtert, verprügelt und misshandelt worden. Beim Abzug aus dem Dorf hätten Russlands Soldaten Hauseingänge mit Sprengfallen versehen, teilt die Polizei mit.

Ukrainische Soldaten werfen Russland „schwere Folter“ vor (Symbolfoto).
Russische Soldaten sollen Dorfbewohner misshandelt haben (Symbolfoto). © Imago

Die Folterkammer in Pisky-Radkiwski ist nur die jüngste grausige Entdeckung in befreiten Gebieten der Ukraine. Weltweites Entsetzen lösten Anfang April Berichte aus dem Kiewer Vorort Butscha aus, wo russische Soldaten Hunderte Zivilisten getötet hatten. (Jan Wendt)

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