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Russische Medien geben Fehler zu: „Jetzt steht Russland ein böses Erwachen bevor“

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Die Ukraine hat in den vergangenen Wochen fast täglich militärische Erfolge gegen Russland erzielt.
Die Ukraine hat in den vergangenen Wochen fast täglich militärische Erfolge gegen Russland erzielt. © Andrii Marienko/dpa

Die Ukraine hat in den vergangenen Wochen immer wieder militärische Erfolge gegen Russland erzielt. Das gestehen sich nun auch russische Medien zunehmend ein.

Moskau - Im Ukraine-Konflikt hat der Moderator einer russischen Nachrichtensendung gesagt, dass die Medien in Russland die Ukraine als „hilflos“ unterschätzt hätten und nicht mit einem leichten Sieg hätten rechnen dürfen. Das berichtet newsweek.com. Wegen der zahlreichen Rückschläge des russischen Militärs habe sich in den vergangenen Wochen Unruhe in den Staatsmedien breit gemacht.

Julia Davis, Gründerin der Überwachungsgruppe Russian Media Monitor, hat zuletzt mehrere Belege für diese Unruhe auf Twitter geteilt – darunter einen Clip des Moderators Sergey Mardan. Er gebe zu, dass die russischen Staatsmedien einen Fehler gemacht hätten, indem sie von einem leichten Sieg gegen die Ukraine ausgegangen wären. Neben dem Clip twitterte Davis: „Jetzt steht Russland ein böses Erwachen bevor.“

Ukraine-Krieg: Russischer Moderator bedauert mediale Darstellung

In dem Video drückt Mardan seine Reue über die Darstellung der russischen Medien aus, die Ukraine als schwache Nation und westliche Politiker wie Joe Biden als unfähig dargestellt zu haben. „Die längste Zeit haben wir in allen möglichen Fernsehsendungen, im Radio und in den Printmedien laut über die albernen [Verunglimpfungen der Ukrainer] gelacht, wir haben über die hilflose Ukraine als ‚nicht ganz Russland‘ gelacht und über den sinnlosen Westen, über Biden mit Alzheimer und Parkinson“, sagte Mardan. „Alles, was im Moment passiert, passt nicht in dieses amüsante, satirische Bild.“

Grund für die ukrainischen Erfolge sind laut Mardan die Waffenlieferung westlicher Verbündeter. „Der Feind erwies sich als unglaublich grausam. Die ukrainischen Streitkräfte haben Blut gerochen“, so Mardan weiter. „Für viele wurde es leider zu einer Offenbarung, dass der Westen von Anfang an auf ihren militärischen Sieg gesetzt hat. Er hat Einheiten der ukrainischen Armee ausgebildet und sie mit jeder Art von Waffen ausgestattet. Ich bin überzeugt, dass der Zustrom von Waffen nicht nur nicht nachlassen, sondern sogar noch zunehmen wird.“

Allerdings schlugen nicht alle russischen Moderatoren einen Ton wie Mardan im Ukraine-Krieg an. Andere vertraten weiterhin einen Hardliner-Ansatz, schreibt newsweek.com. So ermutigte der Moderator Armen Gasparyan das Publikum zur Selbstzensur ausländischer Medien. Denn: Die Berichterstattung westlicher Medien führe dazu, dass die Menschen in Russland die Invasion in einem negativen Licht sähen. „Ich verstehe, dass das alles aus der Sicht eines Laien einfach unglaublich ist“, sagte Gasparyan. „Das ist ein schwieriges Szenario, kein Zweifel. Genau aus diesem Grund sollten Sie bei der Sonderoperation in der Ukraine eine interne Zensur einführen und aufhören, ideologische Gegner zu lesen.“ (Jan Wendt)

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