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Kreml-Kritiker über Russland: „Im April geht Putin die Munition aus“

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Rekruten tragen Munition während einer militärischen Trainingseinheit auf einem Schießplatz im Süden Russlands.
Rekruten tragen Munition während einer militärischen Trainingseinheit auf einem Schießplatz im Süden Russlands. © dpa

Wer noch in Russland lebt, sei Teil der Kriegsmaschinerie, sagt Garri Kasparow. Der Ukraine-Krieg sei „verbrecherisch“ und das Putin-Regime „illegitim“.

Moskau - Kreml-Kritiker und Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow vermutet, dass Russland im Frühjahr nicht mehr genügend Munition im Ukraine-Konflikt haben wird. Spätestens im April gehe dem Land „die Munition aus, die Wirtschaft wird nicht einmal mehr die Grundbedürfnisse der Russen decken können“, sagte Kasparow in einem Spiegel-Interview.

Wladimir Putins Russland sei eine faschistische Diktatur. Wer in dem Land lebe, sei Teil der Kriegsmaschinerie, urteilt der 59-Jährige. Auf den Einwand, dass Litauen beispielsweise die Grenzen für Russen geschlossen habe, schlug Kasparow vor, nur jene Russen einreisen zu lassen, die eine Erklärung unterschreiben. Diese Erklärung solle drei Prinzipien beinhalten: „Der Krieg ist verbrecherisch, das Putin-Regime ist illegitim, und die Ukraine unteilbar“. Menschen einfach so hin- und herreisen zu lassen, sei unmöglich. Kasparow verglich die Situation mit der Deutschlands während der NS-Zeit: „Es gab auch keinen deutschen Tourismus in London 1941.“

Putin im Ukraine-Krieg zunehmender isoliert

Es gehe aber nicht um die Einteilung in „gute“ und „schlechte“ Russen, erwiderte Kasparow auf den Vorwurf, mit seinem Vorschlag einen „Gute-Russen-Pass“ einzuführen. Es sei für die Ukrainerinnen und Ukrainer wichtig zu sehen, dass nur Russen in den Westen einreisen dürfen, die sich vom russischen Machthaber Wladimir Putin distanzieren. „Und wer diese Erklärung unterschreibt, macht sich nach Putins Gesetzen gleich dreifach strafbar“, so Kasparow.

Der Kreml-Kritiker glaubt, dass Russlands Präsident Putin im Ukraine-Krieg zunehmender isoliert sei. „Bekanntermaßen mögen Diktatoren Verlierer nicht, und Putin ist gerade dabei, den Krieg zu verlieren“. Der Iran habe mit den Protesten seine eigenen Probleme. Auch China setze sich nicht für Putin ein. „Sogar Serbien hat sich geweigert, die sogenannten Referenden anzuerkennen“, sagte Kasparow.

Russlands Überfall auf Ukraine ein Fehler

Insgesamt sieht Kasparow in dem Überfall auf die Ukraine einen großen Fehler Russlands – auch aus strategischer Perspektive. Allerdings habe Putin nach seinen Erfahrungen mit den USAFrankreich und Deutschland „vernünftigerweise davon ausgehen“ können, dass sie ihm auch den Angriffskrieg durchgehen lassen würden. Deutschland habe sehr zu Putins Arroganz beigetragen. Weil der russische Diktator wisse, dass eine Kriegsniederlage „sein politisches und physisches Überleben kosten könnte“, mobilisiere er derzeit alle Ressourcen.

Zudem vermutet Kasparow, dass viele Russ:innen nicht bereit sein, um die Krim-Halbinsel zu kämpfen. „Es ist das eine, wenn man das alles im Fernsehen sieht, oh, die Krim, wie toll. Aber dafür zu sterben? Nein danke.“ Die Menschen in Moskau und St. Petersburg stimmten jetzt schon „mit den Füßen ab“, meint Kasparow, indem sie vor der Teilmobilmachung fliehen.

Die Zustimmung vieler Russ:innen zu Putin sei nur so lange hoch, wie der russische Machthaber gewinnt. Allerdings bestreite Kasparow auch nicht, dass die Mehrheit der Russen über eine Unterwerfung der Ukraine froh wäre. „Aber jetzt verliert Putin, und das heißt, sie müssen den Preis für den Krieg zahlen.“ (Jan Wendt)

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