Ulrich Wegener befreit als GSG9-Kommandeur 1977 die „Landshut“

Der Held von Mogadischu ist tot - ein Nachruf

Ein Land sagt danke: Ulrich Wegener erhält von Innenminister Werner Maihofer (links) das Große Bundesverdienstkreuz. Wenige Tage nach der Befreiung der „Landshut“ wurden die Männer GSG 9 für ihren Einsatz im Oktober 1977 ausgezeichnet.

Er war der Kommandeur, der mit seiner GSG9-Einheit die Lufthansamaschine Landshut befreite. Das war 1977. Er und seine Männer waren Helden. Nun ist Kommandeur Ulrich Wegener mit 88 gestorben.

Diese Charakterisierung haben die Männer der GSG 9 nie gemocht: Helden seien sie nicht gewesen, sie hätten nur ihren Job gemacht, sagte es erst im Sommer 2017 Jörg Probstmeier, als er unserer Zeitung von der Befreiung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ vor 40 Jahren berichtet. Im Bewusstsein der meisten Deutschen aber waren sie die „Helden von Mogadischu“. Jetzt ist deren Kommandeur Ulrich Wegener gestorben. Er wurde 88 Jahre alt.

Ulrich Wegener

Nicht nur wegen seiner drahtigen Figur konnte man zu Wegener aufschauen, sondern auch wegen seiner menschlichen Größe, sagt Probstmeier (61), in Kassel geboren und heute in Hessisch Lichtenau lebend. „Er hat nie die Bodenhaftung verloren. Und er konnte Fehler verzeihen, wenn der gute Wille erkennbar war“. Respektvoll habe man Wegener den „Alten“ genannt.

Rückblick: 18. Oktober 1977, Flughafen Mogadischu, die Stunde der Entscheidung ist gekommen. Der „Alte“ fragt seine Männer von der GSG 9, ob jemand aus persönlichen Gründen nicht am Einsatz teilnehmen wolle. Niemand meldet sich, denn so Jörg Probstmeier – „Einsätze wie diesen hatten wir oft geübt“.

Jörg Probstmeier

So werden um 02.06 Uhr Ortszeit von zwei britischen Spezialisten neuartige Blendgranaten gezündet, die die Entführer im Cockpit für wenige Augenblicke erheblich blenden. Kommandeur Wegener gibt zugleich den Befehl „Fire Magic“ (Feuerzauber), die Sturmtruppen der GSG 9 reißen die Notausgänge der „Landshut“ auf und stürmen in die Maschine. Es entwickelt sich ein drei- bis vierminütiges heftiges Feuergefecht mit den vier palästinensischen Terroristen, zugleich werden die ersten Geiseln aus dem Flugzeug gebracht. Um 00.12 Uhr meldet Wegener „Springtime“, Ende der Aktion.

Jürgen Vietor

Und er teilt den im Tower wartenden Kanzleramtsminister Hans Jürgen „Ben Wisch“ Wischnewski in sachlichem Ton mit: „Vier Terroristen ausgeschaltet, Geiseln befreit, drei Geiseln verletzt, vermutlich durch Gegnereinwirkung. Ein Angehöriger der Sturmtrupps leicht verletzt. Halsdurchschuss.“ Jahre später wird Wegener berichtet, dass er selbst beim Angriff zwei Terroristen erschossen hat.

Am nächsten Vormittag wird die GSG 9 auf dem Flughafen Köln-Bonn empfangen, ein Musikkorps des Bundesgrenzschutzes spielt auf. Die Genugtuung im Land ist groß, die Bundesrepublik hat klar gemacht, dass man gegen den Terror bestehen kann.

Einige Jahre zuvor war das noch anders. Der Versuch, israelische Olympia-Teilnehmer in München aus der Hand von palästinensischen Terroristen zu befreien, endete 1972 mit einem blutigen Desaster. Innenminister Genscher, der dies gemeinsam mit Ulrich Wegener vor Ort verfolgte, erteilte dem Grenzschutz-Oberstleutnant den Befehl zur Aufstellung einer Spezialeinheit.

Nach jahrelangem Training und eher unspektakulären Einsätzen schlägt in Mogadischu dann die Stunde von Wegener und der GSG 9. Jürgen Vietor (75), in Kassel geboren und damals Co-Pilot der „Landshut“, gestern zum Tod Wegeners: „Dank und Bewunderung für eine bedeutende Persönlichkeit“.

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