Präsidentschaftswahlkampf in den USA

Zweites TV-Duell: Kampflustiger Obama macht Boden gut

Washington. Aufatmen im Obama-Lager. Wie ausgewechselt gab sich der US-Präsident in der zweiten TV-Debatte an diesem Dienstagabend. Diesmal ließ er seinem Gegner Mitt Romney nichts durchgehen, diesmal ging Barack Obama zum Angriff über, teilte Schläge aus.

"Was Gouverneur Romney sagt, ist einfach nicht wahr", gleich mehrfach fuhr der Präsident seinem Herausforderer in die Parade. Das hatte Obama in der ersten Debatte so klar nicht an den Mann gebracht.

Das komplette TV-Duell

- Die Debatte zum Nachschauen (die ersten 10 Minuten)

- Zwei-Minuten-Fassung

Noch mehr Informationen bieten diese Seiten:

- New York Times "Spezial Wahlen"

- CNN

- die TV-Duelle auf Twitter

"Er zeigte den Kampfgeist, den er in der erste Debatte vor zwei Wochen nicht gezeigt hat", kommentiert denn auch die "New York Times" nur Minuten nach dem Rededuell. Drei Wochen vor den Wahlgang am 6. November wird immer mehr klar: Es könnte einer der spannendsten Wahlen in der jüngsten Geschichte werden.

Dennoch: Ein "Game Changer" - ein Ereignis, das das Spiel völlig auf den Kopf stellt - war diese zweite Debatte nicht. Romney schlug sich tapfer, setze dem Präsidenten erneut mit der hohen Arbeitslosigkeit, mit der schlechten Wirtschaftslage zu. Originalton Romney: "Ich weiß, wie es besser geht. Ich habe mein Leben in der Privatwirtschaft verbracht." Das ist unterdessen zu seinem Credo geworden.

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Kommentar: Obama findet seine Ausstrahlung wieder

Kein Wunder, dass sich erste Kommentatoren eher zurückhaltend geben. "Romney hatte einen soliden Auftritt...aber Obama die Nase vorn", meinte der CNN-Experte David Gergen. "Romney ist gut, wenn der andere Typ nicht präsent ist", sagte Joe Trippi, ein Berater der Demokraten, dem Sender Fox News mit Blick auf Obamas ersten Debatten-Flop. "Aber diesmal war Obama präsent."

Auch eine Schnellumfrage des TV-Senders brachte ein eher gemischtes Meinungsbild zutage: 46 Prozent der Befragten fanden Obama besser, 39 Prozent Romney.

Auch in Sachen Körpersprache hatte Obama in dieser Nacht auf Long Island dazugelernt: Diesmal schlug er nicht die Augen nieder, schaute nicht wie gebannt auf seine Schuhspitzen - diesmal blickte er meist direkt ins Publikum.

Obama hatte unter Druck gestanden, unter schwerem Druck. Der begnadete Rhetoriker hatte bei der ersten Debatte einen ebenso verheerenden wie unerklärlichen Flop hingelegt. Diesmal musste der Präsident seinem Herausforderer Kontra gegeben - Rematch nannten das rührige Kommentatoren. Rückkampf. "Obama muss zeigen, dass er wirklich den Job will", meinte ein ABC-Moderator.

Fotos: Zweites TV-Duell zwischen Obama und Romney

Das war das zweite TV-Duell zwischen Obama und Romney

Obama schenkte seinem Gegner nichts. Zum vielleicht härtesten Schlagabtausch kam es beim Thema Libyen. Es ging um den tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi, bei dem vier amerikanische Diplomaten getötet wurden. Romney machte den Versuch, Obama den Schwarzen Peter dafür zuzuschieben.

Ein schwieriger Moment für Obama. Doch er reagiert präsidial. "Ich bin der Präsident und ich trage immer die Verantwortung." Doch dann kam es zum erbitterten Streit, Romney warf Obama vor, erst nach zwei Wochen zugegeben zu haben, dass es sich um einen Terrorakt gehandelt habe. Doch Obama verwies auf seine Rede schon 24 Stunden nach den Morden, er habe von einem Terrorakt gesprochen. "Schauen Sie ins Protokoll", griff er Romney an. Es war der wohl größte Pluspunkt der Debatte für Obama.

Romney konnte dafür wieder in der Wirtschaftspolitik punkten. Kein Zweifel, Obamas Bilanz nach vier Jahren an der Macht ist nicht gerade rosig: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Wirtschaft brummt nicht, viele Amerikaner haben Zukunftsangst - das alles sind Steilvorlagen für Romney. "Der Präsident hat es versucht, aber seine Politik hat nicht funktioniert", geradezu genüsslich trägt das immer wieder vor. Logisch, dass da manche Antwort Obama etwas dünn ausfällt. "Wir mussten durch harte Jahr gehen, daran gibt es keinen Zweifel", räumt denn der Präsident ein.

Doch die entscheidende Frage ist: Wie reagieren die Wähler auf dieses zweite Duell? Romney konnte nach der ersten Debatte zwar punkten, doch die Umfragen sagen im Kern noch immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Mehr noch: Es gibt Experten die meinen, überhaupt sei es in der Geschichte der US-Wahlkampfe nur extrem selten vorgekommen, dass die Debatten entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis hatten.

Noch ist der Kampf Obama gegen Romney völlig offen. Das dritte und letzte Rededuell ist am nächsten Montag. Gewählt wird am 6. November. (dpa)

Das sagt Twitter

Während der Debatte wurden 7,2 Mio. Tweets gepostet. Wir haben ausgesucht:

Joe Biden (Vize-Präsident): "Präsident Obama hat heute für euch gekämpft - nun ist es an euch."

Sarah Palin (Ex-Präsidentschaftskandidatin der Republikaner): Es war eine gute Debatte heute Abend und ich hoffe, jeder Amerikaner geht jetzt an die Urne und wählt.

Michelle Obama, Ehefrau des Präsidenten: Ich bin heute Abend so stolz auf meinen Ehemann.

Rick Santorum, früherer republikanischer Bewerber: Mitt hat heute Abend wieder zugeschlagen!

John McCain, Obamas republikanischer Kontrahent bei der Wahl 2008): Gute Arbeit von Mitt Romney heute Abend. Präsident Obama hat seine Bilanz nicht verteidigen können.

Donna Brazile (Demokratin und Politische Strategin): Obama war einfach bei der Sache und kannte die Positionen seines Kontrahenten besser als anders herum.

The Fix: Candy Crowly (CNN-Politikchefin und Moderatorin des Duells) hat die letzten 15 Minuten gewonnen: Freundlich, aber bestimmt zeigte sie die Widersprüche und unbeantwortete Fragen auf.

Karl Frisch: Obama ist viel besser im 2. Duell.

Stephanie Cutter: Wenn Mitt Romney behauptet, 12 Mio. neue Jobs zu schaffen, denk an dies:

Lil Wayne:Obama solllte in die Kameras gucken und sagen: Ich habe keine Befürchtungen!

UHH: Wenn Romney spricht, ertappe ich mich dabei, wie ich beginnen, an meinen Nägeln zu knabbern und ins Leere zu starren.

Umfrage: Obama vorne

US-Präsident Barack Obama hat das zweite Rededuell gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney laut einer Schnellumfrage für sich entschieden.

In einer nicht repräsentativen Umfrage von CNN/ORC sagten 46 Prozent der befragten Wähler in der Nacht zum Mittwoch, der Amtsinhaber habe die TV-Debatte gewonnen. Nur 39 Prozent sahen Romney vorn. Beim Auftakt vor zwei Wochen hatten noch 67 Prozent der befragten Wähler Romney vorn gesehen. (dpa)

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