Umfrage sieht AfD bei 10 Prozent

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Auf bundesweit zehn Prozent der Wählerstimmen kann die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) hoffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Forsa-Meinungsforschungsinstituts. Jürgen von Polier sprach darüber mit Forsa-Chef Manfred Güllner.

Herr Güllner, hat schon einmal eine neue Partei so schnell an Einfluss gewonnen?  

Manfred Güllner: Einfluss hat die AfD dadurch nicht. Sie hat gute Umfragewerte, das ist auch den Piraten passiert.

Woran liegt es, dass die AfD solche Zahlen vorweisen kann? 

Güllner:  Es gibt einen Mitläufer-Effekt, wenn eine Partei Erfolg hat. Und die AfD profitiert auch von den Nichtwählern. Wenn man auf der Basis aller Wahlberechtigten rechnet, sind etwa sieben Prozent der Wahlberechtigten AfD-Wähler. Das macht bei geringer Wahlbeteiligung einen höheren Prozentanteil aus.

Warum wirkt der extrem rechte Bereich nicht abschreckend, der oft mit der AFD assoziiert wird?

Güllner: In Deutschland hatten wir immer Anteile von etwa 14 Prozent, die für rechtsradikales Gedankengut anfällig sind. Das sind Wähler, die nicht immer rechtsradikale Parteien wählen. Aber wenn es ein Angebot wie die AfD gibt, dann sind die, die sich bei anderen Parteien, oder im Lager der Nichtwähler verstecken, bereit, einer solchen Partei ihre Stimme zu geben.

Welche Rolle spielt die Flüchtlingsthematik? 

Forsa-Chef Manfred Güllner

Güllner:  Diejenigen, die anfällig sind für rechtsradikales Gedankengut, brauchen Projektionsflächen für Verschwörungstheorien und Ängste. Das waren bei den Nazis die Juden, bei der NPD häufig Ausländer und der Euro, jetzt ist es wieder die Ausländerfrage.

Wie ist es zu erklären, dass offenbar ein Großteil der AfD-Anhänger aus dem linken Bereich kommt? 

Güllner: Man muss Wählerwanderungen mit Vorsicht genießen. So viele kommen nicht aus dem linken Bereich. Aber weil auch bei der Linkspartei Leute mit rechtsradikalen Neigungen „zwischenparken“, ist das nicht erstaunlich.

Warum verliert die SPD immer mehr Wähler, obwohl sie der Motor der Regierung ist? 

Güllner: Die SPD sieht sich selbst als Motor. Die Menschen sehen das nüchterner. Die SPD setzt ihr Wahlprogramm um, was ihr schon bei der Bundestagswahl keine neuen Wähler gebracht hat. Mindestlohn und Rente mit 63, da sagt eine Mehrheit, das ist in Ordnung, aber kein wichtiges Thema.

Wenn man es so sieht, sollte man meinen, die AfD hätte wichtige Themen? 

Güllner:  Nein. Sie hat Themen in Richtung Ausländerfeindlichkeit. Das passt in das Segment der Menschen, die Affinität für rechtsradikales Gedankengut haben, das ist alles.

Welche Rolle spielt das offenbar abnehmende Interesse an Politik? 

Güllner: Das Interesse geht nicht zurück, auch Nichtwähler sind interessiert. Aber sie haben Unmut darüber, wie Politik betrieben wird. Die fühlen sich nicht ernst genommen, und äußern ihren Unmut durch Wahlenthaltung. Sie zeigen die gelbe Karte und man redet über die Minderheit der AfD-Wähler, aber nicht über die große Gruppe der Nichtwähler.

Von Jürgen von Polier

Die Umfrage:

Die AfD liegt einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins „Stern“ sowie des TV-Senders RTL zufolge bundesweit bei zehn Prozent der Stimmen. Die FDP bekäme zwei Prozent. Die Unionsparteien CDU/CSU liegen bei 42 Prozent, die SPD bei 22 Prozent. Linke: neun Prozent. Grüne: acht Prozent. Forsa befragte 2501 Bürger. Die Umfrage des Forsa-Instituts finden Sie unter: www.wahlrecht.de/umfragen/forsa.htm

Zur Person

Manfred Güllner (72), in Remscheid geboren und in Bad Arolsen (Kreis Waldeck-Frankenberg) aufgewachsen, hat 1984 die Forsa-Gesellschaft gegründet und ist Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts. Der Soziologe lebt heute mit seiner Familie in Berlin.

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