Kanzlerin fand Entscheidung „nicht gut“

Merkel kritisiert Essener Tafel - und muss nun dieses Umfrage-Ergebnis einstecken

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). 

Hat sich das Team der Essener Tafel richtig verhalten, indem es vorerst keine Ausländer mehr aufnimmt? Die Kanzlerin nennt die Entscheidung „nicht gut“ - und steht nun selbst in der Kritik. 

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt Aufnahmestopps für Ausländer wie im Fall der Essener Tafel ab. „Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen“, sagte Merkel in einem Interview mit der Nachrichtensendung RTL-Aktuell. Dies sei „nicht gut“, zeige aber „auch den Druck, den es gibt“. Sie hoffe auf „gute Lösungen“, „die nicht Gruppen ausschließen“. Die Debatte über die Essener Tafel habe gleichzeitig gezeigt, „wie viele Menschen auf so etwas angewiesen sind.“ Später ließ Merkel über den Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten, dass die „allergrößte Respekt“ vor den ehrenamtlichen Helfern der Tafeln in Deutschland habe. 

Der Vorsitzende der Tafeln in Deutschland, Jochen Brühl, hatte mit Unverständnis auf Merkels Kritik am Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel reagiert. „Wir lassen uns nicht von der Kanzlerin rügen, denn die aktuelle Entwicklung ist eine Konsequenz ihrer Politik“, sagte Brühl der Neuen Osnabrücker Zeitung. Er erwarte von einer Bundeskanzlerin, „sich deutlich vor die Tafeln, ihre Arbeit und die Ehrenamtlichen zu stellen“.

52,5 Prozent halten Merkels Kritik für unberechtigt

Wie die Bild-Zeitung erfuhr, wird die Kanzlerin die Essener Tafel nicht besuchen, um sich persönlich ein Bild von der Situation zu machen. Es gebe dafür „keine Pläne“, sagte der Regierungssprecher. Die Zeitung hat INSA mit einer Umfrage beauftragt. Dieser Umfrage zufolge halten 52,5 Prozent der Deutschen Merkels erste Kritik an der Essener Tafel nicht für „berechtigt“. 37,3 Prozent dagegen geben Merkel Recht. INSA hatte 1052 Menschen befragt. 

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wirbt für eine differenziertere Betrachtung der Entscheidung der Essener Tafel: „Die Politik muss Sorge dafür tragen, dass es nicht zu einer Konkurrenz der Bedürftigen kommt, die sich dann auch noch aggressiv äußert.“

sah/dpa/AFP

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