Umwelthilfe zu VW-Abgasskandal: „Völlig unglaubwürdig“

Plastikrohr mit Innengitter: Dieses Bauteil stellte VW Ende November als Lösung für einen Teil der Motoren mit manipulierten Abgaswerten vor. Foto: dpa

Kassel/Wolfsburg. Dass am Mittwoch, einen Tag vor der großen VW-Pressekonferenz, von 800 000 Verdachtsfällen, die von falschen CO2-Abgaswerten und Spritverbrauchsdaten betroffen sein sollen, angeblich nur noch 36 000 bleiben, nennt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) „völlig unglaubwürdig“.

Dasselbe gelte auch für das Plastikrohr mit Innengitter, das VW Ende November - neben einem Software-Update - als verblüffend simplen Ausweg aus einem anderen Teil des Abgasskandal präsentiert hatte. Der sogenannte Strömungsgleichrichter solle bei 1,6-Liter-Maschinen dafür sorgen, dass die Motorsteuerung das Aggregat besser abstimmen und so den Stickoxidausstoß senken könne, hieß es damals in Wolfsburg.

Ganz simple Lösung für einen ganz großen Skandal um manipulierte Abgaswerte und Schummeldiesel? „Wir glauben das nicht“, bekräftigt Resch, dessen Organisation sich seit Jahren mit der Autoindustrie über die Aussagekraft von Spritverbrauchs- und Abgaswerten streitet. Was die plötzliche Schrumpfkur bei den Autos mit manipulierten CO2-Abgaswerten angeht, grübelte gestern auch der ADAC über Hintergründe: „Wir haben ganz viele Anfragen, aber keine Infos“, hieß es dort auf Anfrage unserer Zeitung.

Unplausibilitäten, Verdachtsmeldungen verunsicherter Mitarbeiter, die Messungen anzweifelten, und Hochrechnungen - so erklärte der Konzern die alten Skandalzahlen. Niemand im Konzern habe in der Frühphase der Aufdeckung für die Richtigkeit der CO2-Angaben die Hand ins Feuer legen wollen, hieß es aus Konzernkreisen. Das habe die Konzernspitze unruhig werden lassen, letztlich zur Entscheidung geführt, den Verdacht öffentlich zu machen.

NordLB-Autoexperte Frank Schwope: „Rückblickend ist es eine unglückliche Kommunikation.“ Das Management habe wohl in der Verunsicherung des Diesel-Abgasskandals überreagiert.

Die neuen VW-Zahlen, die auf Nachmessungen basieren sollen, sind vom Bundesverkehrsministerium und vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) noch nicht bestätigt. Die internen Messergebnisse sollen bis Weihnachten unter behördlicher Aufsicht bei der Dekra überprüft werden. Fragen unserer Zeitung ließ das KBA bis zum Abend unbeantwortet. Ähnlich geht es der Umwelthilfe mit Briefen an den VW-Konzern, sagt Jürgen Resch. Man habe um Überstellung eines der Strömungsgleichrichter-Plastikrohre gebeten, um einen VW nachrüsten und dann in der Schweiz auf veränderte Abgaswerte testen zu lassen: „Seit Wochen keine Antwort.“ (mit dpa)

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