Sicherheitsrat verurteilt Raketenstart

New York - Der UN-Sicherheitsrat hat den am Freitag von Nordkorea durchgeführten Raketenstart als Verstoß gegen zwei Resolutionen des Gremiums verurteilt.

Mitglieder der Sicherheitsrats hätten sich darauf verständigt, Beratungen “über eine angemessene Reaktion“ fortzusetzen, teilte der Sicherheitsrat am Freitag nach einem Treffen hinter verschlossenen Türen mit.

Die Langstreckenrakete stürzte kurz nach dem Start ab. Auch wenn der Start misslang, sprachen die USA von einer “provokativen Aktion“ und kündigten einen Stopp ihrer Nahrungsmittelhilfen an. Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Eskalation.

In Pjöngjang festigte unterdessen der Sohn des vor vier Monaten verstorbenen Führers Kim Jong Il, Kim Jong Un, seine Macht: Er wurde vom Parlament zum Ersten Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission ernannt, dem wichtigsten Exekutivorgan des kommunistischen Staates.

Sein Vater Kim Jong Il wurde zum “Vorsitzenden für die Ewigkeit“ erhoben. Zum Beginn der Jahressitzung der Obersten Volksversammlung wurde in der Hauptstadt eine riesige Statue Kim Jong Ils enthüllt, direkt neben dem Denkmal von dessen Vater und ersten Staatschef Kim Il Sung.

Raketenstart als Machtdemonstration

Zur Demonstration nordkoreanischer Größe und Macht wurde wenige Stunden vor der Ernennung eine Interkontinenalrakete des Typs Unha-3 gestartet, die nach offiziellen Angaben einen Beobachtungssatelliten ins All bringen sollte. Die USA und Südkorea sahen darin eher den Test einer Langstreckenrakete, die mit einem atomaren Sprengsatz bestückt ihr Territorium erreichen könnte.

Die mehrstufige Rakete stürzte nach amerikanischen und südkoreanischen Angaben wenige Minuten nach dem Start ins Gelbe Meer. Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA bestätigte den Unfall: “Wissenschaftler, Techniker und Experten suchen nach der Ursachen“, hieß es in einer Meldung. Offiziell erfolgte der Start zu Ehren des 100. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung am 15. April.

G-8-Staaten verurteilen Start

Regierungssprecher Georg Streiter sagte in Berlin, Nordkorea habe gegen die Vorgaben des UN-Sicherheitsrats verstoßen und sich damit weiter isoliert. Er fügte hinzu: “Wir rufen das Land dazu auf, keine weiteren ballistischen Raketen zu starten und seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen und sein Atomwaffenprogramm aufzugeben.“

Westerwelle sprach am Freitag in New York von einer “flagranten Verletzung internationaler Verpflichtungen“. Auch die in Washington tagenden G-8-Staaten verurteilten den Raketenstart. Die Entwicklung von Raketen und das Streben nach Atomwaffen hätten Nordkorea keine Sicherheit gebracht, betonte Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses, “und wird es auch nie tun.“

Für das Regime in Pjöngjang bedeutet der Absturz einen erheblichen Rückschlag. Stolz hatte die Regierung des wegen seines Atomprogramms international isolierten Landes die Rakete vorab auch ausländischen Journalisten präsentiert. In Pjöngjang wurde es Dutzenden ausländischen Journalisten aber nicht gestattet, den Start live zu beobachten.

dapd

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