Interview mit Forsa-Chef Manfred Güllner über den Ausgang des Fernsehduells Merkel gegen Steinbrück

„Unentschieden auf Augenhöhe“

17,6 Millionen Menschen sahen zu: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen Herausforderer Peer Steinbrück (SPD). Das TV-Duell war auch die Stunde der Demoskopen. Wir sprachen mit Forsa-Chef Manfred Güllner über die Bewertung des Duells, die Stimmungslage im Land und den Sinn eines solchen TV-Formats. 

Wer hat im TV-Duell gesiegt?

Güllner: Unsere Erhebungen bei den Zuschauern zeigen, dass es ein ausgeglichenes Duell war. Ein Unentschieden – die beiden sind sich auf Augenhöhe begegnet.

Wie sieht das bei den einzelnen Kriterien aus?

Güllner: Angela Merkel liegt bei den wichtigen Faktoren vorn: Sie wird als sympathischer wahrgenommen. Sie kann das Land besser führen. Sie führt das Land eben auch durch die Eurokrise. Peer Steinbrück punktet bei der sozialen Gerechtigkeit. Auch bei der Frage „Wer hat die besseren Argumente?“ liegt er vorn. Er scheint dadurch zu überzeugen, dass er die Argumente sehr schnell herunterrasselt.

Wie haben die sogenannten unentschlossenen Wähler das Duell bewertet?

Güllner: Auch hier gab es ein ausgeglichenes Ergebnis. Bei den Parteianhängern war die Verteilung dagegen erwartungsgemäß eindeutig. CDU-Anhänger stellen sich hinter Merkel, während sich SPD-Anhänger, aber auch jene der Grünen und Linken, hinter Steinbrück versammeln.

Reicht Steinbrück ein Unentschieden im TV-Duell für eine Aufholjagd?

Güllner: 2005 hat der damalige Kanzler Gerhard Schröder durch ein guten Auftritt im TV-Duell der SPD noch einmal dreieinhalb Punkte gebracht. Das heißt, er holte bei der Wahl 34,2 Prozent. Ohne das Duell hätte die SPD nur rund 30 Prozent bekommen. Damals war die Konstellation aber eine andere: Die Kandidatin Merkel traf auf Vorbehalte und war noch nicht die populäre Kanzlerin, die sie heute ist.

Und Steinbrück ist nicht der Schröder von 2005, der in einer guten Form war. Insofern ist ein Fragezeichen zu setzen, ob Steinbrück der SPD noch einmal einen solchen Schub bringen kann. Das Fragezeichen auch deshalb, weil der Abstand in den bisherigen Umfragen so groß ist?

Güllner: Steinbrück hat das TV-Duell ordentlich bestritten. Es war zu erwarten, dass er das kann. Die Frage ist aber, ob er das Bild, das sich die Menschen bis dahin von ihm gemacht haben, dadurch ändern kann. Und ob er den Bürgern das Gefühl vermittelt hat, dass die SPD erstens die Probleme besser anpackt, als man es ihr bisher zutraut; und zweitens, dass die SPD die Probleme besser bewältigen wird als die Union. Das ist ja das Dilemma der SPD, dass es anders als 1998 keine Wechselstimmung im Land gibt.

Warum ist die Wechselstimmung nicht da?

Güllner: Der SPD wird insgesamt wenig politische Kompetenz zugetraut. Und bei aller punktuellen Unzufriedenheit mit der schwarz-gelben Koalition, die es ja gibt, sagt kaum jemand, Rot-Grün würde es besser machen.

Hat das TV-Duell schon die Ergebnisse der Sonntagsfrage verändert?

Güllner: Nein, das ist noch zu früh. Wir haben unmittelbar nach der Fernsehsendung die Reaktionen der Zuschauer eingefangen. Nun berichten die Medien, und dann reden die Leute wieder über die Berichterstattung. Es gehen also paar Tage ins Land, bis wir sehen können, ob sich nachhaltig etwas verändert. Die Mühlen der Kommunikation müssen also erst laufen, bis wir eindeutige Aussagen treffen können. Gegen Ende dieser Woche wird das möglich sein.

Ist das starre TV-Konzept mit Zeitbegrenzung, vier Moderatoren und Abfragen einer Themenliste, ohne dass eine längere direkte Auseinandersetzung möglich ist, noch zeitgemäß? Der Duellcharakter hat ja weitgehend gefehlt.

Güllner: Dazu gibt es keine Erhebungen bei den Zuschauern. Ich persönlich halte das jetzige Konzept für sehr unglücklich. Wenn die Moderatoren sich an das starre Frageschema halten, unterbindet man das eigentlich Interessante. An einigen Stellen begann sich ja ein spannender Dialog zu entwickeln. Der ist dann leider gestoppt, anstatt gefördert worden. Der Zuschauer will aber doch erfahren, wie die beiden Duellanten aufeinander reagieren.

Was soll denn eine schwarz-rot-goldene Kette am Hals der Kanzlerin bewirken?

Güllner: Das ist mir gar nicht so aufgefallen. Ich achte nicht so sehr auf Kleinigkeiten am Äußeren der Kanzlerin. Vielleicht war es ein Ersatz für die Deutschlandfahne.

www.forsa.de

Rubriklistenbild: © dpa

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