Ungewisse Zukunft für Schlecker-Frauen in Hessen

Frankfurt. Die Gläubiger haben Schlecker endgültig den Geldhahn zugedreht. Das Heer der arbeitslosen Verkäuferinnen wächst weiter an. Zu ihren Aussichten auf neue Jobs gibt es unterschiedliche Einschätzungen.

Nach dem endgültigen Aus für die Drogeriekette Schlecker sieht die Gewerkschaft Verdi für die Beschäftigten in Hessen eine düstere Zukunft. Es sei für die Frauen keineswegs leicht, selbst im wirtschaftlich starken Rhein-Main-Gebiet einen neuen, sozialversicherungspflichtigen Job zu finden, sagte Verdi-Sekretär Bernhard Schiederig am Freitag in Frankfurt. Viele seien Haupternährer ihrer Familien und dringend auf ihr Einkommen angewiesen. „Das ist eine soziale Katastrophe.“

Die gegenteilige Auffassung vertrat Hessens neuer Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP). Die Frauen hätten angesichts der hervorragenden Situation auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, erklärte er in Wiesbaden. Dies werde auch von der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit so gesehen.

Gewerkschafter Schiederig verlangte hingegen von der Politik verstärkten Einsatz für die Beschäftigten und einen Sonderfonds. Mit dem Geld sollten die Läden weiter betrieben werden und es solle nach Investoren für Teilübernahmen gesucht werden. Zudem müssten Beschäftigungsgesellschaften eingerichtet werden, um die teils sehr langfristig bei Schlecker beschäftigten Frauen zu qualifizieren.

Nach Verdi-Angaben arbeiteten zuletzt noch etwa 1000 Leute in den 240 verbliebenen Schlecker-Filialen in Hessen. Sie verlieren nun voraussichtlich ihre Arbeit, weil kein Investor gefunden werden konnte. In einer ersten Welle unmittelbar nach der Insolvenz hatten in Hessen bereits etwa 750 Beschäftigte ihre Jobs bei Schlecker verloren. Von diesen hätten sich 620 arbeitslos gemeldet und bislang nur rund 100 eine neue Stelle gefunden, erklärte Schiederig unter Berufung auf Zahlen der Agentur für Arbeit. Dies belege die schwierige Beschäftigungssituation im Handel.

Im Frankfurter Gewerkschaftshaus verfolgten viele Schlecker-Frauen am Freitag die negativen Nachrichten über ihre Firma. „Sie sind wütend, enttäuscht und niedergeschlagen“, berichtete Schiederig. Richtig überrascht habe das endgültige Aus aber nicht mehr, weil es in den vergangenen Tagen keine positiven Meldungen zu möglichen Investoren mehr gegeben habe.

Die gescheiterte Schlecker-Rettung zeigt nach Rentschs Ansicht, dass staatliche Hilfe für die insolvente Drogeriekette falsch gewesen wäre. Schlecker habe keine Zukunftsperspektive gehabt, erklärte der FDP-Politiker auf Anfrage. „Staatshilfen ersetzen eben kein wirtschaftliches Konzept eines Unternehmens.“ Die Gläubiger des insolventen Unternehmens hatten am Freitag beschlossen, dass der Schlecker-Betrieb eingestellt wird. Etwa 13 200 Mitarbeiter könnten nun Ende Juni die Kündigung erhalten. (dpa)

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