Für Union ist Apels Wechsel zur AfD keine Überraschung

Hersfeld-Rotenburg. Die Ex-Landtagsabgeordnete Elisabeth Apel wechselt von der CDU zur AfD. Für Apel waren ihre Ansichten mit den Inhalten der Union nicht mehr vereinbar.

Zur Person: Elisabeth Apel (56) wurde im Schwalm-Eder-Kreis geboren. Die Diplomingenieurin im Bereich der Lebensmitteltechnologie trat 1997 der CDU bei. Seit 2001 war sie Mitglied des Kreistages Hersfeld-Rotenburg, zwischen 1999 und 2009 Landtagsabgeordnete. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. (mho) Foto: Struthof

Der Wechsel der früheren nordhessischen CDU-Landtagsabgeordneten Elisabeth Apel zur AfD, der Alternative für Deutschland, sorgt für Diskussionen. Während die SPD-Landtagfraktion eine Distanzierung der Union von der „AfD-Überläuferin“ fordert, hält sich die hessische CDU bei einem Statement eher zurück und spricht von Entfremdung.

Die 56-jährige Apel aus dem Wahlkreis Hersfeld-Rotenburg war vor zwei Wochen aus Protest gegen die Energie- und Finanzpolitik der CDU aus der Partei ausgetreten. Laut Gunther Nickel, Landessprecher der AfD-Hessen, wechselten zwar häufiger Politiker der Union und der Partei die Linke zu ihnen. Apel sei aber vermutlich eine der ersten auf Landesebene. Nickel erwartet, dass dieser Trend auch anhalten wird.

„Frau Apel hat sich schon lange von der CDU entfremdet“, hieß es gestern von Christoph Weirich, Sprecher der CDU Hessen. Der Schritt sei daher nicht überraschend gewesen. Weiter wolle man sich dazu nicht äußern.

Umso mehr dafür die Opposition, die das Verhalten der Union angreift: Die CDU müsse endlich klare Kante gegen die immer wieder mit rechtspopulistischen Aussagen auffallende AfD beweisen, sagt Günter Rudolph, Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. Offenbar versuche die CDU nicht einmal, Distanz zur AfD aufzubauen - stattdessen suche man ihre Nähe, teilt Rudolph mit.

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Die AfD war wegen umstrittener Äußerungen zu den Rechten von Schwulen und Muslimen sowie ihrer Aussagen zur Europapolitik immer wieder bundesweit in die Kritik geraten. Der Vorwurf anderer Politiker: Die Partei sei populistisch und teilweise im rechten Lager zu verorten.

„Der Schritt ist mir nicht leicht gefallen“, sagte Elisabeth Apel gegenüber der HNA. Seit 1997 gehörte sie der CDU an - nicht aus familiärer Tradition, sondern wegen der Inhalte. Diese stimmten aber nicht mehr mit ihrer Überzeugung überein.

Nach dem Tsunami in Japan im Jahr 2011 und der Katastrophe des Atomkraftwerks in Fukushima habe sich die Energie-Politik der CDU komplett geändert. Bis dahin habe es seitens der CDU mit Blick auf die Energiepolitik in Berlin geheißen: klimafreundlich, preiswert und sicher. Das sei aber nicht mehr gegeben. Apel vermutet, dass die veränderte Ausrichtung auch dazu gedient habe, neue Koalitionsmöglichkeiten mit den Grünen zu schaffen. „Ich habe die Überzeugung vertreten, dass wir einen Energiemix brauchen“, sagt Apel. Mit einem Ausbau der erneuerbaren Energien, plus fossiler- und Atomenergie für die Übergangsphase. Jetzt werde Strom aber immer teurer, die Emissionsziele würden nicht erreicht. Das und die aktuelle Europapolitik würde sie nicht mehr mittragen. In Zukunft wolle sie am AfD-Programm mitarbeiten. kommentar

Das sagt die AfD: „Wir haben Zulauf aus allen Parteien“, sagt Gunther Nickel, Landessprecher der AfD Hessen. Besonders häufig kämen allerdings Menschen von der CDU und der Partei Die Linke zu ihnen. Die verschiedenen Herkunftslinien der Mitglieder spiegelten sich auch in der Diskussion über Themen in der Partei wider. Der Trend des Zulaufs werde sich fortsetzen, sagt der 53-jährige Landessprecher. Das sei an den Mitgliederzahlen abzulesen. In Hessen gehörten laut Nickel weit über 2000 Mitglieder der Partei an.

Von Max Holscher

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