Unmut im Südwesten über Seehofers Stromtrassen-Widerstand

+
Strom ja, Stromtrassen nein: Horst Seehofer bei einer Kundgebung gegen den geplanten Bau einer Stromleitung in Bayern. Foto: Andreas Gebert/Archiv

Stuttgart (dpa) - Mit seinem Widerstand gegen neue Stromtrassen stößt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf Kritik in Baden-Württemberg. Der grüne Regierungschef Winfried Kretschmann sagte, ihm sei Seehofers Haltung unverständlich.

Auch der CDU-Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2016, Guido Wolf, distanzierte sich von Seehofer: "Der geplanten Stromtrasse stehe ich nicht kritisch gegenüber." Windkraft mache nur dort Sinn, wo es die klimatischen Verhältnisse rechtfertigten. "Die Energie muss dann dorthin gebracht werden, wo wir sie brauchen, im Zweifel zu uns in den Süden", meinte Wolf. CDU-Landeschef Thomas Strobl hält Stromtrassen von Norden nach Süden ebenfalls für notwendig.

Kretschmann erinnerte in der "Süddeutschen Zeitung" daran, dass Bayern und Baden-Württemberg ähnliche Interessen beim Energiethema hätten. Beide Bundesländer haben einen hohen Atomstromanteil. Werden weitere Atommeiler abgeschaltet, müssen Alternativen her.

"Da brauchen wir natürlich Kapazitäten für flexible Gaskraftwerke, aber wir brauchen auch ein gut ausgebautes Leitungssystem", sagte Kretschmann. "Denn wir wollen am Ende ja nur regenerative Energien." Jetzt seien Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gefragt, den auch von Bayern mitbeschlossenen Netzausbau durchzusetzen.

Bisher sind nach den von der CSU 2013 mitbeschlossenen Netzausbauplänen des Bundes zwei Höchstspannungstrassen durch Bayern geplant. Seehofer stellt den Bau der Trassen aber wegen heftiger Bürgerproteste infrage. Kretschmann sagte, die Proteste seien für ihn kein Grund einzuknicken. "Die Politik des Gehörtwerdens bedeutet nicht, jedem Protest nachzugeben."

Es bestehe sonst die Gefahr, dass "gespaltene Strompreismärkte" entstünden und die Bundesländer im Süden, die selbst nicht ausreichend Energie erzeugen, mehr bezahlen müssten. "Das kann wirklich nicht im Interesse der süddeutschen Länder sein", meinte der grüne Ministerpräsident. "Insofern ist mir schleierhaft, was die bayerische Staatsregierung da umtreibt."

Baden-Württembergs Umweltministerium zur Energiewende

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.