Rüge von Bundestagspräsident

Unterdessen im Bundestag: Linke und AfD geraten heftig aneinander

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Christine Buchholz (Linke) antwortet bei der Plenarsitzung des Deutschen Bundestages in Berlin

Während die Parteispitzen um eine neue Regierung ringen, gab es im Bundestag die erste Auseinandersetzung zwischen der Linken und der AfD.

Berlin - Linke und AfD sind im Bundestag wegen eines Vorwurfs des Rassismus aneinandergeraten. Die verteidigungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Christine Buchholz, bezeichnete die neu ins Parlament eingezogene Partei am Mittwoch in der Debatte um die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Mali als rassistisch, nationalistisch und militaristisch. „Wir weisen das auf jeden Fall aufs Schärfste zurück“, entgegnete daraufhin Bernd Baumann, der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion. Es sei leichtfertig, wer demokratisch gewählte Kollegen in Deutschland als rassistisch verunglimpfe, wo der Begriff Rassismus mit Millionen Toten verbunden sei. Buchholz entgegnete, sie werde zu jeder Gelegenheit weiterhin sagen, dass die AfD eine rassistische Partei sei.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) kündigte nach dem Wortgefecht der beiden an, man werde sich im Ältestenrat des Bundestags verständigen, ob man in dieser Form die parlamentarischen Auseinandersetzungen bereichere. Er verwies auf einen alten römischen Satz, wonach ein Argument in der Sache durch Mäßigung in der Form stärker und nicht schwächer werde.

Hier können Sie sich die Antwort der Abgeordneten Bucholz noch einmal anschauen: 

Im Vergleich mit anderen Ländern wirkt die deutsche Hängepartie noch harmlos. Der Libanon etwa musste 29 Monate auf eine neue Regierung warten. In Belgien war es eineinhalb Jahre nach den Wahlen so weit. Die Bundestagswahl ist noch keine neun Wochen her - allerdings ist die Situation ziemlich verfahren. Nicht nur in den Parteien geht es nach dem Jamaika-Scheitern drunter und drüber. Auch im Bundestag geht es derzeit ungewöhnlich chaotisch zu, wie schon die ersten Sitzungen zeigen.

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Wer ist eigentlich Opposition, wer ist Regierung? Geschäftsführend ist die große Koalition noch im Amt. Die SPD-Minister sitzen noch ein paar Monate mit ihren Unionskollegen am Kabinettstisch. Aber muss die SPD-Fraktion noch zu allen Kompromiss-Positionen stehen? Sind die Grünen jetzt noch Opposition oder vielleicht bald schon Juniorpartner einer schwarz-grünen Minderheitsregierung? Dass die Grenzen verschwimmen, sorgt für Verunsicherung und einen schärferen Ton.

Veränderte Stimmung im Bundestag

Hans Michelbach von der CSU etwa beklagt sich diese Woche in einer Debatte: „Wir beraten doch einen Antrag der Bundesregierung. Dem haben auch die SPD-Minister im Kabinett zugestimmt. Das ist die Wahrheit. Die SPD schlägt sich einfach in die Büsche und übernimmt eben keine Verantwortung.“ Auch die FDP muss sich viele Sticheleien anhören, weil sie die schwarz-gelb-grünen Sondierungen platzen ließ.

Dazu kommt, dass jetzt die AfD dabei ist. Deren Fraktionsvorsitzende Alice Weidel ätzt gleich mal gegen die „Damen und Herren, die schon länger hier sitzen“. Die Bewohner der AfD-Filterblase wissen: Weidel spielt auf eine Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Die CDU-Politikerin hatte in einer Talkshow einmal unterschieden zwischen denen, „die vor Kurzem zu uns gekommen sind“ und denen, „die schon länger bei uns leben“. Die AfD-Anhänger hatte das empört.

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„Wir haben im Plenarsaal eine andere Stimmung als sonst“, stellt Tobias Lindner von den Grünen nach den ersten Debatten fest. Ein Mitarbeiter der Grünen-Fraktion spricht von „unkartiertem Gelände“. Eine langjährige Abgeordnete sagt, dass man den Schock über den Abbruch der Sondierungsgespräche noch allen Beteiligten anmerke.

Fachausschüsse sind noch nicht in Sicht

Es gibt aber auch beschwichtigende Stimmen. „Es ist eine Bewährungsprobe, aber es ist keine Staatskrise“, sagt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Und Noch-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) stellt fest: Es sei schön, dass der Bundestag als „wichtigste deutsche Institution“ trotz der Debatten über eine Regierungsbildung „handlungsfähig“ sei.

Um zu handeln, braucht der Bundestag nicht nur Debatten im Plenum, sondern vor allem auch seine Fachausschüsse, in denen die Experten der Fraktionen über Anträge beraten. Diese Ausschüsse allerdings gibt es erst mal nicht - schließlich steht noch nicht mal fest, welches Ministerium künftig für welche Themen zuständig sein soll. Und nun?

Hauptausschuss als Gremium für die Übergangszeit

Stattdessen hat der Bundestag diese Woche einen Hauptausschuss eingesetzt. Das Gremium für die Übergangszeit habe sich „nach der letzten Bundestagswahl bewährt“, erklärt der Parlamentarische Geschäftsführer der Union, Michael Grosse-Brömer. Im Hauptausschuss landet nun so gut wie jeder Antrag. Da kein Politiker sich mit allen Themen auskennt, schicken die Fraktionen dann tagesaktuell diejenigen Abgeordneten ins Rennen, die sich auskennen. Kein ganz einfaches Verfahren - monatelang wäre das kaum praktikabel.

Auch für Menschen außerhalb der Politik hat die Warteschleife bei der Regierungsbildung Konsequenzen. Ein Beispiel sind die Soldaten in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Da man einer neuen Regierung nicht vorgreifen will, soll der Bundestag demnächst eine dreimonatige Verlängerung der Mandate für die laufenden Einsätze beschließen. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, ist für eine Verringerung der Auslandseinsätze.

Bei einigen Themen drängt die Zeit

Doch es kann durchaus sein, dass Deutschland auch Ende März, wenn die drei Monate enden, immer noch keine neue Regierung hat. Und dann? Nochmal nur drei Monate Verlängerung? Verteidigungspolitiker Lindner von den Grünen findet: „Die Soldaten haben einen Anspruch darauf, dass die Politik sie nicht in der Luft hängen lässt.“

Ungewiss ist auch, wie es mit einem der größten Jamaika-Streitthema weitergeht. Derzeit dürfen Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutz, zum Beispiel aus dem Bürgerkriegsland Syrien, Ehepartner und minderjährige Kinder nicht nach Deutschland holen. Aber dieser Familiennachzug ist nur bis März 2018 ausgesetzt. Passiert bis dahin nichts, dürfen die Angehörigen dann wieder nachkommen.

dpa

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