Für Urlaub von König sperrt Frankreich Strand

Bewohner der Gemeinde Vallauris sind erzürnt, seit sich König Salman von Saudi-Arabien einen Strandbereich absperren ließ, bevor er am Wochenende kommt.

Es hat nicht unbedingt mit dem Seegang an der Côte d‘Azur zu tun, wenn in der südfranzösischen Gemeinde Vallauris bei Cannes die Wellen zurzeit hoch schlagen. Sondern mit der Befürchtung der Bewohner, vom salzigen Nass gar nichts mehr abzubekommen, weil ihnen der Zugang zum Strand verwehrt wird. Die Monarchie in Frankreich gehört zwar längst der Vergangenheit an - doch für den saudischen König Salman gelten Sonderregeln. Er ließ sich in den vergangenen Tagen einen eigenen royalen Zugang von seiner Villa zum - eigentlich öffentlichen - Badestrand bauen. Seit 1979 besitzt seine Familie eine imposante Anlage in Vallauris, die sich über rund einen Kilometer an der Küste erstreckt.

Damit der 79 Jahre alte Regent und seine Gefolgschaft das traumhafte Fleckchen am Mittelmeer ganz für sich haben, wird die sandige Bucht mit einer Länge von einem halben Kilometer komplett abgesperrt.

Ihm ist ein erboster Empfang in dem Städtchen gewiss, das knapp 30 000 Einwohner zählt und in dem er dieses Wochenende erwartet wird. Sein Begleittross zählt der Zeitung Le Parisien zufolge bis zu 1000 Personen, die für ein paar Wochen das süße südfranzösische Leben genießen werden. Rund 440 Zimmer hat die saudische Botschaft demnach in luxuriösen Hotel-Palästen in Cannes und Antibes reserviert - der Wirtschaft in den Touristenorten an der Côte d‘Azur dürften die reichen Gäste sehr willkommen sein.

Doch die Bürgermeisterin von Vallauris - Golfe-Juan, Michelle Salucki, ließ die Bauarbeiten am Strand zeitweise unterbrechen, die eigenmächtig in Gang gesetzt wurden. Nur zufällig habe man dort einen Kran entdeckt, der Materialien für die Errichtung eines Aufzugs zur Verbindung der Villa mit der Bucht ablegte. „Man muss das geltende Recht respektieren und kann das nicht mit Gewalt durchsetzen“, erklärt Salucki. Ein Antrag für eine Baugenehmigung lag nicht vor - diese wurde aber nachträglich vom zuständigen Unterpräfekten von Grasse, Philippe Castanet, erteilt.

Es handle sich nur um eine zeitlich begrenzte Sperrung des Strandes für die Aufenthaltsdauer des Königs und wichtiger Persönlichkeiten wie Ministern, so Castanet: „Saudi-Arabien ist ein Alliierter Frankreichs, es befindet sich im Krieg, ist Zielscheibe des Terrorismus. Sein Staatschef gehört zu den am besten beschützten der Welt.“

Die Rede ist in den Medien auch von einem Überflugverbot sowie Absperrungen im Wasser. Zahlreiche Polizisten werden abgestellt. Frankreich zählt Saudi-Arabien zu seinen strategischen Partnern, mit dem es erst im Juni Verträge unterzeichnete, die der französischen Industrie 10,3 Milliarden Euro einbringen.

Nicht alles sei käuflich, sagt auch der grüne Gemeinderat Jean-Noël Falcou. Er hat im Internet eine Petition gestartet, in der er verlangt, dass der Strand weiterhin als Allgemeingut zur Verfügung steht. Mehr als 51.000 Personen hatten bis Freitag unterschrieben.

Von Birgit Holzer

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