Bewegung bei Gipfel mit Trump

Kim Jong Un sucht Schulterschluss mit Moskau

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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (l) begrüßt Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Pjöngjang. Foto: Valery Sharifulin/Pool TASS News Agency/AP

Mit Spannung wartet die Welt, ob es zum wegweisenden Gipfel zwischen US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber kommt. Während hinter den Kulissen die Verhandlungen laufen, sucht Kim die Nähe zu Russland. Aber das ist nicht das Einzige.

Pjöngjang/Washington (dpa) - Im Ringen um ein Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump taktiert der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un zwischen Russland und den USA.

Kim empfing überraschend den russischen Außenminister Sergej Lawrow in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang und lobte dabei Moskau als Gegengewicht zu einer weltweiten Vorherrschaft Washingtons. In New York traf sein Unterhändler Kim Yong Chol mit US-Außenminister Mike Pompeo zusammen, um den möglichen Gipfel mit Trump vorzubereiten. Pompeo zeigte sich anschließend zuversichtlich und sprach von Fortschritten.

Trump hatte die Öffentlichkeit zuletzt mit einem wechselhaften Kurs in Atem gehalten. Nach fulminant mitgeteilten Zu- und Absagen ist unklar, ob das ursprünglich für den 12. Juni in Singapur angedachte Treffen stattfindet. Beide Seiten treiben die Vorbereitungen aber weiter voran. Mehrere Delegationen sprachen an unterschiedlichen Orten miteinander.

US-Außenminister Pompeo sagte nach seinem Treffen mit Kim Yong Chol, man bewege sich in die richtige Richtung. In den vergangenen 72 Stunden sei "echter Fortschritt" dabei erzielt worden, die Bedingungen für ein mögliches Treffen zwischen Kim und Trump festzulegen. Es gebe aber auch noch viel zu tun. Pompeo unterstrich, dass Trump auf einer "vollständige, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel bestehe.

Der US-Außenminister bestätigte, dass der nordkoreanische Unterhändler Kim Yong Chol am Freitag nach Washington reisen wolle, um einen persönlichen Brief von Kim Jong Un an Trump zu übergeben.

Pompeo sagte, er wisse nicht, ob am Freitag feststehen werde, ob der Gipfel stattfinden werde oder nicht.

Kim Jong Un suchte unterdessen demonstrativ engeren Kontakt zum Kreml. Er empfing Lawrow, Russlands altgedienten diplomatischen Haudegen, in seiner Residenz in Pjöngjang. "Ich schätze es sehr, dass (Präsident Wladimir) Putin Widerstand leistet gegen die Hegemonie der USA", sagte Kim. Moskau wiederum brachte sich mit dem Besuch seines Chefdiplomaten aktiv ins Spiel, um seinen Einfluss geltend zu machen. Lawrow lud Kim nach Russland ein.

Ein fester Händedruck besiegelte ihre erste Begegnung. Warme Worte folgten. Kim sagte, er habe sich eigens für ihn, den "wunderbaren Freund", Zeit genommen. Beim Foto posierten sie vor dem monumentalen Wandgemälde einer stürmischen See, die meterhohe Wellen an eine Steilküste peitscht - Nordkorea sieht sich gern als Fels in der Brandung in einer US-dominierten Welt.

"Sie treten sehr entschlossen auf, und wir sind immer bereit, mit Russland darüber zu verhandeln", sagte Kim über Russlands weltpolitischen Kurs. Das Außenministerium in Moskau veröffentlichte ein Video mit der russischen Übersetzung der Rede Kims.

Lawrow betonte, Russland wolle daran mitwirken, dass auf der koreanischen Halbinsel Frieden, Stabilität und Wohlstand herrschten. Im fernen Moskau teilte der Kreml der Agentur Interfax zufolge mit, der Minister habe Kim eine Botschaft von Putin überbracht.

Der Inhalt dieser Botschaft ging nicht aus dem Video-Clip hervor. Doch zum zentralen Thema, dem Atomkonflikt, hatte sich Lawrow zuvor beim Treffen mit seinem Ministerkollegen Ri Yong Ho geäußert.

Er begrüßte die Annäherung zwischen Nord- und Südkorea. Kim und Südkoreas Präsident Moon Jae In hatten sich in den vergangenen Wochen zwei Mal getroffen. Zugleich warnte Lawrow vor überhöhten Erwartungen an Kontakte zwischen Nordkorea und den USA. Man müsse der Versuchung widerstehen, "bis morgen alles und sofort" zu verlangen, sagte er.

Mit Lawrows Besuch unterstreicht Russland seinen Anspruch, in die Lösung von Konflikten mit globaler Bedeutung eingebunden zu werden. Vom früheren US-Präsidenten Barack Obama als "Regionalmacht" abgekanzelt, hat Putin in den fast zwei Jahrzehnten seiner Führung viele Gelegenheiten genutzt, um Russlands Wort Gewicht zu verleihen und den Einfluss der USA zurückzudrängen. Mit seiner Intervention im Syrien-Krieg verlieh er diesem Anspruch sogar militärisch Nachdruck.

Im Korea-Konflikt hatte sich Moskau bislang weitgehend im Hintergrund gehalten. Russland teilt einen kurzen Grenzstreifen mit Nordkorea. Wirtschaftlich suchen beide Länder schon länger den Kontakt. Doch auch Moskau sieht Nordkoreas Atomprogramm als Gefahr.

Indes ist der Streit um die atomare Abrüstung ein komplexes Thema; denn die USA und Nordkorea verstehen darunter unterschiedliche Dinge. Das erschwert die Verhandlungen über den Trump-Kim-Gipfel.

Die USA hoffen, Nordkorea dazu bewegen zu können, sein Atomprogramm komplett und überprüfbar abzubauen - und das möglichst rasch. Nordkorea will aus der internationalen Isolation heraus, um über Außenhandel und Investitionen Wohlstand zu generieren. Dafür muss es die von den USA durchgesetzten Wirtschaftssanktionen abschütteln.

Mitteilung russisches Außenministerium mit Video

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