US-Kriegsbeute kehrt zurück nach Hessen

Robert M.Edsel

Kronberg / Washington. 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Hessische Hausstiftung zwei Gemälde zurückbekommen, die US-Soldaten einst aus Schloss Friedrichshof, dem heutigen Schlosshotel Kronberg im Taunus, gestohlen haben.

Möglich gemacht hatte die späte Rückgabe die US-Stiftung Monuments Men, bekannt spätestens seit dem gleichnamigen Kinofilm von und mit Hollywood-Star George Clooney.

Die Monuments Men waren eine Spezialeinheit der Alliierten, die im Zweiten Weltkrieg in Deutschland Kunst und Kulturgut schützen sollte. Stiftungsgründer Robert M. Edsel war am Dienstag in Kronberg dabei. Er hat sich intensiv mit NS-Raubkunst beschäftigt.

Auch mit jener, die 1945 weitergeklaut wurde. Sein Buch diente als Vorlage des Clooney-Films. Die Stiftung, die sich für Rückgabe von US-Beutekunst einsetzt, hat Spuren verfolgt: Schloss Friedrichshof, vormals Witwensitz von Victoria (1840 - 1901), die mit Kaiser Friedrich III. verheiratet war, wurde nach der Niederlage der Nazis 1945 von der US-Armee als Offizierskasino beschlagnahmt - wie andere Anwesen der Region auch. Irgendwann war die Army wieder weg. Hunderte Kunstwerke, Gold, Silber und Edelsteine für Millionen Dollar waren auch weg: Offiziere mit Verbindungen zur Chicagoer Unterwelt sollen die Beute gen USA verschifft haben.

Die zurückgekehrten Bilder stammen von einem Rentner aus Montana. Michael R. Holland hat die Werke, die den englischen König Charles I. und Victoria mit ihrer Mutter Queen Victoria zeigen, im Bankschließfach seiner toten Tante gefunden. Die war im Krieg als Bibliothekarin mit der Army in Deutschland und will die Gemälde in Nürnberg zwei Soldaten abgekauft haben, die Bargeld brauchten. Geheimnistuerisch sei die Tante immer gewesen, sagt Holland.

Mit den Kronberger Bildern, deren Herkunft dank Wappen und Siegeln auf der Rückseite schnell geklärt war, kamen drei Gemälde an die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau zurück. Die soll ein US-Panzerkommandant beim Poker gewonnen und seelenruhig nach Hause geschickt haben. Zuletzt hingen die Kunstwerke laut Monuments-Men-Stiftung im texanischen Altersheim seiner Witwe.

Er hoffe, so Stiftungsgründer Edsel zur New York Times, dass andere US-Erben Raubkunst zurückgäben. Krieg sei Krieg - der Kunstklau habe aber gegen das strikte Verbot von US-Oberbefehlshaber General Dwight D. Eisenhower verstoßen.

• Die zurückgekehrten Bilder werden ab 20. Juni im Schloss Fasanerie bei Fulda ausgestellt. • Seite zum Clooney-Film: www.monumentsmen.com

Homepage der US-Stiftung

Hintergrund: Clooneys Spürnasen

• Richtig berühmt geworden sind die Monuments Men, die Kunstfahndertruppe der Alliierten, durch den gleichnamigen Kinofilm mit George Clooney. Museumskuratoren, Historiker, Bildhauer und Architekten sollten 1945 zu Kriegsende Kulturdenkmäler und Kunstschätze Europas vor Vernichtung oder Raub retten.

• Vieles hatten die Nazis angesichts der Niederlage versteckt . Riesige Schätze gruben US-Soldaten wieder aus. Zum Beispiel in der thüringischen Kaligrube Merkers an der Werra: Dort lag Raubgut der SS, Beute auch aus Konzentrationslagern. In einer Abbaukammer, 400 Meter tief im Salz und groß wie ein halbes Fußballfeld, fanden die US-Spürnasen über 1000 Säcke und Kisten, sauber in Reihen: darin 8645 Goldbarren, Platin, Silber, Halden von Fremdwährungen und Goldmünzen besetzter Länder, drei Milliarden Reichsmark in Scheinen, den Welfenschatz. Und 189 Koffer voller Schmuck, Goldzähne, Silberbesteck - alles platt geklopft, um mehr in die Koffer zu bekommen.

• Auch die weltberühmte Nofretete-Büste lag im Salz von Merkers. Hier und in Nachbargruben stapelten sich zudem Berge von Plastiken und Gemälden (auch Rembrandt und Dürer), Millionen Bücher, Zehntausende Theaterkostüme.

• Eigentümerin von Merkers und

Nachbarbergwerken war damals die Kasseler Wintershall AG. Deren Hauptaktionär August Rosterg zählte zum Freundeskreis Reichsführer SS, einer Gruppe Industrieller, die Hitlers Aufstieg beförderten. Untertage an der Werra mussten KZ-Häftlinge auch Flugzeugmotoren für BMW montieren.

• George Clooney, der seinen Film unter anderem im Harz drehte, kam nicht bis Merkers - den schon abgemachten Termin sagte die Produktion kurzfristig wieder ab. (wrk)

Hintergrund

Haus Hessen rettete Privatbesitz 1928 in die Hausstiftung

• Chef des Hauses Hessen ist seit 2013 Heinrich Donatus Prinz von Hessen (49). Der Betriebswirt und sein Bruder Rainer Prinz von Hessen leiten die Hessische Hausstiftung.

• Herrscher des Hauses Hessen regierten zuletzt bis 1866 als Kurfürsten in Hessen-Kassel (Kurhessen) und als Landgrafen in Hessen-Homburg sowie bis 1918 als Großherzöge in Hessen-Darmstadt (Großherzogtum Hessen).

• Die Hessische Hausstiftung wurde 1928 gegründet, als die Weimarer Verfassung nach Abschaffung der Monarchie in Deutschland die Auflösung des fürstlichen Privatbesitzes forderte und der Besitz anderenfalls verstaatlicht worden wäre.

• Der Stiftung gehören unter anderem Schloss Wolfsgarten in Langen, Schloss Fasanerie in Eichenzell/Fulda, Schloss Friedrichshof (Schlosshotel Kronberg) in Kronberg im Taunus, das Hotel Hessischer Hof in Frankfurt, das Weingut Prinz von Hessen in Johannisberg im Rheingau sowie mit dem Gut Panker landwirtschaftlicher Besitz in Schleswig-Holstein.

• Dazu kommt eine umfangreiche Kunstsammlung mit Stücken aus acht Jahrhunderten - und jetzt zwei neuen alten Gemälden, die aus USA zurückgekehrt sind. (wrk)

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