Wie zwei US-Amerikanerinnen in Kassel per Briefwahl abgestimmt haben

US-Wahl 2020: Briefwahl ist komplizierter geworden

Die US-Flagge, das Sternenbanner, weht im Wind.
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Sternenbanner im Wind: Am 3. November stehen in den Vereinigten Staaten von Amerika Präsidentschaftswahlen an. Wer wird der nächste US-Präsident? Joe Biden oder erneut Donald Trump?

Dass es ein so schwieriger Akt ist, per Briefwahl seine Stimme für die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten abzugeben, hatte die in Kassel lebende US-Amerikanerin Eva Schulz-Jander in der Form nicht mehr in Erinnerung. „Es ist komplizierter geworden. Ich wähle eigentlich immer und lasse mich deshalb früh genug registrieren“, sagt sie.

Kassel. Zur letzten Wahl 2016 hatte Eva Schulz-Jander ihre Stimme in den USA abgegeben: für Hillary Clinton von den Demokraten. Davor hatte sie per Briefwahl von Kassel aus dem Demokraten Barack Obama ihre Stimme gegeben. Sie könne sich nicht erinnern, dass es jemals so umständlich war, zu wählen. Beunruhigend sei zudem, dass Briefe in die USA statt sieben Tage inzwischen mehrere Wochen benötigten.

Aber jetzt habe sie es für die anstehende Wahl am 3. November vollbracht: „Der Brief ist in der Post“, sagt Eva Schulz-Jander (84), Ehrenbürgerin von Kassel und langjährige Geschäftsführerin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Nun bleibe nur noch, mit Ungeduld abzuwarten, ob Joe Biden der 46. US-Präsident wird oder Donald Trump der 45. Präsident bleibt.

Um Letzteres zu vermeiden, habe sie sich die Mühe gemacht. „Es war nie so prekär wie jetzt, gegen Trump ein Zeichen setzen.“ Begleitet habe sie „Democrats abroad“, die offizielle Organisation der Demokratischen Partei für Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, die im Ausland leben. Die seien sehr aktiv in ihrem Engagement, die geschätzten acht Millionen Auslandsamerikaner zur Briefwahl zu bewegen.

Eine Schwierigkeit sei, dass die Bestimmungen in jedem US-Staat unterschiedlich sind. So habe eine Freundin aus New York einfach per E-Mail gewählt. Für Texas, wo Schulz-Jander registriert ist, gestaltete sich die Briefwahl kompliziert.

Eva Schulz-Jander

Allein die Anforderung der Wahlunterlagen per E-Mail sei nicht glatt gelaufen. „Da hieß es, meine Mail mit dem ausgefüllten Formular sei nicht annehmbar.“ Dann habe sie das Formular ausgedruckt und per Post geschickt. Als nach Wochen keine Reaktion kam, habe sie nachgehakt. Schließlich kam eine Mail mit den Wahlunterlagen, die sie sich ausdrucken musste. Schwierigkeiten bereiteten ihr die Kuverts in Sondergrößen für den „Ballot“, den Wahlzettel, von denen eines doppelseitig bedruckt sein musste. Im Copy-Shop sei man damit überfordert gewesen, sodass Eva Schulz-Jander am Ende eine befreundete Verlegerin um Hilfe bat.

Auch die Kasseler US-Amerikanerin Barbara Bahr (70) hat Briefwahl gemacht. Es sei ihr gut geglückt, sagt die ehemalige Sozialwesen-Dozentin an der Uni Kassel. Allerdings sei das Verfahren recht umständlich und in jedem Bundesstaat anders, räumt sie ein. „Ich komme aus einem Vorort von Washington D.C. und habe mich bereits im vergangenen Jahr für meinen Heimatstaat Virgina registrieren lassen.“

Die Unterlagen habe sie per E-Mail angefordert und am 16. September zugeschickt bekommen. Das Kuvert für die Wahlzettel habe sie ausgedruckt und selber zusammengefaltet. Nachdem es in der Post war, habe sie auf der Facebook-Seite der „Democrats abroad“ „done“ (erledigt) gepostet.

Ein Problem sei, dass man sich aktiv zur Wahl registrieren lassen müsse. Das Wahlrecht stehe einem US-Bürger nicht automatisch zu wie etwa in Deutschland. Beim Wählen vor Ort sei es auch problematisch, dass die Wahl an einem Arbeitstag, einem Dienstag, stattfindet. „Das ist für Menschen mit wenig Urlaub schwierig.“ Auch wenn man kein Auto besitze und zum 15 Meilen entfernten Wahlbüro kommen müsse.

Als Briefwählerin habe sie jetzt „große Ängste“, ob ihr Brief auch pünktlich ankomme. Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump massive Schikanen gegen die Post-Behörde im Land gefahren und unter anderem ein Hilfspaket für die angeschlagene US-Post blockiert. Das Ergebnis ist ein extrem verlängerter Weg der Postzustellung.

„Egal, wie die Wahl ausgeht: Ich habe große Angst, was in den USA passieren könnte“, sagt Barbara Bahr. „Die Stimmung ist so aufgeheizt, das kann bis zu einem Bürgerkrieg führen.“

Von Christina Hein

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