Russland droht mit „Konsequenzen“

Mehr als 100 Raketen? USA, Frankreich und Großbritannien attackieren Ziele in Syrien

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Militärschläge gegen Syrien

Die USA und ihre Verbündeten haben Ernst gemacht: Mit Angriffen in Syrien üben sie Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgasangriff der Führung in Damaskus. Russland droht mit Folgen.

Damaskus/Washington - Nach dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Syrien haben die Streitkräfte der USA, Großbritanniens und Frankreichs am Samstagmorgen mehrere Ziele in dem Bürgerkriegsland mit Raketen bombardiert. US-Präsident Donald Trump erklärte, die "Präzisionsschläge" seien eine Vergeltung für den Einsatz von Chemiewaffen durch die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad. Dabei handele es sich um "Verbrechen eines Monsters".

Nach Angaben des US-Militärs wurden Forschungs- und Produktionsstätten für Chemiewaffen getroffen. Russland drohte dem Westen nach der Angriffswelle mit "Konsequenzen".

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Mit den Angriffen reagierten die drei westlichen Staaten auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in der syrischen Stadt Duma am 7. April. Dabei waren nach Angaben örtlicher Ärzte und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 40 Menschen getötet worden. Der Westen macht die Assad-Truppen für den Angriff verantwortlich.

Schlag gegen Chemiewaffen-Herstellung - auf russische Stützpunkte Rücksicht genommen?

Nach Angaben von US-Generalstabschef Joseph Dunford wurden ein Forschungszentrum für Chemiewaffen in der Hauptstadt Damaskus sowie ein Lager und ein Kommandoposten für Waffen dieser Art nahe Homs getroffen. Dabei wurde nach Angaben des US-Militärs darauf geachtet, keine russischen Stützpunkte zu treffen.

Nach russischen und syrischen Angaben feuerten die USA, Großbritannien und Frankreich mehr als hundert Raketen ab. Eine "bedeutende Zahl" dieser Raketen sei von der syrischen Luftabwehr abgefangen worden, meldete das Verteidigungsministerium in Moskau.

Die russischen Luftabwehrsysteme auf syrischem Gebiet seien nicht eingesetzt worden, fügte das Ministerium hinzu. Es seien auch keine Raketen der USA und ihrer Verbündeten in den "Verantwortungsbereich" der russischen Luftabwehr an den Stützpunkten Tartus und Hmeimim eingedrungen.

Schwere Explosionen in Damaskus zu hören

AFP-Reporter vor Ort berichteten von mehreren schweren Explosionen in Damaskus gegen 4.00 Uhr Ortszeit. Es waren Geräusche von Flugzeugen zu hören gewesen, und am nördlichen und östlichen Rand der Hauptstadt stieg Rauch auf.

Rauch steigt am Himmel über Damaskus nach einem Luftangriff auf.

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf das Außenministerium berichtete, wurden in Homs drei Zivilisten verletzt. Das Forschungszentrum im Vorort Barseh bei Damaskus wurde demnach bei dem Angriff zerstört.

Die syrische Führung verurteilte die Angriffe als "barbarische und brutale Aggression". Das Außenministerium warf dem Westen vor, mit den Angriffen die Untersuchungsmission der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) zu verhindern. Auf diese Weise wolle der Westen "seine Lügen" zum Geschehen in Duma kaschieren. OPCW-Experten wollten am Samstag in Syrien mit den Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Giftgasangriff beginnen.

Kreml verurteilt Angriffe - und droht mit Konsequenzen

Der Kreml verurteilte die westlichen Angriffe und verlangte eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrates, bei der die "aggressiven Aktionen der USA und ihrer Verbündeten" besprochen werden sollten. Der russische Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, drohte Washington, Paris und London mit "Konsequenzen".

Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ali Chamenei, verurteilte die Angriffe als "Verbrechen". Das Außenministerium in Teheran warnte vor "regionalen Konsequenzen" der westlichen Angriffe.

Trump appellierte in einer Fernsehansprache an Russland und den Iran, ihre militärische Unterstützung für Assad aufzugeben. "Welche Art von Nation will mit dem Massenmord an unschuldigen Männern, Frauen und Kindern in Verbindung gebracht werden?", fragte er.

May erklärte, es sei bei dem "begrenzten und gezielten" Angriff darum gegangen, die Assad-Regierung vom weiteren Einsatz chemischer Waffen abzuschrecken. Die Anwendung von Gewalt sei dabei die einzige "praktikable Alternative". Macron erklärte: "Wir können die Normalisierung des Einsatzes chemischer Waffen nicht hinnehmen."

Merkel stellt sich hinter Angriffe

Nach Angaben des Pentagon wurden die Luftangriffe nach kurzer Zeit beendet. US-Verteidigungsminister Jim Mattis sagte, "derzeit" seien keine weiteren Angriffe geplant. Trump sagte dagegen in seiner Rede, die USA und ihre Verbündeten wollten "diese Antwort aufrechterhalten", bis Damaskus den Einsatz von Chemiewaffen beende.

Die Bundesregierung stellte sich hinter die westlichen Angriffe. "Der Militäreinsatz war erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren und das syrische Regime vor weiteren Verstößen zu warnen", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die Nato befürwortete die Angriffe. Die Ereignisse in Duma hätten nach einer "kollektiven und wirksamen" Antwort der internationale Gemeinschaft verlangt, erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die Türkei bezeichnete die Angriffe als "angemessen". Sie hätten "das Gewissen der Menschheit angesichts des Angriffs in Duma erleichtert", erklärte das Außenministerium in Ankara.

AFP/fn

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