Die Geschichte des modernen Iran: Revolution und Protest schlagen in Wellenbewegungen über das Land

USA, Umsturz und Unterdrückung

Die Unruhen im Iran haben ihre Ursache in der Präsidentenwahl vom Juni dieses Jahres. Sie war aus westlicher Sicht der vorläufige Höhepunkt einer langen verhängnisvollen Entwicklung, an der allerdings die USA entscheidend mitwirkten. Wir blicken zurück.

Kalter Krieg

Der erste Umsturz in der Geschichte des modernen Iran wurde 1953 von den USA eingeleitet. Agenten des US-Geheimdienstes CIA ersetzten den iranischen Premier Mohammad Mossadegh durch eine Marionettenregierung. Im Kern ging es der damaligen US-Regierung um zwei Dinge. Erstens: Der Iran als Brückenstaat zwischen Europa und der islamischen Welt sollte dem wachsenden Einfluss des kommunistischen Sowjetregimes entzogen werden. In Zeiten des Kalten Krieges fürchteten die USA, den Nahen und Mittleren Osten an den Kommunismus zu verlieren.

Operation Ajax

Eine Bindung an den Westen setzte aus Sicht der USA eine wirtschaftliche und soziale Stabilisierung des Iran voraus. Dazu musste das Land viel mehr als bisher von den Einnahmen aus seiner Erdölproduktion profitieren, die bisher vor allem von Großbritannien beherrscht wurde.

Zweitens durften Briten und Amerikaner aber nicht nahezu völlig vom Erdölgeschäft abgeschnitten werden, wie es 1951 Mossadegh durchsetzte. Irans Parlament kündigte die Verträge mit den Briten und verstaatlichte die Erdölproduktion. Verhandlungen mit dem Nationalisten Mossadegh über Entschädigungen blieben erfolglos.

Zwei Jahre später organisierte die CIA in der sogenannten Operation Ajax mit Billigung von Schah Mohammad Reza Pahlavi und mithilfe des iranischen Militärs den gewaltsamen Umsturz. Mossadegh wurde abgesetzt, verurteilt und ins Exil abgeschoben.

Der Schah

Heute bezeichnen viele amerikanische Geschichts- und Politikwissenschaftler die Absetzung Mossadeghs als historischen Fehler. Denn für die Billigung des Putsches und damit der Rückkehr zur Internationalisierung der Erdölgewinne hatte der Schah einen hohen politischen Preis von Washington und London verlangt: die bedingungslose Unterstützung seines Regimes.

Mit riesiger Wirtschafts- und Militärhilfe machten die USA und Großbritannien den iranischen Monarchen für die nächsten 25 Jahre zur mächtigsten Figur im Iran. Dessen Herrschaft auf dem Pfauenthron verwandelte sich in eine grausame Tyrannei.

Reza Pahlavi wurde zum verhassten Diktator in der islamischen Welt und so zum Wegbereiter der Islamischen Revolution unter Ayatollah Chomeini, an deren Folgen der Westen und Israel, aber auch Teile der arabischen Länder heute noch leiden.

Chomeinis Revolution

Mit der Rückkehr des höchsten geistlichen Führers, Ayatollah Ruhollah Chomeini, aus dem Exil wurde der Iran 1979 zum schiitischen Gottesstaat. Hunderttausende Anhänger, vom Schah-Regime jahrelang unterdrückt, bereiteten dem Mullah einen triumphalen Empfang. Auch die weniger fundamentalistischen Gläubigen vertrauten auf die religiös motivierte politische Wende und hofften auf wirtschaftlichen Aufschwung. Denn in den letzten Jahren der Pahlavi-Dynastie litt das Land nicht nur unter dem Repressionsapparat des Schahs, sondern auch unter einer Versorgungskrise.

Der Westen ließ den Schah, der ins Exil gehen musste, schließlich fallen und strebte diplomatische Beziehungen zu Chomeini an. Doch die islamistischen Wellen waren nicht mehr aufzuhalten. Der schiitische Klerus übernahm auf allen Ebenen der Gesellschaft die Macht. Fortan galt islamisches Recht. Das US-Botschaftspersonal wurde in Geiselhaft genommen.

Bald war klar, dass die islamische Republik Iran zum Frontstaat gegen die USA und Israel werden würde. Im iranisch-irakischen Krieg unterstützten die Amerikaner deshalb den irakischen Diktator Saddam Hussein, der ihnen als das kleinere Übel galt.

Aufstand der Unterlegenen

Der sechste Präsident des Iran, Mahmud Ahmadinedschad, war schon als junger Student ein glühender Anhänger von Ayatollah Chomeini. Sein Regierungshandeln orientiert sich an dessen Vorgaben und ist in der Tradition der islamischen Revolution verwurzelt. Nach offiziellen Angaben wurde Ahmadinedschad als Sieger der Präsidentschaftswahl 2009 im Amt bestätigt. Reformbereite Oppositionskräfte warfen ihm Wahlbetrug vor und zogen zu zehntausenden auf die Straße. Es kam zu blutigen Unruhen und Massenverhaftungen.

Von Jörg S. carl

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