Fragen und Antworten

Heute mal ohne Frauen: Vatertag hat lange Tradition

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Vatertag an Christi Himmelfahrt: Die Tour unter Männern hat eine lange Tradition

Der Bollerwagen gefüllt mit Bier: Aus dem christlichen Feiertag Christi Himmelfahrt ist längst ein profaner Brauch geworden, an dem typischerweise Männer mit viel Alkohol im Gepäck auf Wanderschaft gehen. Die Trinkgelage der Neuzeit haben allerdings eine lange Tradition:

Woher hat der Vatertag seinen Namen?

Die Bezeichnung Vatertag ist wohl in Anlehnung an den Muttertag entstanden, sagt Christiane Cantauw, Geschäftsführerin der Volkskundlichen Kommission Westfalen. Muttertag gibt es in Deutschland seit 1923. Den Brauch, dass Männer an diesem Tag auf Wanderschaft gehen, gab es aber schon früher.

Wie lange gibt es diesen Brauch schon?

Im 19. Jahrhundert gab es bereits die so genannten Herrenpartien, in Berlin auch Schinkentouren genannt. Männer zogen gemeinsam durch die Natur – gern auch mit Alkohol im Gepäck.

Woher kommt dieser Brauch?

Entwickelt haben sich die Herrenpartien wahrscheinlich aus Flurumgängen, auch Schnadegang genannt, die im 18. Jahrhundert üblich waren. Dabei zogen die Männer eines Dorfes los, um dessen Grenzen zu kontrollieren. Es war dabei üblich, Jungs auf der Schwelle zum Erwachsenwerden durch Initiationsriten in die Gemeinschaft aufzunehmen. „Sie wurden zum Beispiel auf einen Grenzstein gestoßen, damit sie nicht vergessen, wo die Grenze verläuft“, erklärt Cantauw. Dass keine Frauen an den Flurumgängen teilnahmen, lag an den damaligen Geschlechterrollen.

Wurde schon immer Alkohol getrunken?

„Es gibt kaum einen Brauch ohne Alkohol“, sagt Cantauw. Auch bei den Flurumgängen wurde an den Grenzsteinen gern Schnaps ausgeschenkt. Auch bei den späteren Herrenpartien kam es vor, dass junge Männer im Kreis von Älteren das erste Mal Alkohol konsumierten – als eine Art Initiationsritus.

Warum wird der Bollerwagen mitgenommen?

Bollerwagen waren in der Landwirtschaft früher gang und gäbe. „Zum Beispiel wurden damit Milchkannen transportiert“, erklärt die Volkskundlerin. Da er immer zur Hand war, bot er sich auch für die Herren als Transportgerät für ihren Proviant an.

Was hat der Vatertag mit Christi Himmelfahrt zu tun?

Die Herrenpartien fanden wegen des Wetters im Frühjahr statt. „Christi Himmelfahrt war schon im 19. Jahrhundert ein Feiertag“, sagt Cantauw. „Weil der Tag frei war, bot sich der Termin an.“ Dass sich die Vatertagstour aus der christlichen Himmelfahrtsprozession entwickelt hat, hält die Vokskundlerin für unwahrscheinlich. Aber: „Ein Brauch setzt sich immer einfacher durch, wenn Elemente daraus schon bekannt sind.“ In diesem Fall ist es das gemeinsame Umherziehen, das aus der christlichen Tradition bekannt war. Alkohol war bei Prozessionen allerdings tabu.

Von Verena Schulz

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