Grüne: Neutrale Einrichtung soll Ansprechstation für die Missbrauch-Opfer sein

17 Verfahren gegen Lehrer

Hannover. Angesichts von Missbrauchsfällen an niedersächsischen Schulen in diesem Jahr hat die Grünen-Landtagsfraktion ihre Forderung nach einer unabhängigen Anlaufstelle für betroffene Schüler und Eltern bekräftigt. „Die Schulbehörden reagieren nicht immer angemessen auf sexuelle Übergriffe durch Lehrkräfte“, sagte die grüne Schulexpertin Ina Korter unserer Zeitung. Nötig sei eine neutrale Institution, an die sich die Betroffenen ohne Angst vor Nachteilen wie schlechte Noten wenden könnten.

Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) will die Einrichtung einer Ombudsstelle wohlwollend prüfen. Er sei „grundsätzlich offen“ für diesen Vorschlag, erklärte der Minister unserer Zeitung. „Allerdings müssen eine Menge Detailfragen geklärt werden, so die Vertraulichkeit von Personaldaten.“ Gleichzeitig warnte Althusmann davor, „Lehrer unter Generalverdacht“ zu stellen.

Nach einer Aufstellung seines Ministeriums in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen sind bei Landesschulbehörde 17 Verfahren im Zusammenhang mit Sexualstraftaten von Lehrkräften aktenkundig. Allein neun davon stammen aus diesem Jahr. Darunter ist der Fall eines Gymnasiallehrers, der ein Verhältnis mit einer 16-jährigen Schülerin hatte und dafür im September mit einem Strafbefehl des Amtsgerichts Syke sechs Monate Haft auf Bewährung aufgebrummt bekam.

Der Mann ist vom Dienst suspendiert; ein Disziplinarverfahren läuft. Zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilte das Schöffengericht Hannover im Oktober einen Lehrer wegen 72-fachen Missbrauchs einer siebenjährigen Schülerin – begangen Anfang der 90-er Jahre. Aufgrund der Höhe der Strafe verliert der Mann automatisch seine Beamtenrechte, insbesondere Pensionsansprüche.

Fall in Südniedersachsen

In Südniedersachsen wurde im Juli gegen einen Lehrer Anklage erhoben, der mehrere Schülerinnen unsittlich berührt haben soll. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe hat sich der Mann krankgemeldet; seit August befindet er sich im altersbedingten Ruhestand. Er muss im Falle einer Verurteilung mit Einbußen bei seiner Pension rechnen.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat zwei Strafverfahren mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. In einem Fall ging es um einen Lehrer, der mit einer 15-jährigen Schülerin via Internet gewisse Anzüglichkeiten austauschte. Da diese aber keinen verbotenen pornografischen Inhalt gehabt hätten, habe man den Mann nicht belangen könnten, erklärte Staatsanwältin Kathrin Söfker. Das schützt den Lehrer nicht vor personalrechtlichen Konsequenzen. Er ist vom Dienst suspendiert; die Landeschulbehörde bereitet eine Disziplinarklage mit dem Ziel eines dauerhaften Rauswurfs vor. In dem anderen Fall hätten sich die Vorwürfe einer geistig behinderten Schülerin gegen einen Pädagogen nicht bewahrheitet.

Die weiteren Verfahren 2011 betreffen den Besitz von Kinderpornografie. Durchsuchungen sind erfolgt, Ermittlungen laufen. Die Lehrer sind suspendiert, alle erwartet ein Disziplinarverfahren.

Von Peter Mlodoch

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.