Nazi-Mordserie: Verfassungsschutz-Chef gibt Fehler zu

Verspricht Aufklärungsarbeit: Der aus Nordhessen stammende Heinz Fromm ist Chef des Bundesverfassungsschutzes. Foto: dpa

Hessisch Lichtenau. Heinz Fromm, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, nimmt in Hessisch Lichtenau kein Blatt vor den Mund und beschönigt nichts: „Wir haben das eben nicht erkannt.“ Anders hört sich das bei CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach an.

Das sagte er im Saal des Bürgerhauses bei einer Ausstellungseröffnung zum Thema Rechtsradikalismus. „Niemand hat das erkannt.“ Und darum, so Fromm, seien die Menschen im Land auch so erschüttert.

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Heinz Fromm spricht an diesem Abend nicht abstrakt über den Rechtsextremismus, sondern ganz konkret über die Mordserie, die ganz Deutschland erschüttert und für die mutmaßlich eine Zelle von Neonazis in Zwickau verantwortlich ist. Es gab Spuren, vage Hinweise in Hülle und Fülle, sagt Fromm. Aber niemand habe die Verbindung zur rechten Szene gezogen.

Dafür gab es keine Indizien, keine Beweise. „Dass wir das nicht erkennen konnten - darum ist das Entsetzen so groß,“ sagt der oberste Verfassungsschützer, der in Frieda im Werra-Meißner-Kreis aufgewachsen ist.

Zu dem Fall, der in seiner nordhessischen Heimat spielt, nämlich die mögliche Verwicklung des Verfassungsschützers Andreas T. in den Kasseler Mord an Halit Yozgat, will Fromm im Gespräch mit unserer Zeitung nichts Konkretes sagen. Der Generalbundesanwalt prüfe auch diese Vorkommnisse noch einmal im Rahmen seiner Ermittlungen. Und: Politisch sei die hessische Landesregierung verantwortlich, nicht das Bundesamt für Verfassungsschutz.

Für sein Amt kündigt der Präsident, der in nicht allzu ferner Zeit in Pension gehen wird (Fromm ist 63 Jahre alt), Konsequenzen aus der Mordserie an. Man werde alle Fälle der letzten 15 Jahre mit rechtsextremer Beteiligung noch einmal unter die Lupe nehmen. Fromm: „Wir drehen Stein für Stein, jedes Blatt noch einmal um.“

Außerdem werde man künftig stärker „personenbezogen“ arbeiten. Also auch einzelne Aktive genauer überprüfen und nicht nur ein Auge auf große Organisationen haben.

Aber: Trotz aller Maßnahmen könnten auch künftig Gewalttaten von Neonazis nicht ausgeschlossen werden, sagt Fromm. Konkrete Anhaltspunkte etwa für weitere Morde, Banküberfälle oder Anschläge gebe es aber nicht.

Von Frank Thonicke

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