Fall Edathy

Verkaufs-Verbot von Kinder-Nacktfotos gefordert

Berlin - Die Gesetze zum Schutz vor Kinderpornografie müssen überprüft werden - das fordert der Deutsche Kinderschutzbund. Der Kauf und Verkauf von Kinder-Nacktfotos solle verboten werden.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat eine Verschärfung der Gesetze gegen Kinderpornografie gefordert. „Der Fall Edathy zeigt klar, dass es hier eine Gesetzeslücke gibt“, sagte Rörig der Tageszeitung „Die Welt“ (Dienstag). Diese Lücke müsse geschlossen werden: „Wenn Darstellungen von Kindern erzeugt werden, um sexuelle Interessen von Erwachsenen zu befriedigen, muss dies im Sinne eines besseren Kinderschutzes strafrechtlich sanktioniert werden.“

Im Strafrecht wird bei Kinderpornografie zwischen Kategorie eins und Kategorie zwei unterschieden. Bei Kategorie zwei sind nackte Kinder, aber nicht explizit ihre Genitalien im Fokus. Solche Aufnahmen sind nach derzeitiger Gesetzeslage nicht strafbar. Bei Kategorie eins handelt es sich um strafbares kinderpornografisches Material.

Auch der Deutsche Kinderschutzbund dringt darauf, die Gesetze zum Schutz vor Kinderpornografie zu überprüfen. „Die massenhafte Verbreitung und kommerzielle Verwertung sogenannter Posing-Fotos sind ein Alarmsignal“, sagte Bundesgeschäftsführerin Paula Honkanen-Schoberth der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag). „Denn man muss immer bedenken, dass dahinter Gewalt und Missbrauch von Kindern stehen können.“

"Das überschreitet eine Grenze"

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, hat dafür plädiert, den Kauf und Verkauf von Fotos mit nackten Kindern generell unter Strafe zu stellen. „Die Würde des Kindes ist unantastbar“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstag-Ausgabe). „Und es ist ein schwerer Verstoß gegen die Menschenwürde, wenn Fotos von Kindern vermarktet oder gekauft werden. Sie werden ja nie nach ihrem Einverständnis gefragt. Das überschreitet eine Grenze.“

Hilgers betonte jedoch: „Man darf das nicht in gleicher Weise bestrafen wie Kinderpornografie. Da muss es einen graduellen Unterschied geben.“ Überdies müsse man „aufpassen, dass man nicht Dinge kriminalisiert, die zum alltäglichen Leben gehören“ - so etwa Fotos von Kindern am Strand, die von Eltern gemacht würden.

Auch in der CDU gibt es laut der "Rheinischen Post" (Dienstagausgabe) Überlegungen zu einem generellen Verbot von käuflichen Nacktfotos von Kindern. Zumindest die gewerbliche Verbreitung derartiger Bilder sollte verboten werden, sagte Innen-Staatssekretär Günter Krings (CDU) der Zeitung. Auch nicht als Pornografie eingestufte "bloße" Nacktaufnahmen könnten Kinderseelen verletzen, besonders wenn sie weltweit verbreitet würden.

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte der "Rheinischen Post", wenn sich der "Rauch" in der Edathy-Affäre gelegt habe, "werden wir über die problematische Grauzone reden müssen, dass käuflich erworbene Nacktfotos von Kindern strafrechtlich nicht relevant sind".

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Edathy wegen Vorwürfen "im Grenzbereich" zur Kinderpornografie. Offiziell ist ein strafbares Verhalten bislang nicht nachgewiesen worden.

dpa/afp

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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