Betreiber pumpt Millionen Liter Meerwasser in havarierten Block 4

Fukushima: Versinkt der Reaktor im Boden?

+
Bilder der Katastrophe: Das große Archivfoto zeigt den zerstörten Reaktorblock 4 im März 2011. Auf dem kleinen Bild sind vier Blöcke des Atomkraftwerkes Fukushima zu sehen.

Fukushima. Knapp zwei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat Japan noch immer mit den Folgen zu kämpfen. Verschiedene Quellen berichten von Problemen bei Block 4 des Atomkraftwerkes.

Die Betreiberfirma Tepco ist gezwungen täglich Millionen von Litern Meerwasser in den havarierten Block hineinzupumpen, um die Brennstäbe zu kühlen. Das führe jedoch zu Problemen:

• Misuhei Murata, ehemaliger Botschafter Japans in der Schweiz, erklärte in einem TV-Interview, dass das eingeleitete Wasser den Boden unter Block 4 aufweiche. Die Folgen würden sich nun bemerkbar machen. Das Einsinken des Reaktorblocks in den Boden finde nicht gleichmäßig statt und das Gebäude könne ganz kippen. Nach Muratas Kenntnisstand ist das Gebäude bereits um 60 Zentimeter in den Erdboden eingesunken. Das Gebäude drohe einzustürzen, was zum Aussetzen der Wasserkühlung führe. Dann würden die 460 Tonnen Kernbrennstoff in kürzester Zeit heiß und es käme zu einer neuen Katastrophe.

Lesen Sie auch:

- Nuklearexperte: „Tepco genießt nur wenig Vertrauen“

• Das Informationsnetzwerk gegen Atomenergie Contratom berichtet hingegen, dass Block 4 bereits unmittelbar nach dem großen Beben im März 2011 um etwa 90 Zentimeter in den Erdboden gesackt sei. Seither sei das Gebäude um weitere 75 cm abgesunken. Zur Zeit beginne sich die Ruine zur Seite zu neigen.

• Umweltaktivist Jürgen Apitzsch berichtet in seinem Internetblog, dass der Reaktorblock zunächst um 36 Zoll nach unten gesunken sei, dies entspricht 91,4 Zentimeter. Seither sei das Gebäude um weitere 30 Zoll (76,2 cm) abgesunken. Das wären insgesamt von 167,6 Zentimeter.

• Die Betreiberfirma Tepco hingegen gibt in ihren Überprüfungsprotokollen an, dass der Reaktorblock 4 lediglich an einer von 100 Messstellen um 4,6 Zentimeter gesunken sei. Grund sei hierfür das zusätzliche Gewicht des neu aufgesetzten Deckels auf den Reaktorblock. Eine Gefahr gehe davon nicht aus.

Von Florian Quanz

Hintergrund:

Anders als in Deutschland ist eine Energiewende ist in keinem asiatischen Land geplant. Nach Angaben der Internationalen Energiebehörde IAEA sind derzeit weltweit 68 Atomreaktoren im Bau, 43 davon in Asien. Allein in China befinden sich 29 im Bau, sieben in Indien, vier in Südkorea und drei in Japan. Vietnam will bis 2030 acht Reaktoren bauen. Indonesien plant vier Reaktoren bis 2025, Malaysia mindestens zwei in den nächsten 20 Jahren. (dpa/flq)

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.