Kommentar zum Pfingsttreffen der Sudetendeutschen: Erinnerung, die nicht vergeht

Tibor Pézsa über Geschichte, die nicht vergeht

Und wieder jährt sich das traditionelle Pfingsttreffen der Sudetendeutschen - zu Recht, meint HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Art.“ Mit diesen Worten eröffnete Lew Tolstoi 1877/78 seinen berühmten Roman Anna Karenina. Gewiss: Das Unglück der Tolstoischen Romanheldin ist keine Vertriebenengeschichte. Aber die Überzeugung des großen Russen, dass das Schicksal seiner Figuren untrennbar mit dem Schicksal ihrer Familien verwoben ist, ist eine Erfahrung, die alle Vertriebenen leidvoll machten.

Artikel zum Thema

Interview: "Das hört lange nicht auf"

Nach Weltkrieg und Holocaust waren es die Vertriebenen, die - oft selbst als Opfer krimineller Übergriffe - die Höchststrafe für Schuld und Verbrechen in deutschem Namen zu tragen hatten: den Totalverlust von Hab und Gut und die Vertreibung aus der Heimat.

Die Geschichte der Vertriebenen wurde in Deutschland lange durch die Brille der neuen nationalen Interessen gesehen: Möglichst schnell zurück in die Normalität, möglichst frei von alter Last in die Zukunft. Dabei wurde oft übersehen, dass der Bund der Vertriebenen von Anfang an auf Rache und Vergeltung verzichtete. Unter den neuen Verhältnissen entwickelte sich das Schicksal der Vertriebenen nach Lastenausgleich und Ostpolitik zur Privatsache.

Politisch nahezu erledigt, prägt das Vertriebenenschicksal aber auch heute noch die Familien. Gut möglich, dass jede auf ihre eigene Weise das Unglück mit sich herumträgt. Aber sich klarzumachen, wie lange eine solche Erfahrung nachwirkt, schärft auch den Blick auf jene, die ein ähnliches Schicksal teilen. Es gibt wieder Massen von Flüchtlingen, mitten in Deutschland.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.