Aufklärung in den Heimatländern

Innenministerium: Video soll Flüchtlinge bremsen

Szenen einer Abschiebung: Abgelehnte Asylbewerber steigen im Februar am Baden-Airport in Rheinmünster (Baden-Württemberg) in ein Flugzeug. Mit einem Video, das ähnliche Szenen zeigt, möchte das Innenministerium Asylsuchende von einer Einreise abhalten. Foto:dpa

Die Bilder häufen sich: volle Zeltlager, Schlangen in Aufnahmeeinrichtungen, um Lösungen ringende Politiker. Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland wächst. Das Innenministerium setzt jetzt auf Aufklärung in einigen Ländern.

Nieselregen, schlechte Bildqualität, verpixelte Gesichter von Menschen, die abgeschoben werden – die steigende Zahl von Flüchtlingen besonders aus dem Balkan-Gebiet, veranlasst das Bundesinnenministerium neue Wege zu gehen. Mit einem Video sollen Flüchtlinge aus dieser Region von einer Einreise abgehalten werden. Denn sie kommen häufig aus wirtschaftlichen Gründen und haben kaum eine Chance auf einen Verbleib.

Warum setzt das Innenministerium auf das Video? 

Laut Medienberichten ist die Zahl der Asylanträge in Deutschland um 130 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 190.000 Anträge sind seit Jahresbeginn gezählt worden. 42 Prozent kommen laut Spiegel-Online aus den Staaten des Westbalkans wie Serbien, Albanien, Mazedonien und dem Kosovo. Sie sollen mit dem Video abgeschreckt werden. Von offizieller Seite heißt es: Das Video sei Teil einer Informationskampagne und nicht zur Abschreckung gedacht.

Was ist in dem Video zu sehen? 

In dem vier Minuten langen Beitrag, der als „Rückführungsvideo“ bezeichnet wird, ist das Prozedere einer Abschiebung zu sehen. Menschen mit gepixelten Gesichtern werden mit Detektoren am Flughafen abgescannt, Pässe werden geprüft und mit Stempeln versehen, Gepäckstücke landen erst im Bus und später auf dem Gepäckband eines Flughafens. Die Stimmung ist eher düster gehalten, die Bildqualität des Videos – eine Eigenproduktion der Bundespolizei – ist niedrig. Ein Erzähler informiert den Zuschauer, welche Folgen die Einreise nach und die Abschiebung aus Deutschland hat. Das Video soll in der jeweiligen Landessprache in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien ausgestrahlt werden. Wie hoch die Kosten sind und ob das Video nur im Internet gezeigt wird, konnte das Ministerium auf HNA-Anfrage nicht sagen.

Was genau wird in dem Beitrag gesagt? 

In dem Video heißt es unter anderem: „Aus wirtschaftlichen Gründen in Deutschland gestellte Anträge auf Asyl werden grundsätzlich abgelehnt.“ Und weiter: Suche nach Arbeit, Armut oder Krankheit könnten als Gründe nicht anerkannt werden. „Ruinieren sie nicht sich und ihre Familie“, denn die Kosten für die Rückführung – meist viele Tausend Euro, wie es in dem Video heißt – würden den Asylsuchenden in Rechnung gestellt werden.

Wie ist das Echo auf das Video? 

Bisher gibt es wenig negative Berichterstattung oder Kommentare aus der Politik. Da die Zahl der Flüchtlinge weiter wächst, soll im September ein Flüchtlingsgipfel von Bund und Ländern tagen, um über Lösungen für das Thema zu beraten.

Das Video finden Sie hier.

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