Kämpfe mit syrischen Rebellen

Video vom Abschuss aufgetaucht: Pilot gelingt erst Rettung, dann wird er getötet

Seit zwei Wochen rücken türkische Truppen in Syrien gegen kurdische Verbände in der Region Afrin vor. Nun mussten sie empfindliche Verluste einstecken. Nicht weit weg wurde ein russischer Jet abgeschossen. Der Pilot wollte sich mit dem Schleudersitz retten.

Damaskus - Islamisten gegen Russen, Kurden gegen Türken: Innerhalb eines Tages haben zwei der wichtigsten internationalen Akteure im Syrien-Krieg empfindliche Verluste erlitten. Mindestens sieben türkische Soldaten wurden bei Kämpfen im Nordwesten des Landes am Wochenende getötet - die höchste Zahl seit Beginn der „Operation Olivenzweig“ in der Region Afrin vor zwei Wochen. In der Nachbarprovinz Idlib schossen islamistische Rebellen erstmals eine russische Maschine vom Typ Suchoi Su-25 ab. Der Pilot sei getötet worden.

Die türkische Armee bestätigte, dass sieben Soldaten bei Zusammenstößen und einem Angriff von kurdischen Einheiten auf einen türkischen Panzer in der Region Afrin gestorben seien. Der TV-Sender CNN türk sprach sogar von acht Todesopfern. Die türkische Armee geht seit zwei Wochen in Nordsyrien gegen die Kurdenmiliz YPG vor, die große Gebiete entlang der syrisch-türkischen Grenze kontrolliert.

Ein russischer Pilot wurde von Rebellen in Syrien getroffen. Er rettete sich per Schleudersitz, dann wurde er dennoch getötet.

Gleichzeitig drohte Ankara auch Washington mit einer Konfrontation: Die Türkei werde bald auch gegen die YPG in der Region um die Stadt Manbidsch weiter östlich vorgehen, selbst wenn die Vereinigten Staaten ihre Soldaten dort nicht abziehen sollten, sagte ein Sprecher laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu. Für die Türkei ist die YPG als syrischer Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK eine Terrorgruppe.

Um die Lage in der nordsyrischen Region Afrin ging es auch in einem Telefonat des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan. Beide Präsidenten wollten gemeinsam daran arbeiten, politische Lösungen für die Zukunft Syriens unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen zu finden, teilte der Élyséepalast in der Nacht zum Sonntag mit.

In Deutschland und Frankreich demonstrierten am Samstag tausende Menschen gegen die „Operation Olivenzweig“. Allein in Stuttgart sprach die Polizei von 5000 Teilnehmern, darunter viele Kurden. In Hamburg waren es demnach 1700 Menschen. Dort hatten kurdische, türkische und deutsche Organisationen zu dem Protest aufgerufen und ein Ende der Gewalt und die Einstellung deutscher Rüstungsexporte an die Türkei gefordert.

Ein russischer Pilot wurde von Rebellen in Syrien getroffen. Er rettete sich per Schleudersitz, dann wurde er dennoch getötet.

Den Abschuss des russischen Flugzeugs reklamierten die Rebellen von der Al-Kaida-nahen Gruppe Hajat Tahrir al-Scham für sich. Ihre radikalislamischen Kämpfer kontrollieren die nordwestsyrische Provinz Idlib, stehen aber unter Druck einer syrisch-russischen Offensive.

Der Leichnam des Piloten solle geborgen werden, hieß es. Dieser habe sich mit dem Schleudersitz zu retten versucht und sei im Gebiet der Dschihadisten gelandet. „Im Kampf gegen Terroristen ist der Pilot getötet worden“, teilte das Verteidigungsministerium im Moskau mit. Im Internet kursierten Videos vom Abschuss und ein angebliches Foto des Toten.

Als Vergeltung beschoss das russische Militär nach eigenen Angaben das Absturzgebiet mit Raketen und tötete 30 Rebellen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Sonntag von 15 Zivilisten, die durch Vergeltungsschläge Moskaus getötet worden seien. Unter den Opfern seien auch acht Kinder.

Ein russischer Pilot wurde von Rebellen in Syrien getroffen. Er rettete sich per Schleudersitz, dann wurde er dennoch getötet.

Russland kämpft seit Herbst 2015 an der Seite der syrischen Führung und hält Präsident Baschar al-Assad an der Macht. Vor dem Abschuss hatte das russische Militär in Syrien zwar einige Helikopter, aber nur drei Flugzeuge verloren. Zweimal war es ein Unfall, einen Jet vom Typ Suchoi-24 schoss die türkische Luftwaffe 2015 bei einer angeblichen Grenzverletzung ab.

Im Syrien-Konflikt, der sich seit 2011 zu einem Krieg mit vielen Akteuren ausgewachsen hat, sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 400 000 Menschen getötet worden. Dem Internationalen Roten Kreuz zufolge sind 13,1 Millionen Menschen auf Hilfslieferungen angewiesen. Mehr als fünf Millionen flohen aus dem Land, innerhalb Syriens sind 6,3 Millionen Personen vertrieben worden. Nach jahrelangem Krieg ist Syrien ausgezehrt.

dpa

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