Interview über weibliche Führungskäfte: "Viele unterbrechen Karriere“

Einkommensunterschied: Frauen in Führungspositionen verdienen laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Foto: dpa

Wiesbaden. Weibliche Führungskräfte verdienen in Deutschland 30 Prozent weniger als Männer in derselben Position. Das geht aus der aktuellen Verdienststrukturerhebung für das Jahr 2010 hervor, die das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden veröffentlicht hat.

Der durchschnittliche Bruttostundenlohn von Führungskräften lag bei 27,64 Euro bei Frauen und 39,50 Euro bei Männern. In allen Berufsgruppen verdienten Frauen 22 Prozent weniger als Männer. Mit 28 Prozent ist die Differenz in der Altersspanne zwischen 55 und 64 Jahren besonders groß, bis 24 beträgt sie nur zwei Prozent.

Über die Gehaltsunterschiede haben wir mit der Vizepräsidentin des Vereins Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar), Jutta von Falkenhausen, gesprochen.

Warum sind die Gehaltsunterschiede ausgerechnet bei Führungskräften so groß?

Jutta von Falkenhausen: In Unternehmen arbeiten mehr Frauen in den niedrigsten und viel mehr Männer in den höchsten Führungspositionen. Die Pyramide wird sehr spitz, wenn es um die richtig guten Jobs geht. Im unteren und mittleren Management gibt es dagegen zwischen 30 und 60 Prozent Frauen.

Geben Frauen bei Gehaltsverhandlungen zu schnell klein bei?

von Falkenhausen: Das würde nicht die Diskrepanz von 30 Prozent erklären. Sicherlich verhandeln Frauen in eigener Sache nicht so energisch, wie sie es manchmal müssten. Ich denke aber, dass in den von Frauen dominierten Wirtschaftszweigen weniger gezahlt wird.

Mit dem Alter nehmen die Einkommensunterschiede zu. Warum?

von Falkenahausen: In Deutschland unterbrechen sehr viel mehr Frauen ihre Karriere, um sich um ihre Familie zu kümmern. Sie sind häufig froh, wenn sie wieder einsteigen können und verhandeln nicht lange über das Gehalt. Auch Teilzeitarbeit wird im Verhältnis schlechter bezahlt als die Vollzeitarbeit.

Fidar macht sich für die Geschlechterquote von 30 Prozent stark. Wie stellen Sie eine gerechte Bezahlung sicher?

von Falkenhausen: Uns geht es vor allem um die Aufsichtsräte, aber auch um die Vorstände. Bei Spitzenpositionen habe ich keine großen Sorgen um eine ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Ich glaube, dass mehr Frauen in Führungspositionen ein größeres Augenmerk auf gerechte Bezahlung lenken. (jce)

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