Kunden sind Leidtragende

Kommentar zum Bahnstreik: Weselsky wird zum Rambo der Gleise

Ullrich Riedler über den Kurs von GDL-Chef Claus Weselsky

Vier Tage Ausnahmezustand für die Bahnkunden: Heute beginnt ein langer Lokführerstreik, zunächst im Güterverkehr. Von Morgen an trifft es auch die Reisenden. Die Bahn versucht die Wirkung mit Notfahrplänen zu mildern. Ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Ullrich Riedler.

Jetzt lässt Claus Weselsky die ganz großen Muskeln spielen. Nach dem mehr als 50 Stunden dauernden Ausstand vor rund zwei Wochen treibt der GDL-Chef seine Lokführer nun in den Rekordstreik: Vier Tage Ausstand am Stück. David gegen Goliath, eine kleine, aber durchorganisierte, mitgliederstarke Spartengewerkschaft gegen die mächtige Bahn. Und im Hintergrund droht das Tarifeinheitsgesetz einer Regierung, die darum fürchten muss, dass eines der effizientesten Industrieländer weiterhin teilweise lahmgelegt wird.

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Nur vordergründig geht es der GDL um fünf Prozent mehr Lohn bei kürzeren Arbeitszeiten. Sie will auch als Interessenvertretung mächtiger werden. Die Bahn kam der Gewerkschaft dabei sogar entgegen und sagte ihr einen eigenen Tarifvertrag für Zugbegleiter zu. Doch Weselsky lehnte ab: Er wollte im Gegenzug keine Zugeständnisse machen.

Zum Leidwesen der Kunden wird er daher immer mehr zum kompromisslosen Rambo der Schiene, dessen Rot-Signale das Vertrauen in verlässlichen Zugverkehr untergraben. Selbst der DGB ist vom Konfrontationskurs der GDL abgerückt. Was Wunder? Mit seiner ungeschmeidigen Linie schadet Weselsky der Gewerkschaftssache mehr, als es jede überzogene Lohnforderung könnte. Den Lokführern sollte daher klar sein: Selbst wenn ihr Boss mit seiner Strategie der Streiksteigerung durchkommt, hat er die GDL am Ende ins Abseits geführt.

Kontakt zum Autor:  rie@hna.de

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