Max Viessmann im Interview

Viessmann-Vorstandschef: „Es gibt viel zu tun! Und zwar jetzt“

Max Viessmann (30), Vorstandschef. führt gemeinsam mit Joachim Janssen den Heizungshersteller Viessmann in Allendorf/Eder.
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Max Viessmann (30), Vorstandschef. führt gemeinsam mit Joachim Janssen den Heizungshersteller Viessmann in Allendorf/Eder.

Ölheizungen sollen in Deutschland zum Auslaufmodell werden. Wir sprachen mit Max Viessmann (30), Vorstandschef des Heizungsherstellers Viessmann in Allendorf/Eder.

Ölheizungen sollen in Deutschland zum Auslaufmodell werden – und wer sie aufdreht, soll mehr zahlen. Es ist ein Baustein des Klimapakets der Bundesregierung. Ab 2026 sollen nur noch in Ausnahmefällen Öl-Heizungen eingebaut werden dürfen. Zudem soll ein CO2-Preis auf Heizöl erhoben werden.

Spätestens nach 30 Jahren müssen alte Ölheizungen getauscht werden. Wer auf ein klimafreundlicheres Modell setzt, soll eine Prämie bekommen. Wir sprachen darüber mit Max Viessmann (30), als Vorstandschef führt er gemeinsam mit Joachim Janssen den Heizungshersteller Viessmann in Allendorf/Eder.

Wie wichtig ist das Klimapaket, wenn es um Heiztechnik geht?

Klimaziele zu erreichen, ist allein eine Frage der Verantwortung: Wie viel wollen wir heute für die Generationen von morgen tun? Wie erhalten und schaffen wir Lebensräume für unsere Kinder und Enkelkinder?

Ist das Verbot von Ölheizungen der richtige Weg?

Veraltete Öl- oder Gasheizungen auszutauschen, ist vor allem eines: ein guter Anfang mit sofortiger Wirkung. Es ist eine erste Maßnahme, die sich umgehend positiv auswirkt – für das Klima und die eigenen Energiekosten.

Reicht es, Heizungen auszutauschen?

Es muss mehr folgen. Wenn wir jetzt handeln wollen, dann mit der richtigen Kombination und Balance aus erneuerbaren Energien und maximaler Effizienz bei fossilen Energien, die für alle praktikabel sind.

Wie viel Heizungen gibt es hierzulande? Wie viele davon sind Ölheizungen?

In Deutschland gibt es 21 Millionen Heizungen, davon sind rund 5,5 Millionen Ölheizungen, von denen wiederum 700 000 bis 800 000 bereits auf dem neuesten Stand sind, also mit Brennwerttechnik arbeiten.

Der Heizungshersteller Viessmann in Allendorf/Eder.

Wie können Immobilienbesitzer die rund 4,8 Millionen in die Jahre gekommenen Ölheizungen auf Vordermann bringen?

Grob geschätzt, die Hälfte lässt sich sicherlich auf Gas umrüsten, für die andere Hälfte steht je nach räumlichen Gegebenheiten die gesamte Palette der Heiztechnik offen. Das muss individuell vor Ort entschieden werden.

Wie groß ist die Auswahl?

Im Unterschied zu anderen Sektoren stehen uns bei der Gebäudesanierung bereits heute großflächig innovative, CO2-sparsame Lösungen zur Verfügung, darunter Brennstoffzellen, Wärmepumpen und Effizienz-Heizungen mit moderner Brennwerttechnik und extrem hohen Wirkungsgraden. Klimaschutz ist also keine Frage der technologischen Möglichkeiten, sondern eine des Willens.

Ist das Klimapaket mit dem Vorstoß, Ölheizungen auszubremsen, der richtige Ansatz?

Es ist gut, dass die Bundesregierung das Thema aufgreift. Es ist auch gut, dass es dafür eine steuerliche Abschreibung geben soll, aber sie sollte nicht an bestimmte Heiztechniken geknüpft sein. Deshalb ist die kategorische Ablehnung einzelner Energieträger schlichtweg falsch.

Spüren Sie bereits, dass das Klimapaket in der Bevölkerung ankommt?

Ja, aber anders als Sie nun vermuten. Kunden reagieren seit dem Sommer zögerlich. Sie warten ab, um zu schauen, wofür es die beste Förderung gibt. Das sorgt vorerst für eine Delle im Geschäft.

Sich jetzt Zeit nehmen, um die optimale Heiztechnik für das eigene Haus auszuwählen und nicht nur aufs Geld zu schauen, wäre also der bessere Weg.

Klar, was hält uns auf? Lassen Sie uns die anstehenden Aufgaben zusammen angehen. Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung für die Generationen von morgen übernehmen. Es gibt viel zu tun! Und zwar jetzt.

Zur Person

Max Viessmann (30) aus dem nordhessischen Allendorf/Eder ist Urenkel des Firmengründers Johann Viessmann. Max Viessmann studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Darmstadt und in Karlsruhe, arbeitete bei Boston Consulting. 2016 wurde er Digital-Vorstand im Konzern. Seit 2018 leitet er mit Joachim Janssen als Co-CEOs das operative Geschäft.

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