VIP-Rabatt für Bischöfe: Kirchen verteidigen Oberklasse-Autos

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Vorfahrt im Garten von Himmelspforten, dem Exerzitienhaus der Diözese Würzburg: Katholische Bischöfe und Kirchenmitarbeiter am Rand einer Konferenz im April – neben ihren Dienst-BMW.

Kassel. Bischöfe in 300-PS- Limousinen, deren Motoren Tempo 250 schaffen: Nachdem die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kirchliche Fuhrparks und vor allem hohe CO2-Werte vieler Bischofskarossen kritisiert hat, deutet sich hier und da ein Nachdenken an.

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) erklärte auf Anfrage, der DUH-Check und die Debatte würden „jetzt sorgfältig geprüft und die Frage der Balance von Umweltverträglichkeit, Finanzierbarkeit und Sicherheit“ beim Autokauf neu gestellt.

Diskussion macht Mut

Bischof Martin Hein sieht eine „überraschend hohe Erwartung an die Kirchen als Vorreiter beim Setzen moralischer Standards“. Die Empörung in der Debatte sei nicht immer angemessen, aber doch „ermutigend“: Die Kirche bemühe sich auf allen Ebenen, „dem Thema einer ökologisch vertretbaren Lebensführung breiten Raum einzuräumen“.

Unsere Umfrage bei Kirchen und Autobauernführte zwar zu „VIP-Rabatten“. Aber nicht zu Zahlen: Die halten alle Beteiligten geheim. Unter der Hand ist die Rede von 80 Prozent.

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Vom Bistum Fulda hieß es, der Preisvorteil, den auch Oberbürgermeister bekämen, mache den 350er-Mercedes von Bischof Heinz Josef Algermissen „günstiger als einen Mittelklassewagen“. Sparsamkeit führen auch EKKW, die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und das Bistum Hildesheim an.

Die Kirchen, zweitgrößter Arbeitgeber Deutschlands, nutzen beim Einkauf ihre gute Verhandlungsposition. Eine eigene Wirtschaftsgesellschaft, die WGKD, vermittelt Kirchenpersonal und anderen günstige Autos: 30 Prozent beim Chevrolet Captiva oder 27 Prozent beim Peugeot 207 sind aktuelle Rabatte. Bischöfe brauchen die nicht: Sie werden direkt von den Autokonzernen betreut, sagt WGKD-Chef Rainer Gritzka.

Gritzkas Firma wirbt aber auch für die Initiative „Zukunft einkaufen“. Das ökumenische Umweltprojekt beider Kirchen macht sich stark für den Kauf von Produkten, die „die Schöpfung bewahren und ein Stück mehr Gerechtigkeit ermöglichen“. Das Motto „Weniger einkaufen, aber dafür besser“ gilt auch für Autos. Eine Liste von 104 Modellen der Marken VW, Audi, Seat und Skoda, die unter sechs Litern Sprit auf 100 Kilometer brauchen, wird mitgeliefert.

Solche Tipps kennen auch Bischöfe längst: Die EKKW etwa sitzt - zusammen mit den Dienstwagen-Testern der DUH - in der „Klimaallianz“.

Das Bündnis fordert, Verkehrs-Emissionen zu bremsen „durch strenge Verbrauchsgrenzwerte für Pkw und ein Tempolimit 120 auf Autobahnen“. Kirchliche Basisgruppen zur Bewahrung der Schöpfung diskutieren das längst. Oben dauert es noch: „Ein mühsamer, zeit- und kostenintensiver, aber wichtiger und lohnender Prozess“, bekennt die Landeskirche in Kassel. Die Landeskirche Hannovers, immerhin, plant für 2012 ein Klimaschutzkonzept. Auch um Autos soll es darin gehen.

Von Wolfgang Riek

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