Warlord Abdul Raschid Dostum

Vize-Präsident kehrt aus Exil nach Kabul zurück - nach Landung explodiert Bombe

+
Sicherheitskräfte helfen einem verletzten Kollegen, der nach einer Explosion am Flughafengelände auf dem Boden liegt.

Nach mehr als einem Jahr im Exil ist der umstrittene afghanische Vize-Präsident und einstige Warlord Abdul Raschid Dostum am Sonntag nach Afghanistan zurückgekehrt. Dann explodierte eine Bombe im Flughafen.

Kabul - Nachdem Dostum das Flughafengelände in Kabul verließ, erschütterte eine schwere Explosion den Airport, wie ein AFP-Reporter berichtete. "Die Explosion ist wahrscheinlich auf einen Selbstmordattentäter zurückzuführen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Es habe Verletzte geben, der Vize-Präsident sei unversehrt.

Der frühere Milizenführer wurde bei seiner Ankunft von Regierungsvertretern und Anhängern feierlich in Empfang genommen. Er verließ den Flughafen in einem gepanzerten Konvoi, dann ertönte die laute Explosion. Mehrere Krankenwagen eilten zum Ort des Geschehens.

Laut dem Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Nadschib Danisch, wurden dabei am Flughafeneingang, wo sich Dostum-Anhänger versammelt hatten, 14 Personen getötet, rund 60 verletzt.

Lokale Medien berichteten, der Konvoi Dostums habe den Flughafen nur wenige Minuten vor der Explosion verlassen. Der 63-Jährige wurde vom zweiten Vizepräsidenten Sarwar Danisch und Parlamentsmitgliedern offiziell empfangen.

Dostum hatte im Mai des Vorjahres das Land Richtung Türkei verlassen, angeblich für ärztliche Behandlungen. Manche Beobachter sahen die Reise aber als eine Flucht vor Ermittlungen.

Demnach war Dostum im Mai 2017 in die Türkei geflohen, weil ihm in seinem Heimatland ein Strafverfahren wegen Misshandlung, Entführung und Vergewaltigung eines Rivalen drohte. Er soll Ende 2016 seinen Leibwächtern befohlen haben, seinen Rivalen Ahmed Ischchi mehrere Tage lang zu verschleppen, zu foltern und gemeinschaftlich zu vergewaltigen.

Lesen Sie auch auf Merkur.de*Mehr als 50 Flüchtlinge von München aus abgeschoben - deshalb ist das ein Novum

Präsident Aschraf Ghani hatte den Usbeken Dostum 2014 zu seinem Stellvertreter ernannt, um bei den ethnischen Minderheiten im Norden Afghanistans zu punkten. Die Ernennung des einstigen Kriegsherren brachte ihm aber auch scharfe Kritik ein. Dostum wird für schwere Verbrechen nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban verantwortlich gemacht.

Seine Rückkehr war lange Gegenstand von Spekulationen. Sie erfolgte nun inmitten gewalttätiger Proteste in mehreren Provinzen im Norden Afghanistans, Dostums traditioneller Machtbasis.

Beobachtern zufolge gab Präsident Ashraf Ghani grünes Licht für die Rückkehr seines Stellvertreters, um den Norden zu stabilisieren und sich vor den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr die Unterstützung der usbekischen Minderheit zu sichern.

dpa/AFP

Lesen Sie auch: Ruhani droht Trump mit "Mutter aller Schlachten"

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.