Wolfsburg ist die Hochburg in Deutschland: In der Stadt leben mehr als 5000 italienische Staatsbürger

Volkswagen hält die Bänder an

Italia! Noch jubeln sie: Stimmungsvoll mit Landesflagge posiert die fußballbegeisterte Familie Curcuruto mit Freunden am Dienstag in ihrer Pizzeria in der Wolfsburger Innenstadt. Die etwa 5000 italienischen Wolfsburger fiebern einem Sieg der italienischen Fußball-Mannschaft entgegen. Foto: dpa

Wolfsburg. Ob bei Volkswagen, in den Vereinen oder in den Familien – im niedersächsischen Wolfsburg ziehen Deutsche und Italiener an einem Strang. Außer beim Fußball! Bei aller Freundschaft, heute heißt es bei den italienischen Bürgern der Stadt „Forza Italia“. „Das wird das Spiel des Jahres“, sagt Nando Constantini. Der 43-Jährige betreibt eine Espresso-Bar in Wolfsburgs Innenstadt. Ganz diplomatisch hängt links von der Theke die italienische und rechts die deutsche Flagge.

Eines ist klar: Falls die Italiener gewinnen, wird es in Wolfsburg einen der längsten Auto-Korsos der Republik geben. Bei Volkswagen, wo die meisten Wolfsburger arbeiten, stehen während des Spiels die Bänder still. „Wir feiern in diesem Jahr 50 Jahre Italiener bei Volkswagen in Wolfsburg. Entsprechend groß ist die Euphorie, wenn sich unsere Nationalmannschaften im Halbfinale treffen“, sagte VW-Betriebsratsmitglied Guido Mehlhop. Vor 50 Jahren hatte Volkswagen begonnen, italienische Arbeitskräfte anzuwerben.

5000 Wolfsburger haben heute einen italienischen Pass, wie viele Einwohner italienische Wurzeln haben, ist unbekannt. Auf jeden Fall gibt es keine andere Stadt in Deutschland, wo – relativ zur Einwohnerzahl – mehr Italiener leben: In Wolfsburg sind es 415 pro 10 000 Einwohner.

„Ich bin hier geboren, aber im Herzen doch Italiener“, sagt der Wirt Nando. Sollte Deutschland gewinnen, würde er sich aber auch freuen. Aber eigentlich ist er sich sicher, dass Italien gewinnen wird. „Wenn Deutschland verliert, kellnere ich einen Tag bei Nando“, verspricht sein deutscher Stammgast, der Extremsportler Joachim Franz. Mehrere Bildschirme stehen zur Übertragung bereit.

„Für die vielen italienischen Mitbürger in unserer Stadt wird das Halbfinalspiel zu einer ganz besonderen Begegnung“, meint Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD). Im Zentrum wird die Stadt ein Public Viewing für 5000 Zuschauer veranstalten. „Die Italiener sind dafür bekannt, dass sie gut feiern können“, sagt Polizeisprecher Thomas Figge. Mit großer Randale rechnet er nicht. Wenige Meter vom Public Viewing entfernt liegt die Pizzeria der fußballbegeisterten Familie Curcuruto. Die italienische Flagge weht innen und außen. Die Euphorie ist groß: „Es ist noch nie passiert, dass die Deutschen uns besiegt haben.“ Der 33-jährige Andrea sagt: „Der Papst ist Deutscher, aber Gott ist Italiener.“ Eine Tätowierung auf dem Arm weist ihn als Fan von Juventus Turin aus. Im Alltag steht er neben seinen deutschen Nachbarn und drückt dem VfL die Daumen. „Ich tippe auf 2:1 für Deutschland“, sagt der neunjährige Bennie. Sollte es anders kommen, würde er im Endspiel zu Italien halten. Schließlich spielt der deutsche Junge beim Fußballclub Lupo, dem ersten italienischen Fußballverein in Deutschland, gegründet vor 50 Jahren. (lni)

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