Bouffier setzt weiter auf die Zukunft des Flughafens

Ministerpräsident Bouffier: „Von Calden nach China fliegen“

Live-Interview: Unser Bild zeigt von links Peter Klebe, Volker Bouffier und Jan Schlüter. Foto: Koch

Kassel. Er regiert Hessen als volksnaher, bodenständiger Ministerpräsident. Volker Bouffier (CDU) strebt eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition an. Im Interview verteidigt er den Ausbau des Flughafens Kassel-Calden, lobt die Boomregion Nordhessen und will eine Wahlfreiheit für Schulen bei der Länge der Gymnasialzeit.

Der Wahlkampf läuft auf vollen Touren, aber man merkt es nicht richtig. Empfinden Sie das auch so?

Volker Bouffier: Zum einen sind die Ferien noch nicht lange zu Ende, zum anderen haben wir keine hochemotionalisierte Situation, die die Menschen in Massen zu Veranstaltungen lockt. Aber das wird noch zunehmen.

Ihr Vorgänger Roland Koch war eher polarisierend, Sie begreifen sich eher als der gütige Landesvater. Kommen Sie damit an?

Bouffier: Das müssen die Bürger entscheiden. Aber ich begreife mich als Ministerpräsident für alle, nicht als Spalter. Ich will möglichst alle Bürger mitnehmen.

Der Flughafen Kassel-Calden spaltet in unserer Region die Gemüter. Er ist fertiggestellt, hat 271 Millionen Euro Steuergeld gekostet, und es ist extrem wenig los. Wie bringt die Landesregierung Calden zum Laufen?

Hier können Sie das Interview mit Volker Bouffier als Live-Video sehen.

Bouffier: Der Flughafen läuft. Und er war ja ein Wunsch dieser Region. Dieser Landesteil galt früher als Armenhaus, heute ist er eine Boomregion. Eine starke Region braucht auch Flugverbindungen. Man muss zwei Zahlen gegeneinander halten. Wir haben in Calden etwa sechs Millionen Euro Defizit, aber nach allem, was errechnet wurde, werden wir auch etwa 30 Millionen Euro Steuern einnehmen, die direkt und indirekt mit dem Flughafen zu tun haben. Das ist ein Projekt für Generationen. Die Alternative wäre gewesen, wir hätten das Ding zugemacht und wieder einen Acker angelegt.

Trotzdem hoffen wir, dass es im Winter wenigstens ein oder zwei Verbindungen zu Ferieninseln geben wird.

Bouffier: Wir sollten nicht nur auf die Ferieninseln schauen. Viel entscheidender sind die Wirtschaftsverbindungen. Wir arbeiten an Linien in den Fernen Osten, vor allem nach China. Unser Ziel ist, dass der Flughafen sich selbst trägt. Er muss jetzt erst einmal wachsen, er wurde erst vor ein paar Monaten fertiggestellt.

Ein Thema, das unsere Region umtreibt, ist Fracking. Umweltministerin Lucia Puttrich ist dagegen. Wird es diese Methode der Gasgewinnung in Nordhessen geben?

Bouffier: Das ist ganz einfach: So lange man Gefahren für die Menschen und die Umwelt nicht ausschließen kann, kann man das nicht machen. Wenn man sie ausschließen kann, muss das Thema neu bewertet werden.

Aber das kann noch 20 Jahre dauern.

Bouffier: Ich weiß nicht, wie weit die Technik in 20 Jahren ist. Ich warne davor, in Ausschließlichkeiten zu denken. Heute ist vieles möglich, das vor 20 Jahren nicht ging.

Thema Bildung und Schule: Die verkürzte Gymnasialzeit G8 hat in Hessen zu Aufregungen geführt. Warum gehen Sie nicht wieder zurück zu G9?

Bouffier: Weil ich es für falsch halte, dass eine Partei den Menschen vorschreibt, wie sie glücklich werden sollen. Es gibt Kinder, die machen lieber G8, andere lieber G9. Die Politik kann nicht entscheiden, was für Kinder wichtig ist. Wir müssen Chancen eröffnen, ich bin gegen jegliche Einheitslösung.

Bildung kostet Geld. Hessen ist ein reiches Land. Trotzdem schaffen Sie es nicht, den Etat auszugleichen oder in schwarze Zahlen zu bringen. Kann die Landesregierung nicht mit unserem Steuergeld umgehen?

Bouffier: Wir gehen mit diesem Geld vorzüglich um. Das setzen wir auch für Schulen ein. Wir haben heute 61 000 Schüler weniger als zu Zeiten von Rot-Grün, aber 7000 Lehrer mehr. Wir haben noch nie so viel Geld für Bildung ausgegeben. Und wir haben die Neuverschuldung reduziert von 3,5 Milliarden auf 1,1 Milliarden Euro. Wir werden bis 2020 auf Null kommen. Noch schneller ginge es, wenn der ungerechte Länderfinanzausgleich, gegen den wir klagen, abgeschafft würde. Hessen ist das wirtschaftsstärkste Land. Drei Länder, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg, finanzieren den Rest der Länder. Es ist ungerecht, dass diese sich mit unserem Geld Dinge leisten, die wir uns wegen der Schuldenbremse nicht mehr leisten können.

Werden in Hessen wieder Studiengebühren eingeführt?

Bouffier: Wir haben entschieden, dass es keine gibt und dabei bleibt es.

Zum Schluss eine kleine Wahlprognose: Wie viel Prozent bekommt Ihre CDU?

Bouffier: Wir streben 40 Prozent und mehr an und wollen die Koalition mit der FDP fortsetzen.

Sie werden bald nach der Wahl 62 Jahre alt. Streben Sie für sich selbst eine Rente mit 67 an?

Bouffier: Das ist ein schönes Stichwort. Ich habe die feste Absicht, die nächsten fünf Jahre meine Kraft in dieses Land zu stecken. Wir sind ein schönes Land. 96 Prozent der Hessen sagen, dass sie gern hier leben.

Angenommen, es reicht nicht für Schwarz-Gelb. Würden Sie sich dann für andere Koalitionen öffnen, etwa Schwarz-Grün?

Bouffier: Es wird entweder weitergehen mit Schwarz-Gelb oder mit Rot-Grün oder auch mit Rot-Rot-Grün. Wenn man eine Regierung führen will, braucht man ein Mindestmaß an Übereinstimmung. Das sehe ich mit den Grünen nicht.

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