Nachholbedarf: In Niedersachsen fehlen Nachmittagsplätze für Grundschulkinder

Niedersachsen: Vorletzter Platz bei Ganztagsbetreuung

Fast das Schlusslicht: Nur 15 Prozent der Grundschüler in Niedersachsen nutzen ein Nachmittagsangebot. Foto:  dpa

Hannover. Bei der Quote der Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern gehört Niedersachsen zu den Schlusslichtern. Das geht aus einer Studie hervor, die die Bertelsmann-Stiftung am Montag in Gütersloh vorstellte.

Knapp 15 Prozent der Grundschüler nutzten Anfang 2010 in Niedersachsen ein entsprechendes Angebot. Nur in Baden-Württemberg war die Quote mit 13 Prozent noch geringer. In Westdeutschland lag der Anteil im Schnitt bei 21,4 Prozent, in den neuen Bundesländern bei 75,4 Prozent.

Während die Grundschulkinder in Ostdeutschland überwiegend in Horten betreut werden, ist im Westen die offene Ganztagsschule am stärksten verbreitet. Bei diesem Schultyp ist die Betreuung am Nachmittag ein freiwilliges Angebot. In Niedersachsen halten sich die Anteile der ganztägig betreuten Grundschüler in Hort (knapp 46 Prozent) und offener Ganztagsschule (fast 51 Prozent) laut Studie fast die Waage. Nur knapp vier Prozent der ganztägig betreuten Kinder besucht Grundschulen mit verpflichtendem Nachmittagsangebot.

Ungeachtet des schlechten Abschneidens ist Niedersachsen aus Sicht des Kultusministeriums auf dem richtigen Weg. Mit mehr als 500 Ganztagsgrundschulen gebe es landesweit rund zehnmal so viele Angebote wie noch vor fünf Jahren, sagte eine Sprecherin. Das Land wende für die schulischen Ganztagsangebote jährlich einen Betrag von mehr als 86 Millionen Euro auf. „Mehr als jede dritte allgemein bildende Schule ist eine Ganztagsschule“, betonte die Sprecherin.

Laut Kultusministerkonferenz ist eine Schule bereits dann eine Ganztagsschule, wenn an mindestens drei Tagen in der Woche für täglich mindestens sieben Zeitstunden eine Betreuung angeboten wird. Während viele andere Bundesländer mittlerweile nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung höhere Anforderungen an ihre Ganztagsschulen definiert haben, orientiert sich Niedersachsen noch immer weitgehend an dieser Minimaldefinition aus dem Jahr 2003. Zudem existiere keine gesetzliche Vorgabe, die den Ganztagsschulen vorschreibt, in den Ferien ein Angebot bereitzuhalten.

Im deutschlandweiten Vergleich zeigt der Länderreport, dass das Personal in Horten besser ausgebildet ist als in den Ganztagsangeboten an Schulen. In Niedersachsen verfügen laut Bertelsmann-Zahlen sechs Prozent der pädagogischen Fachkräfte im Hort über einen einschlägigen Hochschulabschluss. 75 Prozent haben demnach einen Fachschulabschluss, beispielsweise als Erzieherin. Für die offenen Ganztagsschulen gebe es dagegen keine Vorgaben für die Qualifikation des Personals und die maximale Gruppengröße. (lni)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.