Pastahauskette meldet Umsatzrekorde – einige Häuser stehen im Verdacht, Zeiterfassung zu manipulieren

Wachstumsschmerz bei Vapiano

Bonn. Wachstumsschmerzen bei Vapiano: Die Pastahaus-Kette aus Bonn hat es schnell in die Spitzengruppe der deutschen Systemgastronomie geschafft. Das erste Haus öffnete 2002 in Hamburg. Zwei Jahre später entschieden sich die Gründer Gregor Gerlach, Friedemann Findeis, Klaus Rader, Mark Korzilius und Kent Hahne Vapiano als Franchise-Konzept in die Welt reisen zu lassen. Begonnen haben die Gründer Rader, Hahne und Findeis ihre Karriere bei McDonald’s.

Bis heute wurden weltweit 152 Vapianos in 29 Ländern auf fünf Kontinenten eröffnet. Allein in Deutschland gibt es 62 Restaurants, am Ende des Jahres sollen es zehn mehr sein – so der Plan. 18,8 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr dort Pizza und Pasta verzehrt.

Seit fast 13 Jahren befindet sich das Unternehmen nun auf Wachstumskurs. Allein im ersten Halbjahr 2015 stiegen die Umsätze hierzulande um 15 Prozent.

Doch derzeit häufen sich die Negativschlagzeilen über die Franchise-Kette. Die Welt am Sonntag hatte unlängst berichtete, dass in einigen Restaurants der Kette die Arbeitszeitaufzeichnungen der Mitarbeiter manipuliert worden sein sollen, um Lohnkosten zu drücken. Gleichzeitig beschweren sich Kunden über zu wenig Personal. Die Nachfrage führt zum Schlangestehen an den Kochstationen, wo die Nudelgerichte vor den Augen der Kunden zubereitet werden.

Das ist nicht gut fürs Image und so bemüht sich die Unternehmensspitze gegenzusteuern. Um die Vorwürfe der Lohndrückerei aufzuklären hat Vapiano nun die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers beauftragt. Vapiano-Chef Gregor Gerlach (45) beteuert, das Unternehmen werde solche Praktiken nicht dulden: „Für mich würde da schon ein Stück weit kriminelle Energie dazu gehören, so etwas unter Umgehung unserer Vorschriften und unserer Kontrollen zu tun.“

Gerlach zieht sich zurück, weil er gleichzeitig noch in der Geschäftsführung der familieneigenen Unternehmensgruppe ist. Zu der Gruppe gehören etwa die Seaside Hotels. Sein Nachfolger Jochen Halfmann (50), der ab September das Unternehmen leiten wird, ergänzt, er gehe davon aus, dass innerhalb der nächsten vier Wochen Klarheit darüber bestehe.

Ob die Einschaltung der Wirtschaftsprüfer der Königsweg ist, um Arbeitnehmerrechte bei der Zeiterfassung besser zu schützen, ist umstritten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hielte es für nachhaltiger, wenn es im Unternehmen mehr Betriebsräte gäbe. Bislang ist die NGG bei Vapiano praktisch nicht vertreten.

App gegen das Schlangestehen

Auch die mitunter langen Wartezeiten sollen bald vergessen sein. Zum einen sollen mehr Kochstationen in den Restaurants geschaffen werden. Der Kunde muss zwar auch weiterhin für das Hauptgericht anstehen müssen, sagt Gerlach. Doch ein zusätzliches Schlangestehen für Getränke, Vorspeise oder Dessert soll es dann nicht mehr geben. Zum anderen soll eine neue App, mit der alles, was über das Hauptgericht hinausgeht, wie Getränke oder Desserts per Klick geordert werden kann. Diese Bestellungen sollen am Platz serviert werden. Erste Tests mit der Bestellfunktion sollen dieses Jahr beginnen, verspricht Gerlach. (dpa/mwe)

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