Sommerreise: Ministerpräsident David McAllister besucht das Wendland

Wahlkampf auf zwei Rädern

Visite auf zwei Rädern: Ministerpräsident David McAllister radelte bei seiner Sommertour durchs Wendland. Foto: dpa

Hitzacker. Plötzlich flattert die grüne Flagge der „Republik Freies Wendland“ David McAllister direkt vor der Nase herum. Mit hohem Tempo überholen einige Gorleben-Aktivisten auf Fahrrädern den radelnden CDU-Ministerpräsidenten. Die ebenfalls radelnden Personenschützer des Landeskriminalamts zucken leicht zusammen, der niedersächsische Regierungschef lächelt versonnen über die von der Abendsonne überfluteten Elbtalauen.

„Alle bisherigen Ministerpräsidenten sind immer nur mit dem Hubschrauber hergekommen“, berichtet Kerstin Rudek, früher Chefin der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg und inzwischen Landtagskandidatin der Linken im Wendland. „Aber es zählt nicht das Auftreten, die Inhalte sind entscheidend“, fügt sie schnell hinzu, fast ein wenig erschrocken über ihr verhaltenes Lob für die Dialogbereitschaft des Regierungschefs.

Vor dessen Zwei-Kilometer-Strampeltour haben rund drei Dutzend Gorleben-Gegner den Ministerpräsidenten bedrängt und vehement das sofortige Aus des Salzstocks im Suchverfahren für ein Atommüll-Endlager gefordert. „Gorleben ist geologisch ungeeignet“, sagt Rudeks BI-Nachfolger Martin Donat dem Regierungschef direkt ins Gesicht. „Aber das zählt ja nicht.“ Mehr als drei Jahrzehnte sei man von der Politik hinters Licht geführt worden; eine glaubwürdige Suche nach einem Standort könne es daher nur ohne den Salzstock im Wendland geben.

Eine halbe Stunde später darf sich McAllister dann wieder in seinem Element als Landesvater fühlen – nicht nur wegen der kurz zuvor veröffentlichen Umfrage, die seine Landes-CDU mit 38 Prozent weit vor der SPD (33 Prozent) sieht und eine rot-grüne Regierung für unwahrscheinlich erklärt. In Hitzacker enthüllt er eine Gedenktafel für den langjährigen Bürgermeister, Schützenkönig und Schriftsteller Karl Guhl, schmettert gemeinsam mit dem Shanty-Chor „Die Jeetzel-Staker“ das „Niedersachsenlied“ und beobachtet die vier verkleideten Zwerge, die der Sage nach im Weinberg der Stadt hausten und Gutes für die Menschen taten. Eine Weinkönigin taucht auch auf, Tetyana Zorkina, „die Weltoffene“, 19 Jahre alt und aus der Ukraine stammend.

Amtsbonus ausspielen

„Das ist mein Niedersachen, Gorleben-Aktivisten und Schützengilde“, freut sich McAllister. Und er sei Ministerpräsident für alle, versöhnen statt spalten laute sein Motto. „Mac ist für alle da.“ Hinter diesem Spruch steckt Strategie. Im Wahlkampf für den Urnengang am 20. Januar 2013 will der Ministerpräsident mangels prägnanter Gewinnerthemen seinen Amtsbonus ausspielen.

Von Peter Mlodoch

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