Fragen und Antworten

Schockbilder: Warnen, schocken und verbieten

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Überdimensionale Schockbilder und Warnhinweise: Die EU sagt Rauchern den Kampf an. Ab dem Jahr 2016 sollen neue Vorschriften in nationales Recht umgewandelt werden.

Brüssel. Faulende Zähne, schwarze Lungen und amputierte Raucherbeine – wer weiter zum Glimmstängel greift, muss harte Nerven mitbringen. Das Europäische Parlament hat ein umfassendes Programm beschlossen, das vor allem Jugendliche und junge Erwachsene vom Rauchen abhalten soll.

Wann werden die Schockbilder auf Zigarettenpackungen auch in Deutschland eingeführt?

Nach der Einigung im Europäischen Parlament beginnen die Verhandlungen mit den Regierungen der Mitgliedstaaten. Das kann schnell gehen, da die im Grundsatz bereits zugestimmt haben. Anschließend haben die Länder zwei Jahre Zeit, die Vorschriften in nationales Recht umzusetzen. Mit einer Umstellung ist Ende 2016 zu rechnen.

Wie sehen die Schachteln dann aus?

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Die Warnhinweise werden größer: Sie nehmen statt bisher 30 Prozent künftig 65 Prozent der Schachteln ein, müssen auf der Vorder- und Rückseite sowie auf den Seiten wiederholt werden. Außerdem gibt es Schockfotos im Bereich dieser Warnhinweise. Daneben dürfen die Hersteller auch künftig ihren Markennamen nennen.

Bei den Zigaretten ändert sich nichts?

Zusätze, die das Rauchen angenehmer machen, sind künftig verboten. Dazu zählt Menthol, das neben der Geschmacksnote auch die im Tabak enthaltenen Giftstoffe schneller in die Lunge transportiert. In den kommenden Monaten sollen Wissenschaftler feststellen, welche Zusatzstoffe unbedenklich sind. Diese werden dann in einer Positiv-Liste zusammengefasst und dürfen weiter dem Tabak beigemischt werden.

Werden auch Verkaufsverbote ausgesprochen?

Nein. Die EU-Kommission hatte zunächst vorgeschlagen, Slim-Zigaretten vom Markt zu verbannen. Experten gehen davon aus, dass ihre schlanke Form eine geringere Gefährlichkeit suggeriert. Trotzdem lehnten die Abgeordneten wie auch zuvor die Vertreter der Mitgliedstaaten dieses Verbot ab.

Elektrische Zigaretten bleiben erlaubt?

Ja. Ursprünglich hatte die EU-Kommission ja sogar vorgeschlagen, solche Produkte als Medikamente einzustufen, die an Menschen mit ausgeprägter Nikotinsucht ausgegeben werden. Das ist vom Tisch. Die elektrische Zigarette wird zwar stärker reguliert, bleibt aber frei verkäuflich.

Warum betreffen die neuen Vorschriften vor allem Zigaretten, nicht aber auch Zigarren und Pfeifentabak?

Ziel der neuen Vorschriften ist es, Jugendliche und junge Erwachsene vom Rauchen abzuhalten. Dieser Personenkreis nutzt keine Zigarren oder Pfeifentabak. In Dosen verkaufter Pfeifentabak muss Ekelbildchen und vergrößerte Warnhinweise tragen.

Warum greift Brüssel zu derart drastischen Maßnahmen?

Die Kommission beruft sich auf Studien, nach denen jährlich 700 000 Menschen in der EU an Folgen des Nikotinkonsums sterben. In Deutschland fallen täglich 300 Menschen den Auswirkungen zum Opfer. Dies verursacht hohe Ausgaben der Sozialversicherungen, so dass die Raucher auch die Allgemeinheit schädigen, argumentiert Brüssel.

Von Detlef Drewes

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