Emnid-Umfrage unter Eltern: Dichtung und Wahrheit beim UV-Schutz für Kinderhaut

Warnstufe rot beim Sonnenbad: Eltern haben große Wissenslücken

Bikini-Trio im Sand - links mit Sonnenbrand-Rot, daneben eher gebräunt. Foto: dpa

Kassel. Hautkrebs ist die weltweit häufigste und am stärksten zunehmende Krebsart unter weißhäutigen Menschen - was Eltern über Sonnenschutz für Kinder wissen, hat dennoch große Lücken.

In Deutschland erkranken laut Krebshilfe jährlich knapp 200 000 Menschen an Hautkrebs. Als Hauptschadquellen sind Sonne und Solarien längst identifiziert: Die Internationale Krebsagentur (IARC) hat UV-Strahlen vom Himmel und von der Sonnenbank schon 2009 in die höchste Kategorie für krebsauslösende Stoffe eingestuft. Dennoch sehen Fachleute die Gefahren des Hautkrebses als weithin unterschätzt an. Trotz langjähriger Aufklärung - und weil knackiges Braun nach wie vor als Schönheitsideal gilt.

Besonders gefährdet sind Kinder - aber Eltern können beim Sonnenschutz oft nicht scharf genug zwischen Dichtung und Wahrheit unterscheiden. Das zeigt eine Emnid-Umfrage für die Krankenkasse Knappschaft Bahn-See.

Je mehr gecremt, desto länger draußen?

46 Prozent der Eltern glauben laut Emnid-Umfrage, dass sich die Zeit, die Kinder in der Sonne sein dürfen, durch Mehrfach-Eincremen mindestens um die Hälfte verlängert. Prof. Dr. Szeimies, Dermatologe am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen: „Mehrfaches Eincremen ist absolut zu empfehlen, da nur so der Sonnenschutz, der durch Abrieb, Schweiß oder Wasser lückenhaft werden kann, bestehen bleibt.“ Großes Aber: Gefahrlos länger in der Sonne bleiben könne man deshalb nicht.

Helle Bekleidung oder dunkle Klamotten?

Lesen Sie auch:

- Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema Haut und Sonne auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e. V.

- Beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) befassen sich Wisenschaftler mit allen Folgen von UV-Strahlung. Größte Strahlenquelle ist die Sonne

- Von April bis September werden vom BfS am Montag, Mittwoch und Freitag 3-Tages-UV-Index-Prognosen für zehn 10 Vorhersagegebiete in Deutschland veröffentlicht

- Info-Flyer des Bündnisses „Sonne – aber sicher“

- Weitere Infos und Ansprechpartner

- Infobroschüre für ErzieherInnen , Erzieher und Eltern: Sonne – Ich passe auf!

81 Prozent der Eltern halten helle, 68 Prozent leichte Stoffe für besonders geeignet, wenn es um Sonnenschutz für Kinder geht. Die Knappschaft Bahn-See: Weiße Baumwoll-T-Shirts schützen mit einem Lichtschutzfaktor von etwa 10 kaum. Dunkle Stoffe aus dickem, dicht gewebtem Material hingegen, schwarze Jeans etwa, haben einen Lichtschutzfaktor von 1000. Sie speichern aber auch mehr Wärme. Rat für Kinder: Sonnenhut mit breiter Krempe, weite, leichte, langärmelige Kleidung mit UV-Schutz (ab „UPF 30“ oder Siegel „UV-Standard 801“), Sonnenbrille mit UV-Schutz. Unbedeckte Haut mit Sonnenmittel ab Schutzfaktor 30 cremen.

Mal ein Sonnenbrand - nicht so schlimm ...?

"Jeder Sonnenbrand - vor allem in der Kindheit - erhöht das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken. Die Haut vergisst nichts“, warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Dermatologe Szeimies: „Zu den größten Irrtümern gehört, dass Kinderhaut genauso wie Haut von Erwachsenen reagiert.“ Das Pigmentsystem, das mit Bräunung der Haut deren Zellkerne vor Sonne schützt, sei nicht im Grundschulalter schon voll ausgebildet, sondern erst mit Einsetzen der Pubertät. Bis ein Kind 18 Jahre alt ist, hat seine Haut im Schnitt bereits 75 % der Lebensdosis an UV-Strahlung abbekommen.

Taugt die Sonnenbank als Vitaminspender?

Ein Teil der UV-B-Strahlung ist nötig zum Aufbau des körpereigenen Vitamin D. Damit werben Solarienbetreiber besonders gerne. Überflüssig und schädlich, sagen Experten des BfS. Kurze Besonnung im Sommer reiche bei Gesunden für die Vitamin-D-Produktion. Exzessives Sonnenbaden oder Solarium erhöhe das Hautkrebsrisiko - Vitamin D sei besser über die Ernährung aufzubauen, im Notfall unter ärztlicher Begleitung mit Vitaminpräparaten. Seit 2009 ist Minderjährigen in Deutschland der Besuch von Solarien per Gesetz verboten.

Welchen Schutz bietet Schatten?

Begrenzten Schutz: Auch im Schatten trifft immer noch fast die Hälfte des direkten Sonnenlichts auf die Haut. Man kann also im Schatten braun werden, aber auch Sonnenbrand bekommen.

Hintergrund: Strahlenschützer raten zu Sonnensegeln

• Kindergärten, Schulen, Freibäder und Sportanlagen bieten oft zu wenig Schattenplätze. Dabei wären die der einfachste Sonnenschutz, sagt das BfS. „Da sind auch Vereine, öffentliche und private Träger gefragt. Ein Sonnensegel mit Vereinslogo kann ein echter Hingucker sein“.

• Meiden Sie besonders die Sonne in der Mittagszeit. Zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Strahlung überall am stärksten.

• Schützen Sie die Augen durch eine Sonnenbrille mit UV-Filter und möglichst geschlossenen Seiten (Gläser sollten den Hinweis „100 Prozent UV-Schutz“ oder „UV 400“ tragen).

• Babys und Kleinkinder sollten während der ersten zwölf Monate überhaupt nicht direkter Sonne ausgesetzt werden.

Von Wolfgang Riek

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.