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Kampf um Bachmut: Warum Russland die Stadt unbedingt erobern will

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Von: Peter Rutkowski

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Bereits seit September versuchen die Russische Einheiten Bachmut einzunehmen. Jetzt dringen sie auch in Wohngegenden ein.

Frankfurt – Es gibt im Englischen den lautmalerischen Begriff des „slogging“, der ins Deutsche unzureichend übersetzt wird mit einmal schuften oder ackern und ein andermal mit dreschen oder prügeln. Was die Übersetzung nicht vollständig leistet, ist die implizite Müdigkeit und Mühseligkeit des Vorgangs, getragen von einem vagen Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Der Kampf um die Stadt Bachmut im Donbass ist ein solches „slogging match“.

Am Mittwoch (20. Dezember) meldete das verlässliche britische Verteidigungsministerium, russische Einheiten seien erstmals bis in Wohnviertel von Bachmut vorgedrungen. Die Hauptlast der Kämpfe auf russischer Seite tragen weiterhin Wagner-Söldner. Sie sind durch bessere Bezahlung motivierter, und als Veteranen oder Ex-Sträflinge haben sie bedeutend weniger Skrupel als die Wehrdienstleistenden oder Reservisten in den Armee-Einheiten.

Die russischen Einheiten wollen Bachmut schon seit September einnehmen

Seit September schon versuchen die Russen, Bachmut einzunehmen. Während sie das viel bedeutendere Charkiw mit seinen Rüstungsschmieden weiter nördlich verloren, wurden kontinuierlich mehr Truppen gegen Bachmut geworfen. Die Stadt ist ein regionaler Verkehrsknotenpunkt – aber auch wenig mehr. Westliche Fachleute mutmaßen, dass die Bedeutung von Bachmut darin liegt, dass Moskau seit der Einnahme des lange widerständigen Mariupol Ende Mai keinen wirklichen Erfolg vermelden konnte. Dass sich die Wagner-Truppe dort so vehement engagiert, könnte an einem entsprechenden, vom Kreml ausgegebenen Auftrag liegen. Für die Wagners bedeutet Bachmut Geld.

Ein Anwohner spielt mit einem Hund in einer von Gefechten in Mitleidenschaft gezogenen Gegend.
Ein Anwohner spielt mit einem Hund in einer von Gefechten in Mitleidenschaft gezogenen Gegend. © dpa

Am Dienstag noch hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Soldaten in Bachmut ausgezeichnet für ihren Heldenmut. Eine typisch abgeklärte Überzeugung von Fronttruppen ist, dass es von oben Medaillen dann gibt, wenn man von grober Inkompetenz, bevorstehenden Niederlagen oder schrecklichen Verlusten ablenken will. (Peter Rutkowski)

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