Schattenwirtschaft wächst

Warum Schwarzarbeit entsteht und wie sie sich auswirkt - Fragen und Antworten

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Könnte durch die Regierungspläne wieder steigen: Schwarzarbeit in Deutschland. Vor allem der Bauwirtschaft und Dienstleistern wie Friseuren gehen dadurch viele Aufträge verloren.

Vorhaben der großen Koalition wie der Mindestlohn und die Rente mit 63 sind umstritten. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was haben die Vorhaben der Regierung mit der Schwarzarbeit zu tun? 

Ein Beispiel ist der Mindestlohn von 8,50 Euro. Die Tübinger Studie (siehe Meldung links) geht davon aus, dass bestimmte Tätigkeiten zu diesem regulären Preis nicht mehr nachgefragt werden - der Mindestlohn leiste also Schwarzarbeit Vorschub.

Wie wirkt sich die kalte Progression auf die Schattenwirtschaft aus? 

Die Regierung will die kalte Progression, also den heimlichen Steueranstieg durch Lohnerhöhungen, nicht ausgleichen. Das mache reguläre Arbeit unattraktiver und stärkt die Schattenwirtschaft um 5,3 Mrd. Euro, meinen die Studienautoren: Gerade für Menschen mit mittlerem Einkommen steige dadurch der Reiz, die höheren Abgaben zu umgehen und in die Schattenwirtschaft auszuweichen.

Wo ist die Grenze zwischen einer Gefälligkeit und Schwarzarbeit? 

Sobald nennenswerte Beträge fließen, spricht der Zoll von Schwarzarbeit. Doch eine genaue Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist, ob die Hilfsbereitschaft im Vordergrund steht oder das Geld. Wenn der Nachbarsjunge einmalig den Rasen mäht und dafür etwas Geld zugesteckt bekommt, sei das in Ordnung. Wenn er aber alle paar Wochen zum Babysitten komme, sei das schon mehr als Nachbarschaftshilfe. 

Geht Schwarzarbeit zulasten regulärer Arbeitsplätze? 

Die Baubranche und Dienstleister wie die Friseure schimpfen, dass den ehrlichen Firmen durch Schwarzarbeit viele Aufträge verloren gingen. Der DGB spricht von mindestens 500 000 vernichteten Arbeitsplätze durch Schwarzarbeit. Der Schwarzarbeit-Experte Friedrich Schneider schränkt das aber ein: Viele Bauherren könnten sich ihr Eigenheim gar nicht leisten, wenn sie alles auf Rechnung laufen lassen müssten. Der Professor schätzt, dass 60 Prozent der schwarz erledigten Bauaufträge gar nicht erteilt würden, wenn es keine Schwarzarbeit gäbe. Und von diesen zusätzlichen Baustellen profitierten wiederum die legal arbeitenden Handwerksbetriebe, denn kaum ein Haus werde komplett schwarz hochgezogen.

Wo findet Schwarzarbeit statt? 

Am weitesten verbreitet ist Schwarzarbeit auf dem Bau und in der Gastronomie. Großbaustellen, auf denen der Zoll Hunderte Schwarzarbeiter auffliegen lässt, sind das eine. Ein großer Teil der Schwarzarbeit findet im Privaten statt - etwa wenn die Putzfrau ihr Geld in bar bekommt oder das Nachbarsmädchen als Babysitterin arbeitet.

Wer arbeitet in Deutschland schwarz? 

Von den neun Millionen Schwarzarbeitern haben nach Schneiders Studien acht Millionen einen regulären Job und bessern sich schwarz das Einkommen auf. Vollzeit-Schwarzarbeiter gebe es hingegen nur knapp eine Million - vor allem Arbeitslose und Frührentner. Immer beliebter werden Modelle, bei denen etwa eine Kellnerin für 20 Stunden pro Woche legal angestellt wird und den Lohn für die übrige Arbeitszeit bar auf die Hand bekommt.

Was ist, wenn der Schwarzarbeiter pfuscht? 

Dann hat der Auftraggeber Pech gehabt. Der Bundesgerichtshof urteilte: Weil Schwarzarbeit illegal ist, kommt kein gültiger Vertrag zustande - und aus einem nichtigen Vertrag kann man auch keine Ansprüche auf die Beseitigung von Mängeln ableiten. (Az. VII ZR 6/13)

Welche Strafen drohen allen Beteiligten? 

Einem Handwerker, der schwarz das Badezimmer fliest, droht laut Zoll ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung und Vorenthaltung von Sozialabgaben. Der Zoll kommt solchen Fällen oft auf die Spur, weil etwa Nachbarn die Behörden informieren. Auch den Auftraggebern droht dann ein Bußgeld. (dpa/rie)

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